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Pausenlose Beratung: Prof. Dr. Jens Gert Kuipers, Dr. Sven Dubbert und Dr. Sönke Schemionek (v.l.n.r.) waren am Donnerstagabend stark gefordert.

Gelenkrheuma: Experten informieren

Antworten auf Fragen aus dem Alltag

Bei einer Gesundheitssprechstunde standen zwei Experten -  Dr. Sven Dubbert und Dr. Sönke Schemionek -den Lesern am Telefon zu Fragen aus dem Alltag Rede und Antwort.  

Frau D. (55) beschreibt Schmerzen im rechten Handgelenk und Schwellungen an den Grundgelenken der beiden Mittelfinger. Darüber hinaus leidet sie unter Schmerzen am Daumen- sowie am linken Großzehengrundgelenk.

Prof. Kuipers: Bei Beschwerden, die mehrere Gelenke betreffen, ist es grundsätzlich erforderlich, eine entzündliche rheumatische Erkrankung auszuschließen. Das gilt insbesondere für den Fall, dass Schwellungen auftreten. Morgendliche Schmerzen und Steifigkeit können für einen Entzündungsrheumatismus sprechen. Eine rheumatologische Abklärung sollte deshalb möglichst zeitnah geschehen.

Bei Frau M. (58) liegt eine Arthrose am Grundzehengrundgelenk mit Fehlstellung der Großzehe vor. Diese weicht nach außen ab: ein Phänomen, das wir „Hallux valgus“ nennen. Frau M. fragt nun nach, ob eine Arthrose zu Rheuma führen kann.

Expertenrat für unsere Leser: Prof. Dr. Jens Gert Kuipers.

Prof. Kuipers: Eine Arthrose führt nicht zu Entzündungsrheuma. Sie bewirkt aber unter Umständen, dass Knorpel- und Knochenstückchen abgerieben werden, die anschließend in die Gelenkkapsel gelangen. Wird diese gereizt, kann es vorkommen, dass sich eine Entzündungsflüssigkeit bildet. Das Gelenk schwillt dann schmerzhaft an: ein Symptom, das Entzündungsrheuma vermuten lässt. Tatsächlich jedoch handelt es sich um eine sogenannte „aktivierte Arthrose“. Im vorliegenden Fall ist eine baldige orthopädische Vorstellung geboten. Durch eine Operation lässt sich bei Hallux valgus – also der Fehlstellung der Großzehe – die Knochenstellung verbessern.

Rheuma auch bei normalen Entzündungswerten

Herr H. (55) berichtet von Schmerzen an den Fingern und einer Schwellung des Daumengelenks. Die Schwellung besteht bei ihm erst seit einigen Wochen, eine Blutuntersuchung hat keine auffälligen Werte ergeben. Herr H. fragt nun, ob sich die Symptome dennoch auf Rheuma zurückführen lassen könnten.

Prof. Kuipers: Auch bei normalen Entzündungswerten kann eine entzündliche Rheumakrankheit vorliegen. Bestimmte Rheumakrankheiten führen zu Gelenkschwellungen, ohne dass sich im Blut Rheumafaktoren oder Entzündungswerte nachweisen lassen. Aus diesem Grund wäre für Herrn H. eine internistische rheumatologische Vorstellung sinnvoll. Das gilt umso mehr, als er an seiner Haut Veränderungen beobachtet hat: Es gibt entzündungsrheumatische Erkrankungen, die zunächst eine Entzündung der Gefäße verursachen und im weiteren Verlauf sowohl die Gelenke als auch viele andere Organe, insbesondere im Bereich der Haut, betreffen.

Bei Herrn B. (80) lag früher eine entzündliche Weichteilrheumakrankheit vor – eine sogenannte „Polymyalgia rheumatica“, bei welcher sowohl der Schulter- als auch der Beckengürtel sehr starke Schmerzen verursachen. Diese Krankheit ist potenziell sehr gefährlich, da sie durch Gefäßentzündung zum Gefäßverschluss und auch zur Erblindung führen kann. Herr B. hat von Seiten seiner Polymyalgie jetzt aktuell wenig Beschwerden, beobachtet aber eine Steifigkeit der Finger, insbesondere der Zeigefinger und Daumen.

Prof: Kuipers: Es kommt vor, dass eine entzündungsrheumatische Krankheit mit Muskelschmerzen beginnt und erst im Laufe der Zeit Gelenkschwellungen hinzukommen. Ich habe Herrn B. deshalb empfohlen, sich bei einem internistischen Rheumatologen vorzustellen.

Frau N. (57) leidet unter knotigen Fingern und fragt, ob dieses Symptom auf Rheuma schließen lässt.

Dr. Sven Dubbert (l.) und Dr. Sönke Schemionek (r.) informieren über Behandlungsmöglichkeiten.

Dr. Dubbert: Ich habe Frau N. empfohlen, sowohl eine Röntgenuntersuchung der Hände als auch eine Laborprobe in Bezug auf Rheumafaktoren und Entzündungsteilchen vornehmen zu lassen. Frau N. fragte daraufhin nach, ob diese Untersuchungen auch vom Hausarzt vorgenommen werden könnten. Ich habe dieses bejaht: Die Blutuntersuchung zumindest auf Entzündungsteilchen ist auch beim Hausarzt möglich. Spezielle Untersuchungen von Rheumafaktoren, etwa CPT-Antikörpern wären dann allerdings eher beim internistischen Rheumatologen vorzunehmen.

Gymnastik bei Rheuma?

Frau D. (88) trägt einen Herzschrittmacher und leidet unter einer schweren Arthrose Erkrankung in den Knie- und Hüftgelenken. Sie ist derzeit am Rollator mobilisiert und fragt, ob sie mit Gymnastik ihre Befindlichkeit verbessern könnte.

Dr. Dubbert: Ich habe ihr dazu geraten, durchaus Gymnastik zu betreiben. Wegen ihrer Herzschwäche ist jedoch darauf zu achten, dass die Herz-Kreislauffunktion dabei nicht über das gewohnte Maß hinaus beansprucht wird. Grundsätzlich ist Bewegung in Maßen bei einer Arthroseerkrankung zu empfehlen.

Frau M. (79) fragt nach, was sie bei einer Morgensteifigkeit in den Fingergelenken von etwa 10 bis 15 Minuten unternehmen sollte.

Dr. Dubbert: Ich habe Frau M. empfohlen, bei ihrem Hausarzt Entzündungsteilchen abnehmen zu lassen. Sollten diese erhöht sein, müsste eine internistisch-rheumatologische Abklärung erfolgen. Bei dieser würde das Blut gezielt auf sogenannte Rheumafaktoren, die CPT-Antikörper, untersucht. Darüber hinaus wäre dann eine Röntgenkontrolle der Hände erforderlich, um das weitere medikamentöse Vorgehen zu entscheiden.

Frau M. (83) wird seit mehreren Jahren wegen einer rheumatoiden Arthritis der Finger behandelt. Auch das Handgelenk sei von der Erkrankung betroffen. Sie fragt nun nach der Möglichkeit einer operativen Therapie.

Pausenlose Beratung: Prof. Dr. Jens Gert Kuipers, Dr. Sven Dubbert und Dr. Sönke Schemionek (v.l.n.r.) waren am Donnerstagabend stark gefordert.

Dr. Schemionek: Bei operativen Therapien gilt es, zwischen präventiven, rekonstruktiven und palliativen Eingriffen zu unterscheiden. Die Wahl des Verfahrens ist abhängig vom Stadium der Erkrankung. Hierfür ist immer ein Röntgenbild entscheidend, an dem sich unterschieden lässt, wie weit die Destruktion des Gelenks schon fortgeschritten ist. Demnach kann man bei medikamentös nicht einstellbarer Rheumaerkrankung zunächst mit einem kleinen Eingriff einer Schleimhautentfernung in den Gelenken beginnen. Sollte das nicht ausreichen, ist über weitere Therapiemaßnahmen wie Umstellungs-Osteotomien (ein Operationsverfahren, das Fehlstellungen korrigiert) oder Versteifung der Gelenke nachzudenken. Bei den größeren Gelenken kommen auch Endoprothesen in Betracht.

Schmerzen und Morgensteifigkeit

Frau B. ruft für ihre 82-jährige Mutter an. Diese leide seit geraumer Zeit unter Schmerzen und Morgensteifigkeit. Über die genaue Medikation konnte sie nichts aussagen. Ihre Mutter befinde sich in rheumatologischer Behandlung.

Dr. Schemionek: Hier sollte man sicherlich noch einmal den Rheumatologen aufsuchen und versuchen, mit entsprechenden Medikamenten die Schmerzsymptomatik zu verbessern. Zudem habe ich der Patientin geraten, in Bewegung zu bleiben: eine Ruhigstellung der Gelenke wäre genau das falsche Verhalten.

Frau O. (76) fragte nach dem Unterschied zwischen Arthrose und Arthritis.

Dr. Schemionek: Die Arthrose ist ein Gelenkverschleiß, der oft degenerativ bedingt ist oder durch einen Unfall entsteht. Sie zeigt sich in einer Fehlstellung mit einer Fehlbelastung der Gelenke. Bei der Arthritis hingegen handelt es sich um einen entzündlichen Prozess, der das Gelenk beeinträchtigt.

Frau S. (62) leidet seit über zehn Jahren an einer diagnostizierten Polyarthritis. Diese bereitet ihr insbesondere in den Finger- und Handgelenken Probleme. Gegen die Schmerzen habe sie bisher keine spezifischen Medikamente eingenommen, auch ein Rheumatologe wurde noch nicht aufgesucht.

Dr. Schemionek: Ich habe ihr empfohlen, sich zunächst bei einem Orthopäden bzw. Rheumatologen zur sicheren Diagnose einer Polyarthritis vorzustellen. Dieses kann über Laborwerte, einen Röntgenbefund, aber natürlich auch im klinischen Befund erfolgen.

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