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„Ausdauertraining ist eine Lebensgrundlage“

„Ausdauertraining ist eine Lebensgrundlage“

Die einen tun es der Fitness wegen, die anderen, um abzunehmen. Doch welche Rolle spielt das Ausdauertraining für die Gesundheit und was sollte man dabei aus ärztlicher Sicht beachten. Hier Tipps vom Sportmediziner:

Sportmediziner Dr. Johannes M. Peil (55), leitender Arzt der Sportklinik Bad Nauheim, beantwortet die wichtigsten Fragen.

Herr Dr. Peil, Heimtrainings- Geräte dienen in erster Linie der körperlichen Ausdauer. Warum ist die so wichtig?

Sportmediziner Dr. Johannes M. Peil (55), leitender Arzt der Sportklinik Bad Nauheim.

Dr. Johannes M. Peil: Ausdauertraining muss für jeden Menschen, solange er aktiv und gesund bleiben möchte, eine Lebensgrundlage sein. Es verlangsamt den Alterungsprozess, es stärkt und ökonomisiert das Herz-Kreislauf- System, es erhält die Beweglichkeit, weil Knochen und Gelenke regelmäßig beansprucht werden. Körperliche Bewegung verbessert den Stoffwechsel und beugt Krankheiten wie Osteoporose vor. Nicht zu vergessen der positive Effekt auf die Psyche und das allgemeine Wohlbefinden. In unserem Alltag kommt Bewegung jedoch viel zu kurz, sodass Ausdauertraining im Sinne der Lebensfitness unersetzlich ist.

Gerade zu dieser Jahreszeit beginnen viele Menschen mit Ausdauersport, um Gewicht abzubauen.

Dr. Peil: Ich weiß, das Thema Abnehmen hat in verschiedenen Jahresabschnitten unterschiedliche Bedeutung. Aber Gewichtskontrolle sollte man nicht zwischen Weihnachten und Neujahr betreiben, sondern zwischen Neujahr und Weihnachten. Und: Das Abnehmen funktioniert nur bei entsprechender Lebensführung, sprich Ernährung und Aktivität. Ausdauertraining sollte einen konsequent das ganze Jahr über begleiten. Zwei- bis dreimal pro Woche mindestens jeweils 30 Minuten sind notwendig.

Derzeit könnte man sehr wirkungsvoll die Ausdauer mit Skilanglauf trainieren. Wäre das besser, als sich zu Hause im Wonhzimmer abzustrampeln?

Dr. Peil: Das Training im Freien ist sicher attraktiver und auch effektiver, weil dort die Motivation größer ist und die frische Luft als gesunder Faktor hinzukommt. Aber oft hat man dazu keine Gelegenheit, etwa weil das Wetter schlecht ist. Deshalb sind Heimtrainingsgeräte sinnvoll und notwendig. Damit kann man das Eigentraining wetterunabhängig über das ganze Jahr durchführen.

Welche Heimgeräte empfehlen Sie?

Dr. Peil: Das ist typabhängig. Fahrradergometer haben den Vorteil, dass sie gelenkschonend trainieren, weil der Großteil des Gewichts auf dem Sattel ruht. Laufbänder sind ebenfalls sinnvoll, weil sie gut gedämpft sind, vergleichbar mit einem weichen Waldboden. Gerade ältere Menschen nutzen Laufbänder auch, weil sie die koordinativen Fähigkeiten schulen und daher als Sturzprävention anzusehen sind. Wichtig ist aber, dass ältere Menschen unter Anleitung von erfahrenen Trainern auf Laufbänder eingewiesen und angeleitet werden.

Und Crosstrainer?

Dr. Peil: Bei Crosstrainern werden die Bewegungen stark geführt, weshalb die Koordinationsfähigkeit nicht so ausgeprägt geschult wird. Der Vorteil des Crosstrainers: Besonders viele Muskelgruppen, sowohl Oberkörper wie Becken und Beine, werden trainert.

Gibt es aus medizinischer Sicht Vorsichtsmaßnahmen zu beachten, ehe man mit dem Heimtraining beginnt?

Dr. Peil: Wer längere Zeit keinen Sport getrieben hat, sollte vor Trainingsbeginn auf jeden Fall die Meinung eines Arztes einholen. Das geht über den Hausarzt, der den Patienten nötigenfalls an einen Kardiologen oder einen Orthopäden weiterleitet. Der Arzt kann einen auch wegen der individuellen Belastung beraten. Als Hilfe kann gelten: lieber mit geringerer Intensität trainieren und dafür längere Zeit.

Ist Übertrainieren ein häufiger Fehler?

Dr. Peil: Oh ja, gerade am Anfang. Wer als „Neueinsteiger“ gleich Vollgas gibt, schadet sich mehr, als dass er etwas Gutes tut. Als Hilfsregel kann man sich merken: Solange man sich während des Trainings noch mühelos unterhalten kann, bewegt man sich im grünen Bereich. Wenn die Luft dafür nicht mehr ausreicht, ist man zu engagiert.

Eine andere Kontrollmöglichkeit sind Pulsmesser

Dr. Peil: Die meisten Heimtrainingsgeräte haben Pulsabnehmer mit eingebaut. Ein Trainer oder ein Arzt kann einem helfen, den persönlich passenden Pulskorridor zu ermitteln. Beispielsweise ein Mensch Anfang 50, der mit Ausdauersport anfängt, sollte höchstens im 130er-Pulsbereich trainieren.

In welchem Alter sollte man mit Ausdauertraining beginnen?

Dr. Peil: So früh wie möglich, aber es ist nie zu spät. Gerade für ältere Menschen spielt das regelmäßige Training eine große Rolle, um die Bewegungsfähigkeiten zu erhalten. Mit entsprechendem Training kann man auf Jahrzehnte hinaus Fähigkeiten erhalten. Umgekehrt sind einmal verlorene Fähigkeiten extrem schwierig wiederzuerlangen.

Interview: IW.

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