Die einen halten Cannabis für gefährlich - die anderen plädieren für eine Legalisierung und argumentieren, zum Beispiel Alkohol sei eine weitaus schlimmere Droge. Foto: Oliver Berg
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Die einen halten Cannabis für gefährlich - die anderen plädieren für eine Legalisierung und argumentieren, zum Beispiel Alkohol sei eine weitaus schlimmere Droge. Foto: Oliver Berg

Debatte um Cannabis-Freigabe

Berlin (dpa) - Trend-Umkehr bei Cannabis - der Konsum nimmt nicht mehr ab, sondern steigt wieder an. Sollte man es also gleich freigeben? Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung schaltet sich in die Debatte ein.

Die Drogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) wirft den Fürsprechern einer Cannabis-Legalisierung gefährliche Verharmlosung vor. "Prominente wie Thomas D haben einen enormen Vorbildcharakter. Daher sollten sie sich gut überlegen, wie sie sich zu illegalem Drogenkonsum äußern", sagte Mortler in Berlin. Das Kleinreden der Cannabis-Gefahren sei verantwortungslos. Zuletzt sagte Thomas D von den "Fantastischen Vier" der "Welt": "Ich bin stark dafür, Cannabis zu legalisieren."

Mortler stützt sich auf eine neue Zusammenstellung von Daten zum Rauschmittelkonsum, die von der deutschen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (DBDD) vorgelegt wurde. "Cannabis ist nach wie vor die mit Abstand am häufigsten konsumierte illegale Droge", heißt es in dem Bericht. 0,5 Prozent der Erwachsenen seien abhängig von Cannabis oder missbrauchten die Substanz.

Viele Betroffene suchen Hilfe. Bei Menschen, die erstmals in Sucht-Behandlung waren, stand Cannabis laut dem Bericht vergangenes Jahr an erster Stelle. Der Anteil stieg binnen eines Jahres von 58,4 auf 59,5 Prozent. Mortler sagte: "Eine Legalisierung von Cannabis wäre ein völlig falsches Signal und würde diesen Trend noch verstärken."

Der Deutsche Hanfverband wirbt derzeit in Filmspots für eine Freigabe. Dabei argumentiert er, dass kriminellen Drogenhändlern das Handwerk gelegt werden solle. Konsumenten würden kriminalisiert. In Deutschland ist der Besitz geringer Mengen straffrei.

Mortler warf dem Hanfverband vor, auf schäbige Art und Weise mit den Ängsten der Menschen zu spielen. "Dahinter steckt offenbar das schlechte Gewissen dieses Unternehmens." Denn auch der Inhaber, Georg Wurth, wisse sehr genau, dass Cannabis gerade bei jungen Menschen häufiger Auslöser gesundheitlicher Probleme bis hin zu Psychosen sei.

Thomas D erläuterte, für ihn sei Alkohol die schlimmste Droge. "Wenn ich sehe, was Alkohol aus Menschen macht und trotzdem legal ist, dann kann ich nicht Marihuana verbieten, ein Kraut, das eindeutig beruhigt, was entspannt, was aber auch egal macht", sagte er. Der Rausch sei im Übrigen die Braut des Künstlers.

Freigabe-Befürworter sehen sich durch entsprechende Entwicklungen in Teilen der USA ermutigt. Zahlreiche Suchtforscher plädieren für einen pragmatischen Umgang. Doch warnen Experten zugleich vor erheblichen Schäden für die Gesundheit und das soziale Leben starker Konsumenten.

Mortler verwies auf eine aktuelle Erhebung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung unter 12- bis 25-Jährigen. 7,8 Prozent der Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren haben demnach schon Cannabis genommen. 5,6 Prozent konsumierten es in den letzten zwölf Monaten, 1,3 Prozent regelmäßig. Der Trend zur Abnahme des Cannabiskonsums der vergangenen Jahre scheine sich umzukehren.

Mortler sagte: "Gerade für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis etwa 25 Jahre hat Cannabis ein großes Gefahrenpotenzial." Dies werde leider oft unterschätzt und verharmlost.

DBDD-Leiter Tim Pfeiffer-Gerschel wies darauf hin, dass auch der Konsum neuer Substanzen aufmerksam zu beobachten sei - etwa von "Crystal Meth".

Aber auch die Zahl der Alkoholabhängigen in Deutschland stieg innerhalb weniger Jahre deutlich an - auf zuletzt rund 1,8 Millionen. Das ging aus einer zu Jahresbeginn veröffentlichten Erhebung des Instituts für Therapieforschung in München hervor. Weitere 1,6 Millionen Erwachsene trinken sehr viel, gelten aber nach den offiziellen Kriterien nicht als abhängig. Insgesamt 7,4 Millionen Bundesbürger trinken mehr als die von Experten empfohlene Höchstmenge.

Interview mit Thomas D.

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