Vegan Schlemmen - das geht

München - Claudia Renner (30) aus München verzichtet seit gut zwei Jahren nicht nur Fleisch, sondern auch auf sämtliche tierische Produkte. Sie tritt den Beweis an: „Vegan essen heißt nicht verzichten.“

In unserer Freitags-Serie verraten Leser ihr Küchengeheimnis. Heute kocht Claudia Renner (30) Jahre aus München. Sie verzichtet seit gut zwei Jahren nicht nur Fleisch, sondern auch auf sämtliche tierische Produkte. Sie tritt den Beweis an: „Vegan essen heißt nicht verzichten.“

von stephanie Ebner

Claudia Renner ist eine ganz normale junge Frau. Sie liebt „Sex an the City“, hat die gesammelte Staffel auf CD. „Die kann ich immer wieder sehen.“ Auch mit Freunden essen gehen, gehört zu ihren liebsten Freitzeitbeschäftigungen. Nur dass die Veganerin dann einfach mal nur einen Salat isst oder beim Italiener Pizza oder Pasta - „das geht immer, ich will mich doch nicht selbst ausgrenzen“.

Seit zwei Jahren verzichtet Claudia Renner komplett auf tierische Produkte. Das heißt, sie isst nicht nur kein Fleisch, sondern verwendet beim Kochen auch weder Milch noch Eier.

Heute Abend hat sie Gäste zum Essen eingeladen. Wir sind - zugegebenermaßen - etwas skeptisch. Vegan essen, geht das überhaupt? Claudia Renner lacht und sagt: „Ja. Ihr werdet schon sehen.“ Und mit einem Grinsen fügt sie hinzu: „Es schmeckt auch.“ Claudia Renner ist keine, die missionarisch ans Werk geht - jeder soll nach seiner Facon glücklich werden, ist ihre Auffassung. Für sie heißt das halt vegan leben.

Seit sie acht Jahre alt ist, lebt die Münchnerin vegetarisch. „Ich wollte mit einem Schlag keine Tiere mehr essen.“ Heute sagt die 30-Jährige: „Ich kann mich gar nicht mehr an den Geschmack von Fleisch erinnern.“

Deshalb greift Claudia Renner beim Kochen auch nicht zu Fleischersatzprodukte. „Brauche ich nicht, nachdem ich schon so lange ohne Fleisch auskomme.“ An diesem Abend wird sie deshalb ohne Tofu kochen. Der habe einen fürchterlich schlechten Ruf, zu unrecht wie die Veganerin findet. „Aus dem kann man schon was machen.“ Besonders wenn er geräuchert auf den Tisch kommt oder eingelegt wird.

Vegan leben, heißt für Claudia Renner nicht nur beim Kochen auf tierische Produkte zu verzichten. Sie achtet auch bei der Kosmetik und bei Putzmittel auf vegane Produkte. Und natürlich beim Schuhkauf. Denn selbst in billigen Plastikschuhen können sich Spuren von Tieren finden. Dank Internet gehe das vegane Einkaufen mittlerweile ganz leicht, sagt sie. Und: Es versteht sich von selbst, dass ihre Besucher nicht auf einem Ledersofa Platz nehmen.

Doch zurück in die Küche. Kühlschrank-Magnete wie „revolutions starts in the Kitchen“ (Revolution beginnt in der Küche) machen aus der Gesinnung der Köchin keinen Hehl. Während das vegane Kochen noch relativ „normal“ auf der Hand geht, ist backen ohne Butter und Eier eine Herausforderung. Möchte man meinen. „Nicht wirklich“, sagt Claudia Renner und zeigt auf ein Plakat mit Ersatzprodukten.

Dem Ergebnis sehe man oft gar nicht an, dass die klassischen Grundbestandteile fehlen. Die Sekretärin macht sich manchmal einen Spaß daraus, einen veganen Kuchen mit in die Arbeit zu nehmen und ihn den Kollegen anzubieten. „Mittlerweile wissen die ja, dass ich vegan lebe, aber am Anfang...“ Claudia Renner lacht herzlich, wenn sie von den Komplimenten erzählt, die sie für ihre Kuchen bekommen hat.

Ihre veganen Erfahrungen bloggt Claudia Renner, besonders seit sie rohvegan lebt. Das heißt, für sich selber erwärmt sie kein Lebensmittel über 42 Grad. Nur wenn Gäste kommen, kocht sie „richtig“.

Für uns Normalesser unvorstellbar. Doch „mir fehlt nichts“, sagt sie. Das hat ihr ein Arzt erst kürzlich bestätigt: „Meine Blutwerte sind besser als früher.“ Ganz klar, vegan leben ist für Claudia Renner kein Modetrend, sondern eine Lebensphilosophie. Und wer bei ihr isst, schlemmt nicht nur (die Gemüsepfanne ist wirklich ein Gedicht, besonders dank der getrockneten Tomaten. Claudia Renners Gäste lernen auch neue Lebensmittel kennen. In unserem Fall Quinoa. Das Gold der Inkas ist auch für uns „Normal-Esser“ eine Entdeckung wert.

Unser Fazit: Vegan schmeckt. Es muss ja nicht jeden Tag ohne Fleisch, Milch und Eier gehen.

Mein Küchengeheimnis

Haben auch sie einen Küchen-Tipp, den Sie uns an dieser Stelle verraten wollen? Oder ein besonderes Rezept?

Dann schreiben Sie uns eine Mail an: Gastro@merkur.de. Oder rufen Sie uns an. Wir sind unter der Telefonnummer (089) 5306 - 419 zu erreichen. Wer will, kann uns auch einen Brief schicken. Der geht an: Münchner Merkur, Stichwort Küchengeheimnis, Paul-Heyse-Straße 2 -4 in 80336 München.

Wir freuen uns, von Ihnen zu hören und bedanken uns mit einem Kochbuch bei Ihnen.

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