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Vier Schläge brauchte der amtierende Rathauschef Erich Raff beim Starkbierfest in der Marthabräuhalle, bis angezapft war.

In der Marthabräuhalle

Starkbierfest: Royaler Spaß mit Ritterbock

Fürstenfeldbruck - Nicht nur Krüglredner Wolfgang Ober hat beim diesjährigen Starkbierfest in der Marthabräuhalle gelästert. Der Bierprinz selbst spottete über moderne Getränketrends. Und das Thema Asyl blieb kein Tabu.

Die bayerische Bierkönigin Marlene Speck, der Kaltenberger Bierprinz, Landrat Thomas Karmasin und einige Landtagsabgeordnete: An (lokaler) Prominenz mangelte es beim Starkbierfest der König Ludwig Schlossbrauerei Kaltenberg in ihrer guten Stube, der Marthabräuhalle, nicht. Kein Wunder, gibt es doch heuer ein wichtiges Jubiläum zu feiern: Das bayerische Reinheitsgebot jährt sich zum 500. Mal.

Prinz lästert über neue Biersorten

In Bruck hat man besonders viel Grund, daran zu erinnern. Denn schließlich ist der Gründer der Brauerei, Prinz Luitpold von Bayern, über einige Ecken ein Nachfahre der Wittelsbacher, die in Gestalt von Herzog Wilhelm IV. das Gebot 1516 erlassen haben. Deswegen ließ es sich der Prinz nicht nehmen, in seiner Begrüßung einige Spitzen gegen neumodische Biertrends wie die so genannten Craft-Biere auszuteilen. Das sei gar kein Bier im eigentlichen Sinne, spottete die königliche Hoheit. Die Hobby-Brauer, die das Getränk nach einem dreiwöchigen Schnupperkurs panschen würden, glaubten wohl, sie könnten das Bier neu erfinden.

Vier zaghafte Schläge

Auf richtiges Bier im luitpold’schen Sinne, sprich Kaltenberger Ritterbock, mussten die Gäste nicht verzichten. Vier Schläge – wenn man großzügig über einige Anklopfer hinwegsieht – hatte der amtierende Bürgermeister Erich Raff (CSU) gebraucht, bis der Gerstensaft floss. Die Aufgabe übernahm er für den erkrankten OB Klaus Pleil (BBV), der sich an dem Abend entweder gut versteckte oder schlicht nicht anwesend war.

Zum eigentlichen Derblecken kam dann wie schon in den vergangenen beiden Jahren der „Oberbraumeister“ aus dem Oberland, Wolfgang Ober aus Miesbach. Nach seinem stilechten Einzug mit Fassl auf der Sackkarre las Ober der versammelten Lokalpolitprominenz die Leviten – dabei hielt er sich aber zurück. Richtig gekränkt musste hinterher keiner sein – weder der „redselige“ Andreas Lohde (CSU), noch der „Chef-Satiriker“ Florian Weber von der Spaß-Partei „Die Partei“ oder der „Amper-Pronold“ Philipp Heimerl, der in jungen Jahren schon den Fraktionsvorsitz der örtlichen SPD übernommen hat. Zwar bekam jede Partei der Stadt einen Nasenstüber verpasst. Doch die Boshaftigkeit hielt sich im Rahmen, urteilten die Stadträte hinterher.

Über seine ganze Rede hinweg blieb Ober eng am lokalen Geschehen. So lästerte er etwa über die Amperbrücke, den Bierpreis am Volksfest, das Lichtspielhaus und die Rathaus-Sanierung. Alle Themen, die etwas zum Frotzeln hergaben, wurden verbraten. Beim Publikum sorgte seine Rede aber teilweise nur für verhaltenes Schmunzeln. Manch gut geschnitzte Pointe wurde nicht durch Lacher belohnt. Dafür hatten einige Stadträte eine Erklärung: Nicht jeder im Publikum könne das lokale Politgeschehen detailgenau auf dem Schirm haben.

Krüglredner nimmt Bierprinzen auf die Schippe

Spaß hatten die Zuschauer dann aber, als der Oberbraumeister an dem Ast sägte, auf dem er sitzt. Denn er verschonte auch den Kaltenberger Prinzen nicht. Sondern machte sich darüber lustig, wie der in seiner Freizeit beim Segeln an einem Tag gleich dreimal gekentert war. Das Malheur, das ungefährlich blieb, hatte zur Folge, dass Luitpold samt Sohn von der Wasserwacht gerettet werden musste.

Thema Stripclubs bleibt heiß

Heiß fand das Publikum auch das Thema Stripclubs. Die dürfen künftig nur noch an der nördlichen Maisacher Straße aufmachen. „Da sind am nächsten Tag die Zugriffe auf Google Maps gleich gestiegen“, meinte Ober und landete damit einen Brüller. Zum Abschluss konnte der Krüglredner den Gästen mit einem dunklen Bock zuprosten, der im Bezug auf das Thema Asyl in „alkoholisches Hopfengetränk mit Migrationshintergrund“ umbenannt wurde.

Theaterstück zu Asyl-Thematik

Das Thema Asyl griff dann der Einakter „Auf der Amperbruckn“ des Brucker Brett’l auf, der dem Krüglredner fast die Show stahl. In Gestalt der zwei Suffbrüder Manni und Franzi wurde einer Touristin auf Besichtigungstour durch Fürstenfeldbruck nämlich erklärt: „I wenn net scho da wär, I tät a herkemma.“ Auch Preißn und Ossis strömten zur Genüge nach Bayern, meinten die beiden. Ein Teil der Kosten für die Flüchtlinge komme schließlich durch die Waffenlieferungen nach Saudi-Arabien wieder herein, resümierten die zwei Besoffenen am Ende.

Gänzlich ohne politische Themen kam zum Abschluss dann der Stargast aus, Kabarettist Andreas Griebel. Sein Bericht aus dem eigenen Alltag brachte das Publikum schließlich zum Johlen. Da hatte die Brauerei einen Glücksgriff geleistet, waren sich viele einig. Und das lag zu späterer Stunde wohl nicht nur am Starkbierkonsum.

Fabian Dilger

Die besten Sprüche vom Krüglredner:

„Billig und schiach sanieren – dann kemm ma weiter ohne Laster flanieren.“ - Zum Dauerthema Amperbrücke. 

„Wenn Frau Geißler die Sitzung leitet, dann herrscht ein anderes Regiment – do is Schluss mit Kuschelkurs.“ - Zur Gesprächsmoderation im Stadtrat und den Ausschüssen durch Dritte Bürgermeisterin Karin Geißler.

 „Sie und da Sepp Krätz ham oans gemeinsam, die Wahrscheinlichkeit is gleich groß, dass er wieder und Sie überhaupt auf d'Wiesn keman.“ - Zu Luitpold von Bayern, der sich seit Jahrzehnten um ein Zelt auf dem Oktoberfest bemüht.

 „Oiso Vorsicht mitm Weber – ein scharfes Zünglein an der Waage.“ Zur BBV, deren Stadtrat Florian Weber aus der Gruppierung, aber nicht aus der Fraktion ausgetreten ist. 

„Einen schwitzenden Beamten darf und wird es in Bayern nicht geben.“ - Zum Sanierungsfall Rathaus, wo im Sommer bis zu 40 Grad herrschen. 

„Wer braucht denn Konzept, wenn er Spendenquittungen hod.“ - Zum Förderverein Lichtspielhaus.

 „Mim Rucksack, Kühlbox und Gaskocher … ja wo gehst du denn hi, machst an Ausflug? … Naa, I muass zur Zulassungsstelle, mei Auto anmelden!“ - Zum stockenden Parteienverkehr in der Hasenheide.

Alle Bilder vom Starkbierfest in der Marthabräuhalle

Bilder: Königliches Starkbierfest in der Marthabräuhalle

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