Eingriff für einen freieren Atem: Dr. Wolfgang Gesierich zeigt Hans Winkler das Bronchoskop, mit dessen Hilfe er ihm drei Ventile in die Lunge eingesetzt hat. Seither kann sein Patient wieder tiefer Atem holen.
+
Eingriff für einen freieren Atem: Dr. Wolfgang Gesierich zeigt Hans Winkler das Bronchoskop, mit dessen Hilfe er ihm drei Ventile in die Lunge eingesetzt hat. Seither kann sein Patient wieder tiefer Atem holen.

Quälende Luftnot

COPD: Leichter atmen durch Lungenventile

Schleichend verengen sich die Atemwege, bis ihnen schließlich die Puste ausgeht: Immer mehr Menschen leiden an COPD, der chronisch obstruktiven Bronchitis.

In fortgeschrittenem Stadium ist oft die Lunge überbläht – es kommt zu einem Emphysem. Einigen Patienten können Lungenventile das Atmen erleichtern.

Wenn Hans Winkler – groß, athletisch und braun gebrannt – sein Auto auf dem Behindertenparkplatz abstellt, spürt er schon mal böse Blicke. Noch immer sieht der 60-Jährige aus, als könnte er Bäume ausreißen. Dabei blieb ihm bis vor kurzem schon die Luft weg, wenn er einen Koffer die Treppe hinauftrug. „Ich musste mich hinsetzen und verschnaufen“, erzählt er. Denn Winkler ist schwer lungenkrank. Er leidet an COPD, der chronisch obstruktiven Bronchitis. Seine unteren Atemwege sind verengt. In seinen Lungen steckt außerdem zu viel Luft, die er nicht mehr ausatmen kann. Fachleute sprechen von einem Emphysem, einer Überblähung.

„Den meisten sieht man ihre Krankheit nicht an“, bestätigt Dr. Wolfgang Gesierich, Lungenexperte an den Asklepios Fachkliniken Gauting. Erst wenn Schläuche in ihre Nase führen, die sie mit Sauerstoff versorgen, wird das Leiden sichtbar.

Doch auch wenn das nicht nötig ist, leiden die Patienten oft an Atemnot. Der Grund beim Emphysem: In den unteren Atemwegen sind die Lungenbläschen, in denen der Sauerstoff ins Blut übertritt, teils zerstört. Große Blasen haben sich gebildet. Beim Ausatmen kann die Luft nur schlecht entweichen. Bleiben beim Gesunden nach dem Ausatmen etwa zwei bis zweieinhalb Liter in der Lunge, waren es bei Winkler am Ende etwa acht.

Jahrelang Tonerstaub eingeatmet

Wie die meisten Patienten bemerkte er dabei lange nicht, dass seine Lungen krank waren. „Wenn sie schlechter Luft bekommen, passen die Betroffenen ihre Aktivität einfach an“, sagt Gesierich. Schließlich ist es normal, wenn man mit den Jahren eher außer Puste kommt, denken viele. Doch können hinter Atemnot auch verschiedene Erkrankungen stecken.

Winkler war zudem sportlich aktiv. „Und immer gesund“, erzählt er. Als das Herz scheinbar Probleme machte, wurde er mit einem Herzkatheter untersucht. Der zeigte: Die Arterien waren prima. Winkler folgerte daraus: Das Rauchen schadet mir nicht. Eineinhalb Schachteln waren es am Tag, mehr als 40 Jahre lang. „Es hat mir einfach geschmeckt“, gibt er zu. Zudem atmete er einige Jahre im Beruf viel Tonerstaub ein. „Beim Schneuzen war das Taschentuch manchmal ganz schwarz“, erzählt er. Von der Gefahr COPD hatte Winkler indes noch nie etwas gehört.

Rauchen ist Gift für die Lunge

Die erste Warnung verhallte daher wirkungslos. Vor sieben Jahren wies ein Arzt Winkler beim Check-up auf eine „beginnende COPD“ hin. Mehr sagte er nicht. Winkler rauchte weiter – bis ihm zwei Jahre später die Puste ausging. Im Haushalt gab es Probleme beim Heizungsumbau. „Ich habe mich fürchterlich aufgeregt“, erzählt er. Plötzlich rang er nach Luft. Ein Lungenarzt machte einen Lungenfunktionstest – und stellte die Diagnose: fortgeschrittene COPD mit Emphysem.

Zunächst kam Winkler mit einem Spray, das die Bronchien erweitert, noch gut klar. Doch 2011 brachte ihn ein schwerer Infekt der Lunge ins Krankenhaus – auch das typisch für COPD-Patienten. Eine Folge ist dann meist eine schubweise Verschlechterung. Experten sprechen auch von Exazerbationen.

Winkler bekam Infusionen mit Antibiotika. Die Infektion klang ab, doch die Luftnot blieb quälend. In einer Rehaklinik lernte er, wie man bei einer Krise richtig atmet, etwa im Kutschersitz: Breitbeinig hinsetzen, Arme abstützen – und ausatmen. Zudem hilft die Lippenbremse. Dabei atmet man die Luft langsam durch die zusammengepressten Lippen aus. Ein Hauptziel der Reha war aber der Rauchstopp. Denn jetzt war Winkler klar: Nur wenn er von den Zigaretten lässt, wird er wieder besser atmen können. Er bekam Nikotinpflaster. 14 Tage – und er hatte es geschafft.

Der Verzicht auf das Rauchen war auch eine Bedingung für eine weitere Behandlung: Winkler informierte sich – und machte einen Termin in der renommierten Fachklinik in Gauting. Dabei hörte er von einer Methode, die ihm wieder mehr Luft verschaffen könnte: Per Endoskop werden in die Lunge feine Metallgeflechte, so genannte Lungenventile, eingesetzt. Sie sollen einen Lungenlappen, wie man bestimmte abgegrenzte Teile der Lunge nennt, komplett verschließen. Luft kann heraus-, aber nicht mehr hineinströmen. Der verschlossene Lappen leert sich – und fällt zusammen. Er schafft so mehr Platz für das restliche gesündere Lungengewebe.

Die Methode kommt vor allem für Patienten infrage, bei denen das Emphysem ungleichmäßig verteilt ist. Finden sich in einem Lungenlappen besonders große Blasen, ist das günstig. Eine weitere Bedingung: Die Lungenlappen dürfen keine Querverbindungen haben. „Sonst kommt die Luft quasi zur Hintertüre wieder rein“, sagt Gesierich.

Den meisten Patienten sieht man ihre Krankheit nicht an

Untersuchungen zeigten: Die Methode war für Winkler gut geeignet. Bei ihm staute sich besonders viel Luft im linken oberen Lappen. Nach einigen Monaten Bedenkzeit entschied er sich für den Eingriff. Er erhielt eine Vollnarkose. Per Bronchoskop, an dessen Spitze eine Kamera sitzt, kann Gesierich die Ventile exakt platzieren. Zusammengefaltet gelangen sie über einen Katheter in die Lunge. Dort dehnen sie sich auf und lassen sich im Gewebe verankern. Mit drei Ventilen verschloss Gesierich den stark überblähten Lungenlappen.

„Ich bin aufgewacht – und bekam sofort besser Luft“, erinnert sich Winkler. Die folgenden Monate wurde es stetig besser. „Ich war froh, dass es langsam ging“, sagt er. Fällt der Lungenlappen sehr schnell zusammen, erhöht das das Risiko für eine Komplikation: Das Restgewebe muss sich rasch dehnen und kann reißen. Luft dringt in den Raum zwischen Lunge und Rippenfell – es kommt zu einem Pneumothorax. Sie muss dann über einen Schlauch im Brustkorb abgelassen werden. „Der Riss schließt sich in der Regel von selbst“, sagt Gesierich. Auch kommt es nach dem Eingriff gelegentlich zu einem Infekt. „Das lässt sich aber in der Regel gut behandeln“, sagt Gesierich.

Bei Winkler ging alles glatt. Der Lungentest zeigt: Die Menge an Luft, die er heute bei einem Atemzug einatmen kann, ist deutlich gestiegen – und das spürt er bei jedem Atemzug. Damit das so bleibt,trainiert er seine Lunge. Er fährt Rad. „Halt nicht zu schnell.“ Viele Wege, die er früher mit dem Auto gefahren ist, geht er zu Fuß. Denn eines will er auf keinen Fall: Dass ihm wieder die Puste ausgeht.

Sonja Gibis

Der Experte

Experte Dr. Wolfgang Gesierich für chronisch obstruktive Bronchitis (COPD) und Lungenemphysem ist Oberarzt an der Asklepios- Fachkliniken Gauting. Dort ist man auf Lungenkrankheiten spezialisiert.

Fischkochbuch vom Oberland

Fischkochbuch vom Oberland

Fischkochbuch vom Oberland
Krickerl-Messer aus echtem Rehgeweih - Unikat

Krickerl-Messer aus echtem Rehgeweih - Unikat

Krickerl-Messer aus echtem Rehgeweih - Unikat
Fischkochbuch vom Starnberger See

Fischkochbuch vom Starnberger See

Fischkochbuch vom Starnberger See
Peiting backt - Süßes aus dem Pfaffenwinkel

Peiting backt - Süßes aus dem Pfaffenwinkel

Peiting backt - Süßes aus dem Pfaffenwinkel

Meistgelesene Artikel

Neben Brustschmerzen: Andere Signale für Herzleiden erkennen

Herzerkrankungen machen sich auf verschiedene Weise bemerkbar. Das müssen nicht immer Schmerzen in der Brust sein. Oftmals trifft eine Vielzahl von Symptomen zu. Nur wer …
Neben Brustschmerzen: Andere Signale für Herzleiden erkennen

Gesundheitsmythos: Allergie durch zu viel Hygiene?

Wer als Kind nicht im Sandkasten spielen durfte, ist anfälliger für Allergien. Was hat es mit diesem bekannten Gesundheitsmythos auf sich? Ein Allergieforscher klärt auf.
Gesundheitsmythos: Allergie durch zu viel Hygiene?

Ersatz aus der Ecke: Wann Weisheitszähne raus müssen

Wenn das Gebiss eigentlich längst komplett ist, bekommt manch einer noch zusätzliche Zähne in der hintersten Ecke: die Weisheitszähne. Manchmal machen sie Ärger und …
Ersatz aus der Ecke: Wann Weisheitszähne raus müssen

Einzeller des Jahres: Erreger von Geschlechtskrankheit gewinnt

Berlin - Die Deutsche Gesellschaft für Protozoologie ist nur Fachwissenden bekannt. Doch die Gesellschaft vergibt einen kuriosen Preis. Sie kürt den Einzeller des Jahres.
Einzeller des Jahres: Erreger von Geschlechtskrankheit gewinnt

Kommentare