Viel gefragt: Dr. Schmialek aus Syke (links) und Dr. Lothar Büstgens, Chefarzt am Krankenhaus Sulingen.Fotos: Husmann

Darmkrebs:

Ärzte standen Rede und Antwort

Können Abführmittel Darmkrebs verursachen? Wann kann ich mich kostenlos einer Darmspiegelung unterziehen? Ärzte standen den Fragen der Leser Rede und Antwort.

Eine Darmspiegelung wird von der Krankenkasse erst ab dem 55. Lebensjahr finanziert – es sei denn, in der Familie des Betroffenen sind Darmkrebserkrankungen bekannt. Dr. Wolfgang Sendt, Dr. Lothar Büstgens, Dr. Jens-Peter Schmialek sowie der Regionalsprecher der Deutschen ILCO-Selbsthilfegruppen, Georg Bohlmann standen den Lesern Rede und Antwort.

Viele Fragen, viele Antworten

Frau B. fragt, wie viel sie zur Vorbereitung auf eine Darmspiegelung trinken muss.

Dr. Schmialek: Die derzeit gängige Methode umfasst das Trinken von zwei Litern einer Speziallösung. Falls sich für einen Betroffenen Schwierigkeiten ergeben, eine solche Menge zu trinken, gibt es auch Alternativen.

Frau N. berichtet, dass sie eine Darmentzündung gehabt habe, die auf Ausstülpungen der Darmwand (Divertikel) beruht. Sie fragt danach, ob sie durch eine Umstellung der Ernährung eine erneute Entzündung verhindern kann.

Dr. Schmialek: Bei einer Darmentzündung ist es sinnvoll, eine Stuhlregulierung vorzunehmen, sodass keine Verstopfung entsteht. Hierzu ist eine ballaststoffreiche Ernährung dienlich.

Herr P. berichtet, dass sein Vater mit 68 Jahren an Darmkrebs erkrankte und er fragt, ob er sich selbst mit 43 Jahren schon kostenlos einer Darmspiegelung unterziehen kann.

Dr. Schmialek: Wenn in der Verwandtschaft, insbesondere bei erstgradigen Verwandten, ein Dickdarmkrebs bekannt ist, wird eine Darmspiegelung durchaus auch vor dem 55. Lebensjahr empfohlen und auch von den Krankenkassen übernommen.

Herr W. berichtet, dass er sich vor zwei Jahren einer Darmspiegelung unterzogen habe. Dabei seien Divertikel festgestellt worden. Jetzt neigt er zu Durchfall und fragt, ob in den vergagnenen zwei Jahren ein Tumor gewachsen sein könnte.

Georg Bohlmann informierte aus Sicht der Betroffenen.

Dr. Schmialek: Es ist sehr unwahrscheinlich, dass innerhalb der letzten zwei Jahren ein Tumor entstanden ist, weil die Tumorentstehung sich in der Regel über mehrere Jahre hin zieht. In diesem Fall ist die Symptomatik eher mit einem Reizdarmsyndrom zu vereinbaren.

Frau T. berichtet, dass sie an einer Magenübersäuerung leidet und fragt, ob das negative Auswirkungen auf den Darm haben könne.

Dr. Schmialek: Es gibt keine Anhaltszeichen dafür, dass Menschen mit einer Übersäuerung des Magens ein höheres Risiko für einen Darmkrebs haben. Da die Patientin jedoch 55 Jahre alt ist, habe ich ihr zu einer Vorsorgekoloskopie allgemein geraten.

Herr R. fragt, wann er Anspruch auf eine Darmspiegelung habe.

Dr. Schmialek: Da in der Familie keine Darmkrebserkrankungen bekannt sind, ist bei dem Patienten eine Darmspiegelung in fünf Jahren, also mit Erreichen des 55. Lebensjahres, möglich. Allerdings wären jetzt bereits Vorsorgeuntersuchungen mit Stuhltest auf verstecktes Blut sinnvoll.

Herr H. fragt, wann er sich erneut einer Darmspiegelung unterziehen muss, nachdem vor zwei Jahren eine Darmspiegelung unauffällig ausgefallen war.

Dr. Schmialek: Die derzeitige Empfehlung lautet, dass bei einer unauffälligen Darmspiegelung die nächste Darmspiegelung erst in zehn Jahren notwendig ist.

Eine Patientin möchte gerne wissen, ob Abführmittel Darmkrebs verursachen.

Dr. Büstgens: Abführmittel können nicht Darmkrebs verursachen. Ich habe der Patientin aber Quellmittel als bevorzugtes Abführmittel empfohlen.

Frau A. leidet unter einem empfindlichen Darm. Sie wurde bereits am Darm operiert die letzte Spiegelung liegt drei Jahre zurück. Nun möchte sie wissen, wann eine erneute Spiegelung erforderlich ist.

Dr. Büstgens: Nach einer Darmkrebsoperation und unauffälliger Spiegelung vor drei Jahren steht eine erneute Koloskopie nach zwei Jahren an, danach sollte sie alle fünf Jahre vorgenommen werden.

Eine Patientin hatte im Dezember 2004 einer Dickdarmspiegelung mit Polypenentfernung unterzogen. Sie fragt jetzt, wann eine neue Spiegelung angebracht wäre.

Beratung durch den Experten: Dr. Wolfgang Sendt.

Dr. Büstgens: Wann eine erneute Spiegelung erforderlich ist, hängt vom feingeweblichen Aufbau der entzündeten Polypen ab. Grundsätzlich sollte sie nach Polypenentfernung alle fünf Jahre stattfinden. Bei Polypen, die ein stärkeres Wachstum erwarten lassen, wäre ein Intervall von zwei bis drei Jahren angebracht.

Frau C. fragt nach erblichem Dickdarmkrebs. Ihre Großmutter war im Alter von 80 Jahren erkrankt. Frau C. befürchtet nun, dass eine erbliche Verbindung bestehen könnte.

Dr. Büstgens: Ich habe Frau C. dahingehend beruhigt, dass erblicher Dickdarmkrebs eher zu vermuten ist, wenn der betroffene Familienangehörige jünger als 50 Jahre ist.

Eine Patientin hatte 1995 Darmkrebs, die letzte Spiegelung wurde 2002 vorgenommen und war unauffällig. Sie fragt, wann sie sich einer erneuten Spiegelung unterziehen sollte.

Dr. Büstgens: Darmspiegelungen sind in diesem Fall alle fünf Jahre erforderlich. Sie hätte also bereits 2007 stattfinden müssen, sollte deshalb in diesem Jahr nachgeholt werden.

Frau K. ist vor einem Jahr an Darmkrebs erkrankt. Nach einer Operation musste sie sich ein halbes Jahr lang einer Chemotherapie unterziehen, weil bei einer erneuten Darmspiegelung ein kleiner Polyp festgestellt worden ist. Die Patientin möchte wissen, was das bedeutet.

Dr. Büstgens: Die feingewebliche Untersuchung des Polypen muss abgewartet werden und das Intervall hängt dann von dem Ergebnis dieser Untersuchung ab.

Frau S. hatte vor einem Jahr einen großen Polypen im Krummdarm, der endoskopisch entfernt wurde. Drei Monate später konnte bei einer Kontrollspiegelung nichts erkannt werden. Jetzt wurde ein größerer Polyp an der selben Stelle entdeckt.

Dr. Büstgens: Ich konnte die Patientin dahingehen beruhigen, dass es bei großen abgetragenen Polypen an der Abtragungsstelle zu erneuten Polypen kommen kann, ohne dass es sich um Darmkrebs handelt.

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