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Sehr figurbewusst oder schon essgestört? Diese Unterscheidung fällt gerade Angehörigen oder Freunden im Fall des Falles nicht leicht.

Alles dreht sich um die Ernährung - Warnsignale bei Essstörungen

Eine gute Figur machen, schlank sein - das will wohl fast jeder. Viele Menschen achten auf ihre Ernährung und auf ihr Gewicht. Bei manchen wird das aber zur Krankheit: Sie entwickeln eine Essstörung.

Sehr figurbewusst oder schon essgestört? Diese Unterscheidung fällt gerade Angehörigen oder Freunden im Fall des Falles nicht leicht. Dabei spielen sie eine wichtige Rolle, gerade wenn es um Hilfe für Betroffene mit Magersucht geht. „Gerade bei Anorexie beginnt der Leidensdruck für die Betroffenen sehr spät“, erklärt Prof. Stephan Herpertz von der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM). Essstörungen liegt in der Regel ein Mangel an Selbstwertgefühl zugrunde. Betroffene finden sich nicht schön und hoffen, dass es ihnen besser geht, wenn sie abnehmen.

Am Anfang einer Diät steht häufig auch eine Zufriedenheit über verlorene Kilos. „Niemand ist von Anfang an anorektisch“, sagt Herpertz. Gefährlich wird es, wenn es nicht mehr darum geht, das ursprünglich angestrebte niedrigere Gewicht zu erreichen, sondern immer mehr abzunehmen. „Es entsteht ein Sog. Und bei Betroffenen gibt es keine Grenze nach unten.“

Anorexie oder Bulimie lassen sich nicht von Beginn an am Gewicht bemessen. Eltern oder Freunde sollten hellhörig werden, wenn bis auf das Essen alle anderen Themen vernachlässigt werden. „Die Gedanken und Gespräche drehen sich nur noch ums Essen, um die Ernährung und um die Kleidergröße“, sagt Herpertz. Oft wenden sich deshalb auch Freunde und Bekannte ab. Häufig brechen auch die Leistungen ein: Sowohl etwa in der Schule, weil die Konzentrationsfähigkeit der Betroffenen stark verringert ist, als auch beim Sport, der in manchen Fällen gar nicht mehr möglich ist. In etwa 30 Prozent der Fälle wird laut Herpertz aus einer Magersucht eine Bulimie.

Bei der Bulimie wechseln sich Phasen von absoluter Kontrolle über das Essen und Kontrollverlust ab: „Die Betroffene will einem schlanken Schönheitsideal nacheifern, also fastet sie, um abzunehmen. Bei zu viel Kontrolle kann es zum Kontrollverlust kommen, der berüchtigte Essanfall, auf den die Betroffene mit noch mehr Kontrolle reagiert. Ein Teufelskreis zeichnet sich ab“, erklärt Herpertz. Der Essanfall wird dann aus Angst vor Gewichtszunahme durch noch mehr Fasten quasi ungeschehen gemacht. „Auch Erbrechen kann dazugehören, muss aber nicht.“ Wenn sich diese Folge verselbstständigt, dann wird es für Betroffene zum Problem: Es drohen etwa Konzentrationsschwäche und Leistungsabfall.

Menschen mit Essstörungen schenken dem Thema Essen und Gewicht fast ihre alleinige Aufmerksamkeit - das ist ein Warnsignal für Angehörige oder Freunde. Auch wenn plötzlich ein Viertel des Kühlschrankinhaltes fehlt oder Spuren auf der Toilette können Hinweise auf Bulimie sein.

Aber was, wenn man eine Magersucht oder Bulimie bei der Tochter bemerkt? „Das ist schwierig“, sagt Herpertz. „Weder aktive Intervention noch Wegschauen geht.“ Am besten sucht man das Gespräch unter vier Augen. „Das sollte von Sorge, nicht von elterlichem Besserwissen geprägt sein“, empfiehlt Herpertz. Das Ziel eines solchen Gesprächs sollte sein, das Kind dazu zu motivieren, einen Dritten mit ihrem Problem aufzusuchen. Das können Beratungsstellen, psychosomatische Kliniken, der Hausarzt oder - wenn es die Wartezeiten erlauben - ein niedergelassener Psychotherapeut sein.

dpa

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