Die Richter sind sich einig: Bier ist nicht "bekömmlich". Foto: Roland Weihrauch
+
Die Richter sind sich einig: Bier ist nicht "bekömmlich". Foto: Roland Weihrauch

Gericht: Bier darf nicht als "bekömmlich" beworben werden

Ist Bier "bekömmlich"? Es darf jedenfalls nicht so beworben werden, urteilt das Landgericht Ravensburg. Gesundheitsbezogene Aussagen zu Alkohol seien in Werbeslogans nicht erlaubt.

Ravensburg (dpa) - Das Wort "bekömmlich" hat in der Werbung für Bier nichts zu suchen. Das hat das Landgericht Ravensburg entschieden.

Das Gericht berief sich auf eine Verordnung der Europäischen Union, die gesundheitsbezogene Angaben zu Bier in der Werbung verbietet. Das Wort "bekömmlich" suggeriere, dass Bier für den Körper verträglich sei, und sei damit gesundheitsbezogen, hieß es zur Begründung.

Die Brauerei Härle aus Leutkirch in Baden-Württemberg hatte einige ihrer Biersorten mit dem Begriff "bekömmlich" angepriesen. Der Berliner Verband Sozialer Wettbewerb (VSW) fand, dass der Begriff die Gefahren des Trinkens von Alkohol verschweigt, und untersagte per einstweiliger Verfügung die Werbung mit dem Begriff. Diese Anordnung bestätigte nun das Landgericht Ravensburg.

Der Anwalt der Brauerei, Roland Demleitner, schloss weitere rechtliche Schritte nicht aus. Man werde die Urteilsbegründung prüfen und dann entscheiden, ob man beim Oberlandesgericht Berufung einlege, sagte er. Das Ende der Fahnenstange sei noch nicht erreicht.

Er halte weiter für fraglich, ob die bloße Verwendung des Wortes "bekömmlich" schon gesundheitsbezogen sei, sagte Demleitner, der auch Geschäftsführer des Verbands der Privaten Brauereien in Deutschland ist. Der Kontext der Werbung sollte immer mit berücksichtigt werden. Die Brauerei Härle habe mit dem Wort "bekömmlich" lediglich den Geschmack des Bieres bewerben wollen.

VSW-Geschäftsführerin Angelika Lange sagte, Werbeslogans wie "bekömmlich" für Alkohol seien aus gutem Grund verboten. Mit Alkoholkonsum seien viele Gesundheitsrisiken verbunden. Die Zahl der Alkoholabhängigen sei groß. Die volkswirtschaftlichen Kosten für ihre Behandlung seien enorm, ganz abgesehen vom persönlichen Leid, das mit Alkoholismus verbunden sei.

Bier dürfe beworben werden, nur eben nicht mit angeblichen gesundheitlichen Vorteilen, sagte Lange. Normalerweise hielten sich die Brauereien auch an diese Vorgaben. Der aktuelle Fall sei nur ein Ausreißer. Dem Verband lägen derzeit keine ähnlichen Beschwerden mehr vor.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Online einkaufen: Vorsicht bei Fisch und Fleisch

Bei tierischen Produkten ist im Sommer Vorsicht geboten. Fleisch und Fisch verderben bei hohen Temperaturen schneller als sonst. Wer in der Regel online bestellt, sollte …
Online einkaufen: Vorsicht bei Fisch und Fleisch

Grün-weißes Kleinod im Englischen Garten

München - Vom Toilettenhäuschen und „Schwulenhäusl“ zum beliebten Treffpunkt in Eisbach-Nähe: Der Kiosk Fräulein Grüneis feiert sein fünfjähriges Bestehen mit einem …
Grün-weißes Kleinod im Englischen Garten

Mit Pflanzenextrakten: So werden grüne Smoothies gefärbt

Grüne Smoothies gelten als frisch und gesund. Doch nicht immer halten die Produkte, was ihr Aussehen verspricht. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen hat sie genauer …
Mit Pflanzenextrakten: So werden grüne Smoothies gefärbt

Kiosk-Besitzerin droht Eltern quengelnder Kinder - und kassiert Shitstorm

Felixstowe - Eltern kennen das: Wenn Kinder sich etwas in den Kopf gesetzt haben, sind sie kaum zu bremsen. Eine Kiosk-Besitzerin erklärt, warum sie das nicht tolerieren …
Kiosk-Besitzerin droht Eltern quengelnder Kinder - und kassiert Shitstorm

Kommentare