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Falsch eingesetzte Implantate, verkehrt operierte Knie – im Operationssaal können kleine Fehler eine verheerende Wirkung haben.

Statistik 2013

77 Tote durch Ärztepfusch

Rund 40.000 Patienten jährlich beklagen Behandlungsfehler bei Krankenkassen und Ärztekammern ein. Die Bundesärztekammer führte im vergangenen Jahr 77 Todesfälle auf Ärzte-Pfusch zurück.

Wie viele Beschwerden gab es 2013?

Der Bundesärztekammer zufolge gehen bei Gerichten, dem Medizinischen Dienst und den Ärztekammern jährlich schätzungsweise rund 40.000 Beschwerden ein. Das Bundesgesundheitsministerium spricht sogar von bis zu 170.000 Behandlungsfehlern im Jahr.

Wie oft hatte eine Beschwerde Erfolg?

Die Bundesärztekammer hat 7922 der 12 173 Beschwerden aus dem Jahr 2013 geprüft. In 2243 Fällen bestätigte sich der Verdacht des Patienten. Die Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) sahen knapp 3700 der 14.585 Beschwerden als berechtigt an. An wen können sich Patienten mit Beschwerden wenden? Wen ein Gespräch mit dem Arzt selbst erfolglos war, sollte man sich an die Beschwerdestelle der Klinik oder an die Krankenkasse wenden, die mit einer außergerichtlichen Rechtsberatung helfen kann. Die Kassen holen zudem über ihren Medizinischen Dienst für den Patienten kostenlose Gutachten ein. Auch die Schlichtungsstellen der Ärztekammern bieten kostenlose Gutachten an, die aber für den Arzt nicht bindend sind, sondern dazu dienen, sich außergerichtlich zu einigen. Als letzte Möglichkeit empfiehlt die Verbraucherzentrale Hamburg den Gang zum Gericht – was jedoch viele Patienten laut VdK wegen der Kosten scheuen.

Wo passieren die meisten Behandlungsfehler?

Rund drei Viertel der geprüften Behandlungen betrafen die Krankenhäuser, der Rest die Praxisärzte. Die meisten Gutachten gingen um Unfallchirurgen und Orthopäden, gefolgt von anderen Chirurgen und Internisten. Mehr als ein Drittel der Fehler in Kliniken passierte bei Operationen. Bei niedergelassenen Ärzten erwies sich die Diagnostik mit über einem Drittel am Fehler anfälligsten.

Was sagen die Ärzte?

Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärzte­kammer, führt die Fehlerquote auf wachsenden Stress der Mediziner zurück: „Seit Jahren steigt die Arbeitsintensität in deutschen Kliniken und Praxen.“

Was kritisieren die Patienten?

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz fordert, dass alle Beschwerden in einem nationalen Register erfasst werden. „Jeder zählt die Behandlungsfehler einzeln, niemand hat den gesamten Überblick“, kritisierte Stiftungsvorstand Eugen Brysch. Die Stiftung sieht hierbei die Bundesregierung in der Pflicht, ein nationales Register aufzubauen.

Alexander Belyamna

Tod nach unnötiger OP

Eine missglückte OP, falsche Medikamente, eine zwecklose Chemotherapie – Behandlungsfehler haben viele Gesichter. Wir stellen vier reale Fälle vor:

  • Anstelle des Diabetesmedikaments Insulin bekommt ein Patient Heparin gespritzt, einen Gerinnungshemmer. Erst sehr spät bemerkt das Personal den Fehler und spritzt dem Patienten das rettende Insulin nach. Hätte das Personal noch später reagiert, wäre der Patient in ein Zuckerkoma gefallen.
  • Ein Patient ist schwer an Krebs erkrankt. Er wird sterben, befindet sich schon im Endstadium der Krankheit. Dennoch wird zu einer Chemo- und Strahlentherapie geraten – eine bestenfalls zweifelhafte Empfehlung, denn der Patient lebt nach Beginn der Therapie nur noch acht Tage.
  • Ein Patient muss künstlich ernährt werden, erhält zu diesem Zweck eine Magensonde. Doch es geht etwas schief, die Sonde wird ihm nicht richtig gelegt. Statt in den Magen läuft dem Patienten die Nahrung direkt in den freien Bauchraum. Der Patient muss ins künstliche Koma versetzt werden und stirbt schließlich.
  • Ein Patient, der schwer an Demenz erkrankt ist, wird operiert und stirbt an den Folgen des Eingriffs. Später stellt sich heraus, das der Eingriff völlig sinnlos war. Der Patient hätte eigentlich gar nicht operiert werden müssen, die Indikation zur Operation war schlicht falsch.

tz

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