Ein Jahr Ebola: Vorsichtige Rückkehr zur Normalität.
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Ein Jahr Ebola: Vorsichtige Rückkehr zur Normalität.

Ebola-Spätfolgen: Blindheit, Schmerzen, Depression

Patienten, die das Ebola-Virus überlebt haben, gelten als immun  - aber krank fühlen sich viele weiterhin. Die noch unerforschten Spätfolgen reichen von Schmerzen bis zum Sehverlust.

Victoria Gildor hat Ebola überlebt. Vom 6. Dezember bis zum 6. Januar wurde sie in Monrovia im westafrikanischen Liberia behandelt und dann als geheilt entlassen. Aber gesund fühlt sie sich nicht. „Nach einer Woche begannen meine Füße anzuschwellen, und mir fielen die Haare aus“, sagt die 37-Jährige. „Auch habe ich starke Schmerzen in den Gelenken und in den Augen, so als hätte ich Sand darin.“ Gut habe sie sich eigentlich seit ihrer Ebola-Erkrankung nie gefühlt, auch Schmerzmittel brächten kaum Linderung.

Jetzt hofft sie, in einer neuen Klinik für Ebola-Überlebende Hilfe zu finden. Das Zentrum wurde im vergangenen Monat von der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ (MSF) eröffnet. „Wir wollen versuchen, den Überlebenden hier physische und psychologische Hilfe zu bieten“, erklärt Leen Verhenne, die MSF-Nothilfekoordinatorin in Liberia. Denn die Langzeitfolgen der Seuche sind bislang noch ein unbekanntes Feld - auch weil es sich bei dem derzeitigen Ausbruch in Westafrika um die schlimmste Epidemie seit der Entdeckung des Virus in den 1970er Jahren handelt.

Forscher rätseln über Ebola-Spätfolgen-Symptome

Derzeit rätseln Ärzte und Forscher noch, was all die schmerzhaften Symptome auslöst. „Etwa bei den Problemen mit den Augen könnte es sich um eine Uveitis handeln, also eine Entzündung, die zu Blindheit führen kann, wenn sie nicht sofort behandelt wird“, so Verhenne. „Aber wir wissen nicht, ob das von einer Immunreaktion des Körpers ausgelöst wird oder von einem Entzündungsprozess, der mit dem Ebola-Virus selbst in Zusammenhang steht.“

Seit Wochen ist ein Spezialteam der Organisation im Einsatz, das rund 250 Ebola-Überlebende beobachtet. Die Experten fanden heraus, dass sich viele weiterhin krank fühlen: Etwa 60 Prozent klagen über heftige Gelenkschmerzen, 50 Prozent berichten von andauernder Müdigkeit und Erschöpfung. Über 20 Prozent der Befragten haben Augenprobleme, 10 Prozent leiden sogar unter Hörverlust.

Hinzu kommen psychologische Spätfolgen: Ein Fünftel der Patienten zeigt Anzeichen eines Posttraumatischen Stress-Syndroms (PTSD), etwa die gleiche Zahl gilt als depressiv. Andere erzählen von Alpträumen und Gedächtnisverlust.

Experten befürchten, dass diese medizinischen Folgeerscheinungen die ohnehin schwer gebeutelten Gesundheitssysteme in Guinea, Liberia und Sierra Leone weiter belasten könnten. „Wieviel Mehrkosten entstehen werden, können wir derzeit noch nicht absehen“, sagt die Ärztin Melissa McRae, die in Sierra Leone für das Rote Kreuz tätig ist. Jedoch könnten die Gesundheitssysteme der betroffenen Länder später auch von den zusätzlichen Gesundheitszentren und Kliniken profitieren, die derzeit für Ebola-Überlebende eingerichtet würden, sagt sie.

Neben körperlichen Leiden machen vielen, die das Virus überstanden haben, auch Ausgrenzung und Stigmatisierung zu schaffen. „Manche Überlebende haben erzählt, dass sie aus ihren Häusern hinausgeworfen wurden und von ihren Nachbarn gemieden werden“, sagt der Ebola-Experte Vincent Koch von der britischen Hilfsorganisation Oxfam. Es müsse noch mehr getan werden, um Missverständnisse aus dem Weg zu räumen und zu gewährleisten, dass alle Ebola-Verdachtsfälle gemeldet und die Toten sicher beerdigt werden.

„Stigma ist ein großes Problem“, meint auch Leen Verhenne. „Deshalb müssen wir unbedingt verhindern, dass unsere Botschaften falsch verstanden werden.“ Einerseits gelte: Wer sich krank fühle, müsse unbedingt ein Ebola-Behandlungszentrum aufsuchen, um sich auf das Virus testen zu lassen. Andererseits müsse den Menschen aber auch vermittelt werden, dass Überlebende manchmal mit Folgesymptomen und Schmerzen kämpfen, sie aber kein Ansteckungsrisiko darstellen.

„Ebola-Überlebende sind völlig ungefährlich für andere, wahrscheinlich sind sie die ungefährlichsten Menschen, mit denen man sich in dieser Epidemie umgeben kann“, betont McRae vom Roten Kreuz. „Es scheint, dass die Überlebenden immun gegenüber dem Virus sind - aber ob diese Immunität auf Dauer anhält, wissen wir noch nicht.“

dpa

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