+
Kunstfehler? Die Zahl der Behandlungsfehler nimmt in Deutschland zu.

Ärztepfusch

Behandlungsfehler: Patientenschutz fehlt

Falsch operierte Knie, übersehene Vorerkrankungen, schlecht zusammenwachsende Brüche - Behandlungsfehler können jeden Patienten treffen. Ein Überblick über die Fehler in Deutschland fehlt.

Mit Blick auf eine neue Statistik zu Behandlungsfehlern hat die Deutsche Stiftung Patientenschutz ein nationales Register gefordert. „Jeder zählt die Behandlungsfehler einzeln, niemand hat den gesamten Überblick“, sagte Vorstand Eugen Brysch in Berlin.

Die Bundesärztekammer legt am Montag (11.00 Uhr) in Berlin neue Zahlen zu Behandlungsfehlern vor. Die Statistik zeigt, wie viele Patienten sich mit einem Verdacht auf Fehler im vergangenen Jahr an die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärzteschaft gewandt haben - und in wie vielen Fällen diese einen Fehler bestätigten.

Der Medizinische Dienst der Krankenkassen hat bereits seine Statistik vorgelegt: Er erstellte demnach im Vorjahr rund 14.600 Gutachten wegen Verdachts auf Fehler - gut 2000 mehr als 2012.

Nach Informationen geht aus der aktuellen Statistik der Ärztekammern hervor, dass sich dort im vergangenen Jahr rund 12.000 Patienten wegen vermuteter Behandlungsfehler beschwerten. Laut Magazin „Der Spiegel“ wurden 8000 Fälle abgeschlossen, in rund 2200 Fällen bestätigte sich der Verdacht.

Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer, führte die Fehlerquote auf wachsenden Stress der Mediziner zurück: „Seit Jahren steigt die Arbeitsintensität in deutschen Kliniken und Praxen“, sagte er dem „Spiegel“. Lange Arbeitszeiten und ständiger Leistungsdruck erhöhten die Fehlerwahrscheinlichkeit. Daher sei es „bemerkenswert“, dass die Zahl der registrierten Behandlungsfehler in den vergangenen Jahren weitgehend konstant geblieben sei.

Jede vierte Fall ein Fehler

In einem nationalen Register müssten die Zahlen der Ärztekammern, des Medizinischen Dienstes der Kassen und der Zivil- und Sozialgerichte zusammenlaufen, forderte Brysch für die Patientenschutz-Stiftung. „So gewinnen wir einen Überblick.“ Die Bundesregierung müsse solch ein Register aufbauen. „Ebenso macht es Sinn, die Behandlungsfehler je nach Einrichtungen einzeln zu veröffentlichen“, forderte Brysch. „Die Menschen wollen wissen, was vor Ort los ist.“

In rund jedem vierten beanstandeten Fall wurde in der Vergangenheit ein Fehler bestätigt. Aus Sicht der Krankenkassen sind die Risiken für die Patienten zu groß - trotz verstärkter Bemühungen vieler Krankenhäuser zur Vermeidung von Fehlern.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Stadt München warnt vor Norovirus

In München grassiert das Norovirus. Über 50 Ausbrüche in Schulen und Kindertagesstätten haben die Gesundheitsbehörden schon registriert. Um weiter Fälle von …
Stadt München warnt vor Norovirus

„Dornröschen-Syndrom“: 22-Jährige schläft seit Monaten

Stockport - Die 22-Jährige Beth Goodier leidet unter dem „Dornröschen-Syndrom“ und verbringt 75 Prozent ihres Lebens schlafend. Was wie ein Märchen klingt, ist für alle …
„Dornröschen-Syndrom“: 22-Jährige schläft seit Monaten

Wenn Computerspiele nicht mehr loslassen

Ein eigener Computer hat in Zimmern von Kindern unter 12 Jahren nichts verloren, sagen Experten. Denn unkontrolliertes Spielen kann zur Sucht werden. Bedroht sind vor …
Wenn Computerspiele nicht mehr loslassen

Stephen Hawking nennt Lösung für eines der größten Probleme der Menschheit

Der Astrophysiker Stephen Hawking ist einer der herausragendsten Wissenschaftler unserer Zeit. Nun hat der Brite eine Lösung für eines der größten Probleme der …
Stephen Hawking nennt Lösung für eines der größten Probleme der Menschheit

Kommentare