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Federweißer ist im Prinzip ein Traubensaft mit Hefeansatz - er braucht noch Zeit zum Gären. Mit der Zeit wird er immer trockener. Foto: Deutsches Weininstitut

Deutsche Winzer starten Hauptlese

Aromatisch und mineralisch soll der Wein-Jahrgang 2015 werden - dafür fällt die Erntemenge in den deutschen Anbaugebieten wohl geringer aus. Auf den Preis dürfte das aber nur wenig Einfluss haben.

Mainz (dpa) - Freud und Leid liegen mitunter dicht beieinander - auch bei den deutschen Winzern. Einerseits dürfte ihnen der sonnige Sommer 2015 hochwertige Weine bescheren, wie Branchenvertreter aus den großen Anbaugebieten sagen. Dafür wird der Ertrag jedoch geringer ausfallen.

"Die Qualität wird sehr gut sein", glaubt etwa der Geschäftsführer der Winzergenossenschaft Weinbiet in der Pfalz, Bastian Klohr. Als einer der ersten deutschen Winzer in diesem Jahr startete er kürzlich mit der Hauptlese, bis Oktober werden viele andere Kollegen ebenfalls zu ihrem Erntewerkzeug greifen. Zugleich erwartet Klohr aber, dass der Ertrag wegen der Trockenheit sinken wird - wohl um bis zu 20 Prozent.

Höhere Qualität und knapperes Angebot gleich höhere Preise? Klohr schüttelt den Kopf. "So funktioniert das nicht", sagt er. "Der Weinmarkt ist global angelegt." Man stehe nun einmal in Konkurrenz zu Weinen aus anderen Weltregionen, daher werden die Preise für deutschen Wein nach seiner Einschätzung in diesem Jahr nicht steigen. Soll heißen: Trotz guter Weine dürften die Winzer hierzulande weniger verdienen als in den Jahren zuvor.

Der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd hält einen sehr guten Jahrgang für möglich. Entscheidend seien die kommenden Tage. "Das Wetter gibt es noch her, dass die Trauben länger am Stock bleiben können", sagt Sprecher Andreas Köhr. "Es gab in den letzten Tagen wenig Niederschlag und somit eine geringe Fäulnis-Gefahr."

In Sachsen hatten die Güter weniger Glück. In Teilen des Anbaugebiets hatte Anfang September Hagel gewütet, Trauben platzten auf. "Durch den Hagelschlag wird die Menge zwar ein bisschen reduziert, dennoch gehe ich von einem höheren Ernteertrag als im vergangenen Jahr aus", sagt der Vorstandschef des Weinbauverbands Sachsen, Christoph Reiner.

2014 waren es 42 Hektoliter pro Hektar, nun rechnet er mit rund 50 Hektolitern. Die Sachsen hatten schon im vorigen Jahr mit Starkregen, aufgeplatzten Beeren und damit einhergehenden Pilzinfektionen zu kämpfen. Der Preis pro Flasche soll dieses Jahr stabil bleiben.

Die Winzer an der Mosel sind bekannterweise mit der Lese relativ spät dran. Während zwischen Blüte und Ernte in den meisten Regionen etwa 100 Tage liegen, sind es hier oft 120 Tage und mehr - die längere Reifezeit macht die Weine mineralischer und aromatischer.

Beim Riesling, dem Aushängeschild des Mosel-Gebiets, wird die Lese nach Einschätzung des Vereins Moselwein frühestens im Oktober starten. Auch er geht von sehr guten Weinen aus - die Menge jedoch werde im Vergleich zu vorigen Jahren sinken.

Beim Thema Wein-Jahrgang 2015 ist auch Ulrich Maile guter Dinge, er ist Chef der Lauffener Weingärtner bei Stuttgart: "Das wird ein großer Jahrgang von hoher Qualität." Die Beeren seien wegen der Trockenheit zwar kleiner als sonst, dafür sei die Schale aber aromatischer. Finanziell gebe es hingegen kaum Luft nach oben, meint er - den Preis könne man nur um etwa fünf Prozent anheben. "Mehr gibt der Markt nicht her." Zugleich verweist Maile darauf, dass nicht nur die Erträge sinken, sondern dass auch höhere Kosten durch die im Extrem-Sommer notwendige Bewässerung angefallen sind.

Dass die Winzer von ihrem eigenen Wein in den höchsten Tönen reden, ist zwar keine allzu große Überraschung. Doch zusätzlich zur feierlichen Rhetorik weisen die sogenannten Oechsle-Werte darauf hin, dass Liebhaber edler Tropfen tatsächlich auf ihre Kosten kommen werden. Die Oechsle-Grade geben Aufschluss über den Zuckergehalt, aus dem Zucker wiederum wird der Alkohol gegoren.

Je höher die Oechsle-Werte, desto besser die Qualität des Weins, so eine Faustregel. Das DWI nennt vielversprechende Zwischenstände aus einigen Anbaugebieten, denen zufolge die Werte deutlich höher sind als in Vorjahren. "Es sieht gut aus", meint Sprecher Ernst Büscher.

Wer in den kommenden Wochen frischen Federweißen kauft, sollte ihm noch ein paar Tage Zeit lassen. "Am besten man lässt ihn etwa zwei Tage bei Zimmertemperatur stehen", sagt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut. Der Grund: Federweißer ist im Prinzip erst mal ein Traubensaft mit Hefeansatz - er braucht noch Zeit zum Gären. Mit der Zeit wird er immer trockener. Büscher empfiehlt, zwischendurch zu probieren - so kann jeder selbst entscheiden, wie süß oder trocken er seinen Federweißen trinken möchte. Dann kommt er in den Kühlschrank, denn kühl gelagert gärt er nicht mehr so schnell weiter.

Bei der Gärung entsteht Kohlenstoffdioxid, weshalb die Flaschen nicht ganz dicht verschlossen sind. Deshalb ist es auch wichtig, diese aufrecht zu transportieren und zu lagern.

Klassisch passt Federweißer zum Zwiebelkuchen. Er schmeckt aber auch zur Quiche und zu zahlreichen anderen herzhaften Gerichten, erklärt Büscher.

Ein anderes Produkt, das die Winzer schon sehr früh aus noch nicht ganz reifen Trauben gewinnen, ist Verjus. Der Essigersatz lässt sich für Salatdressings oder andere Soßen nutzen.

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