Laut einer Studie fehlt vielen Menschen mit Gedächtnisproblemen eine formale Demenz-Diagnose. So bleibt häufig auch die richtige Versorgung aus. Foto: Jens Kalaene
+
Laut einer Studie fehlt vielen Menschen mit Gedächtnisproblemen eine formale Demenz-Diagnose. So bleibt häufig auch die richtige Versorgung aus. Foto: Jens Kalaene

Demenz wird bei vielen Betroffenen zu spät erkannt

Demenz ist eine Krankheit, die bei einer älter werdenden Bevölkerung eine immer größere Bedeutung erhält. Nun haben Forscher herausgefunden, dass wohl mehr Menschen davon betroffen sind als bisher vermutet.

Rostock (dpa) - Viel mehr ältere Menschen als bisher angenommen leiden einer Studie der Universitäten Rostock und Greifswald zufolge unter Demenz. Die Forscher weisen auch auf einen falschen Umgang mit Medikamenten hin.

Es sei festgestellt worden, dass fast alle Demenz-Patienten auch Probleme bei der korrekten Einnahme ihrer Medikamente haben, sagte Stefan Teipel von der Rostocker Klinik für Psychosomatik und Psychotherapeutische Medizin. Für ihre Studie untersuchten die Wissenschaftler 630 über 70-jährige Frauen und Männer aus ganz Mecklenburg-Vorpommern, die schon bei Hausärzten in Behandlung waren und unter Gedächtnisproblemen litten.

Bei einfachen Testverfahren und kleinen Gedächtnisaufgaben sei der hohe Anteil Erkrankter entdeckt worden, erklärte Teipel. Es sei ein trauriger Fakt, dass 40 Prozent der Patienten, die für die Studie gewonnen wurden, keine formale Demenz-Diagnose hatten, trotzdem aber daran erkrankt waren. Dabei sei eine frühe und vernünftige Diagnose wichtig, denn sie bedeute eine bessere Versorgung.

Ziel der Studie sei, Menschen mit Demenz und ihre Familien möglichst frühzeitig in das regionale Gesundheitssystem einbinden, sagte der Greifswalder Studienleiter Wolfgang Hoffmann. Es sei alarmierend, dass 94 Prozent der Patienten ihre Medikamente nicht wie verschrieben einnehmen. Zum Teil schluckten sie Medikamente, die gar nicht zu ihren Symptomen passten.

So würden teilweise Neuroleptika verschrieben, die eigentlich bei psychotischen Symptomen helfen sollen. "Sie stellen den Patienten eher ruhig", sagte Teipel. Häufig brauche es gar keine Medikamente. "Oft ist eine Veränderung der Umgebung das Mittel der Wahl. Etwa eine verbesserte Tagesstruktur, Aufenthalte an der frischen Luft, mehr Bewegung."

Die Studie offenbare auch die Kluft zwischen den von universitären Experten erarbeiteten Leitlinien für die Demenz-Behandlung und der Realität in einem Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern. Bestmögliche medizinische Versorgung und hilfreiche Beratungsangebote seien noch nicht überall verfügbar. Besserung sei von Besuchen von speziell geschulten Krankenschwestern zu erwarten. Diese sogenannten Dementia Care Manager unterstützten die Hausärzte und erstellten für jeden Patienten einen maßgeschneiderten Behandlungs- und Versorgungsplan, sagte Teipel.

Mehr zum Thema

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Die besten Mittel gegen Mückenstiche

Was sind die besten Mittel gegen Mückenstiche? Diese Frage stellen sich viele Menschen wieder in den Sommermonaten. Hier finden Sie die Antwort. 
Die besten Mittel gegen Mückenstiche

Bei Urlaubsstress: Drei-Minuten-Atemübung hilft

Viele kennen die Situation: Vor dem Aufbruch in den Urlaub kommt noch einmal Stress auf: Wurde alles eingepackt und an alles gedacht? Als Gegenmaßnahme gibt es kurze …
Bei Urlaubsstress: Drei-Minuten-Atemübung hilft

Hepatitis A, B, C, D und E

Je früher eine Virus-Hepatitis entdeckt wird, desto besser lässt sie sich therapieren. Virustyp - Hepatitis A, B, C, D und E- sowie das Stadium der Erkrankung sind …
Hepatitis A, B, C, D und E

Hepatitis B und C: Die Leber leidet stumm

Die Vielzahl der Hepatitis-Viren kann verwirren. Sorgen macht Forschern in Deutschland, dass eine chronische Leberentzündung bei Typ B und C oft lange unentdeckt bleibt.
Hepatitis B und C: Die Leber leidet stumm

Kommentare