+
Risikofaktoren: Gefährliche Kombination aus falscher Ernährung und zu wenig Bewegung.

Schleichend krank werden

Die Diagnose klingt niederschmetternd – wenn die vier Risikofaktoren Übergewicht, Bluthochdruck, erhöhte Blutfett- und Zuckerwerte gemeinsam auftreten, spricht man vom „Metabolischen Syndrom“.

Dr. Titus Raab

Fachärzte bezeichnen die Kombination als „tödliches Quartett“, dessen Folgen ein erhöhtes Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko sind. Nach Schätzung von Experten ist in Deutschland jeder fünfte Erwachsene betroffen. Die Tendenz ist steigend. Immer mehr Mediziner schlagen inzwischen Alarm und warnen vor der Ausbreitung der neuen Volkskrankheit, die bereits bei Jugendlichen zu beobachten ist.

Das Tückische an dieser Krankheit ist, dass die eigene Gefährdung aufgrund der schleichenden Entwicklung oft unterschätzt und zunächst kaum bemerkt wird. Im Laufe der Zeit verstärken sich die Faktoren gegenseitig: Wer übergewichtig ist, ernährt sich ungesund und weist daher oft auch zu hohe Blutzucker und -fettwerte auf. Allein Diabetes kann schon für Veränderungen und Ablagerungen in den Gefäßen sorgen, kommt noch Bluthochdruck hinzu, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für eine Arteriosklerose zusätzlich. Patienten, bei denen das Metabolische Syndrom diagnostiziert wurde, erhalten in speziellen Gesundheitszentren umfassenden Rat und Hilfe.

Diabetologe Dr. Titus Raab betont, dass ein integriertes Behandlungskonzept entscheidend für den Behandlungserfolg und das Wohlbefinden ist. Der Direktor und Geschäftsführer im neu gegründeten Gesundheitszentrum in Göttingen arbeitet Hand in Hand mit verschiedenen Fachärzten und weiteren Spezialisten. Zum Team zählen unter anderem eine Diabetesberaterin, eine Podologin und Wundmanagerin, ein orthopädischer Schuhmachermeister und ein Psychodiabetologe. Teil dieses Konzeptes ist es für die Patienten einen individuellen Behandlungspfad zu entwickeln. Neben den körperlichen Symptomen werden auch die seelischen Auswirkungen in das Behandlungskonzept mit einbezogen. Zunächst einmal ist es für das Wohlbefinden notwendig, den Blutzuckerspiegel im gesunden Bereich zu halten.

Zur kontinuierlichen Kontrolle des Blutzuckerwertes wendet der Facharzt in einer Pilotstudie ein neuartiges High-Tech-Verfahren an. Dazu dient ein Sensor in Form einer winzigen Elektrode, die der Patient bis zu fünf Tage lang Tag und Nacht trägt. Dieser ermittelt alle fünf Minuten einen zuverlässigen Gewebs-Glucosewert und meldet sich bei Über- und Unterzuckerung. Für die Patienten ist damit neben einer zeitgleichen antidiabetischen Medikamenten- oder Insulinanpassung auch ein zusätzlicher Sicherheitsaspekt gegeben.

 Ein weiterer wichtiger Baustein für das Wohlbefinden und eine höhere Lebensqualität ist eine kalorienbewusste und abwechslungsreiche Ernährung und ein angemessenes Bewegungsprogramm. Eine Ernährungsberaterin ergänzt das Kompetenzteam im Göttinger Gesundheitszentrum und gibt wertvolle Tipps für die Auswahl und Zubereitung gesunder Lebensmittel.

von Heike Kollros

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Spielsucht bei Kindern früh erkennen

Früher waren es vor allem Spielautomaten, die Kinder und Jugendliche zum Zocken verleiteten. Mit dem Internet ist es viel schwieriger für Eltern geworden, den Überblick …
Spielsucht bei Kindern früh erkennen

Noro-Alarm in München: Das sagt eine Expertin

München - Im Vergleich zum vergangenen Jahr gibt es in München deutlich mehr Ausbrüche des Noro-Virus. Eine Expertin erklärt, worauf zu achten ist.
Noro-Alarm in München: Das sagt eine Expertin

Stadt München warnt vor Norovirus

In München grassiert das Norovirus. Über 50 Ausbrüche in Schulen und Kindertagesstätten haben die Gesundheitsbehörden schon registriert. Um weiter Fälle von …
Stadt München warnt vor Norovirus

„Dornröschen-Syndrom“: 22-Jährige schläft seit Monaten

Stockport - Die 22-Jährige Beth Goodier leidet unter dem „Dornröschen-Syndrom“ und verbringt 75 Prozent ihres Lebens schlafend. Was wie ein Märchen klingt, ist für alle …
„Dornröschen-Syndrom“: 22-Jährige schläft seit Monaten

Kommentare