Obwohl mehr als die Hälfte der Deutschen an Übergewicht leidet, wird die Gesellschaft gesünder, sagt Jana Ehret vom Zukunftsinstitut. Foto: Karl-Josef Hildenbrand
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Obwohl mehr als die Hälfte der Deutschen an Übergewicht leidet, wird die Gesellschaft gesünder, sagt Jana Ehret vom Zukunftsinstitut. Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Dicke Deutsche - fehlt das Gesundheitsbewusstsein?

Wiesbaden (dpa) - Nur noch knapp jeder Vierte Deutsche raucht. Aber mehr als jeder Zweite hat Übergewicht. Wie steht es um das Gesundheitsbewusstsein in Deutschland? Wird die Gesellschaft gesünder oder ungesünder?

Trotz aller Fitnesstrends kämpfen immer mehr Menschen in Deutschland mit zu vielen Pfunden. Mehr als jeder zweite Erwachsene gilt als zu dick, so viele wie nie seit Einführung der Befragung des Statistischen Bundesamtes 1999. Fehlt das Gesundheitsbewusstsein? Dagegen spricht schon, dass die Zahl der Raucher besonders bei jungen Menschen deutlich zurückgegangen ist. "Das Gesundheitsbewusstsein ist da", sagt Jana Ehret vom Zukunftsinstitut in Frankfurt. Die Forscherin ist überzeugt, "dass das noch mehr wird".

Wie wird Übergewicht überhaupt gemessen?

Die Weltgesundheitsorganisation WHO misst Übergewicht mit dem sogenannten Body Mass Index (BMI), der das Körpergewicht ins Verhältnis zur Körpergröße setzt. Dabei wird das Gewicht in Kilogramm durch die Größe in Metern zum Quadrat geteilt. Übergewicht beginnt nach der Definition, die seit Mitte der 1990er Jahre gilt, bei einem BMI von 25, Fettleibigkeit bei 30. Nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) ist der BMI das Maß aller Dinge für den repräsentativen Durchschnitt der Bevölkerung.

Warum ist der Maßstab BMI umstritten?

"Der BMI basiert auf dem Gewicht und berücksichtigt nicht den unterschiedlichen Körperbau der Menschen", erläutert Antje Gahl von der DGE. Sehr aktive Menschen mit viel Muskelmasse haben daher einen verhältnismäßig hohen BMI. "Der BMI gibt immer nur einen Richtwert an." So müsse nicht jeder abnehmen, der einen BMI zwischen 25 und 30 hat. "Die überschüssigen Fettpolster werden erst dann zum Problem, wenn sie dem Menschen schaden." So etwa wenn Erkrankungen dazu kommen.

Welche Rolle spielt das Bauchfett beim Übergewicht?

Der Bauchumfang sei ein guter Indikator bei leichtem Übergewicht, sagt Antje Gahl von der DGE. "Das Körperfett, das in der Bauchregion liegt, fördert die Entstehung von Krankheiten wie Diabetes, Fettstoffwechsel und Bluthochdruck." Bei Frauen sollte der Taillenumfang nicht über 80 Zentimeter liegen, bei Männern nicht über 94.

Sind Ex-Raucher dicker als Raucher?

Ehemalige Raucher sind deutlich häufiger übergewichtig als Raucher. So hatten laut Statistischem Bundesamt 2013 fast drei Viertel der männlichen Ex-Raucher einen BMI von mehr als 25, bei den Rauchern waren es 57 Prozent. Und 47 Prozent der Ex-Raucherinnen waren zu dick, aber nur 37 Prozent der Raucherinnen. Zum Vergleich: Von allen Männern waren 62 Prozent, von den Frauen 43 Prozent betroffen.

Warum nehmen Ex-Raucher zu?

Der Stoffwechsel stellt sich um. Zudem suchen die Ex-Raucher nach einem Ersatz für die Zigarette. "Der leichte Anstieg des Körpergewichts steht aber in keinem Vergleich zu dem Risiko weiter zu rauchen", mahnt Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum (dkfz). "Rauchen sollte nicht zur Gewichtsregulierung eingesetzt werden."

Wie können Raucher am besten aufhören?

"Man muss wollen - das ist das Entscheidende", sagt Martina Pötschke-Langer vom dkfz. Etwa 85 Prozent aller erfolgreichen Ex-Raucher hätten es so geschafft. "Raucher gelten als Hochrisikogruppe für Krebs, Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen. Das sind unsere großen Sorgenkinder in der Medizin." Wer Unterstützung beim Aufhören brauche, bekomme überall professionelle Hilfe. Weitere drastische Tabaksteuererhöhungen und ein Ende der Werbung könnten noch mehr Menschen von der Zigarette weg bringen.

Worauf kommt es beim Abnehmen an?

"Unterm Strich zählt die Kalorienbilanz am Tag", sagt Antje Gahl von der DGE. Dafür sei volumenreiche, energieärmere Ernährung zu empfehlen. Also viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukte sowie Wasser und ungezuckerte Tees. "Ohne die körperliche Aktivität funktioniert es meistens aber nicht." Idealerweise sollte sich jeder laut WHO etwa 60 Minuten pro Tag bewegen. Dazu zählen auch Alltagsaktivitäten wie Treppensteigen. Ideal seien 10 000 Schritte pro Tag, was ungefähr fünf Kilometern entspricht.

Werden die Deutschen trotz des gestiegenen Übergewichts gesünder?

Zukunftsforscherin Jana Ehret ist überzeugt: "Unsere Gesellschaft wird immer gesünder." Dafür sprächen zwei Trends: Immer mehr Menschen bewegten sich und immer mehr tendierten dazu, sich gesund zu ernähren. Das Problem der digitalen Welt sei der Zeitmangel. Immer mehr Firmen setzten daher auf Betriebssport oder Yoga und machten Sportangebote in Konferenzräumen. "Manager meditieren in der Mittagspause." Neben dem Boom bei Fitness- und Gesundheits-Apps gebe es auch schon ein Laufband fürs Training während der Arbeit am Schreibtisch.

Deutsches Krebsforschungszentrum

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