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Eine Forscherin im Labor des Instituts für Virologie der Universität Marburg unter der höchsten Biologischen Schutzstufe 4 (BSL4).

Kurzfristig vollkommener Schutz

Ebola-Impfstoff erfolgreich an Affen getestet

Washington - Wichtiger Fortschritt: Im Kampf gegen Ebola haben Wissenschaftler an Affen erfolgreich einen Impfstoff getestet.

Wie die Forscher in der Zeitschrift "Nature Medicine" berichteten, habe das Mittel auf Basis eines bei Schimpansen und Makaken vorkommenden Grippe-Virus den Primaten "kurzfristig einen vollkommenen Schutz und langfristig einen teilweisen" beschert. Affen, die nach kurzer Zeit eine Auffrischungsimpfung erhalten hätten, hätten sogar eine "dauerhafte" Immunisierung aufgewiesen.

Den Autoren der Studie zufolge ist es das erste Mal, das es gelungen ist, einen dauerhaften Impfschutz gegen Ebola vorzuführen. Sollte der Impfstoff zugelassen werden, könnte er den Menschen in den betroffenen Ländern helfen, schrieben sie. Das Nationale Institut für Allergien und Infektionskrankheiten (NIAID) in den USA hatte angekündigt, dass Anfang September mit der Erprobung von Impfstoffen an Menschen begonnen werde. Der Impfstoff auf Basis eines Schimpansen-Virus (ChAd3) wurde von einem Team unter Leitung von NIAID-Expertin Nancy Sullivan entwickelt.

US-Präsident Barack Obama kündigte unterdessen an, US-Soldaten als Ebola-Helfer in die betroffenen westafrikanischen Länder zu entsenden. Die US-Streitkräfte würden unter anderem mit Quarantäne-Einheiten und Ausrüstung helfen, sagte Obama dem Sender NBC in einem am Sonntag ausgestrahlten Interview.

Die Ebola-Epidemie hat mehrere Länder in Westafrika derzeit fest im Griff. Laut UN-Angaben gibt es bereits mehr als 2000 Todesfälle und rund 4000 weitere Infizierte. Besonders betroffen sind Liberia, Guinea und Sierra Leone. Die Opferzahl der aktuellen Ebola-Epidemie in Westafrika übersteigt inzwischen die Gesamtzahl der Opfer aller früheren Ausbrüche der Krankheit seit deren Entdeckung im Jahr 1976.

Gesundheitsexperte schlägt mobile Kliniken vor

Der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamtes, René Gottschalk, plädiert für die Lieferung kompletter Krankenhäuser nach Westafrika, um die Ebola-Epidemie einzudämmen. „Man muss ganze Hospitäler dort hinschaffen oder ein Hospitalschiff vor der Küste vor Anker gehen lassen“, sagte Gottschalk der „Frankfurter Rundschau“ vom Montag. Denn jedes mobile Hospital, das Europa habe, sei 1000 Mal besser als die afrikanischen Hospitäler. „Wir müssten natürlich Personal mit runter schicken und Labore. Mit unserer Schutzausrüstung hätte dieses Personal auch nichts zu fürchten. Dann könnte man das hinkriegen. Aber es würde eine unglaubliche Anstrengung erfordern.“ Den betroffenen Ländern sei nur noch von außen zu helfen.

Gottschalk ist auch Sprecher des Ständigen Arbeitskreises der Kompetenz- und Behandlungszentren für hochkontagiöse und lebensbedrohliche Erkrankungen, dessen Geschäftsstelle beim Robert-Koch-Institut angesiedelt ist. Die drei am schwersten von der hoch ansteckenden Krankheit betroffenen Länder sind Guinea, Liberia und Sierra Leone.

Ebola-Patient in den USA erhält experimentelles Mittel

Ein mit Ebola infizierter Patient in den USA erhält nach Angaben seiner Ärzte ein experimentelles Mittel. Dies teilte der Mediziner Phil Smith vom Nebraska Medical Center in Omaha am Sonntagnachmittag (Ortszeit) in einer Pressekonferenz mit. Genauere Angaben zu dem Medikament machte Smith nicht. Es ist aber nicht das experimentelle Mittel „ZMapp“, mit dem im August zwei US-Bürger behandelt worden waren. Dieses sei im Moment nicht verfügbar, so Smith. Gegen Ebola gibt es zurzeit weder einen vorbeugenden Impfstoff noch ein zugelassenes Medikament zur Behandlung der Krankheit.

Der 51 Jahre alte Patient, der im westafrikanischen Liberia als Missionar und Arzt arbeitete, war am Freitag in die Klinik der Universität des Bundesstaats Nebraska gebracht worden. Den Ärzten zufolge besserte sich sein Zustand seitdem leicht. Er sei ansprechbar und würde Fragen stellen. Am Wochenende habe der Mann zweimal mit seiner Familie über eine Video-Verbindung kommunizieren können.

In den vergangenen Wochen waren bereits zwei US-Bürger, die sich in Westafrika mit Ebola angesteckt hatten, in ihr Heimatland zurückgebracht worden. Sie hatten für eine christliche Hilfsorganisation Ebola-Kranke in Liberia betreut und sich dabei selbst angesteckt. Inzwischen haben sie die Krankheit überstanden.

Ebolaforschung im Hochsicherheitstrakt

Eine Labormitarbeiterin in einem gelben, gummiartigen Vollschutzanzug arbeitet mit einer Pipette, sie ähnelt einer Astronautin. Ein schwarzer Schlauch verbindet sie mit einem Anschluss an der Wand, der sie mit Frischluft versorgt. Überdruck im Anzug verhindert, dass Partikel von außen eindringen. So sieht es aus, wenn Mitarbeiter des Hochsicherheitslabors an der Universität Marburg Virenerbgut aus der Blutprobe eines Ebola-Verdachtsfalls sichern.

Das Marburger Labor ist eines von nur drei in Deutschland, das die Anforderungen der höchsten Sicherheitsstufe BSL 4 erfüllt. Ein weiteres gibt es am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI) in Hamburg, das andere betreibt das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auf der Insel Riems. Ein viertes entsteht derzeit am Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin.

Nur hier darf mit hochansteckenden Viren gearbeitet werden, für die es noch keine wirksamen Medikamente oder Impfstoffe gibt. An deren Entwicklung sind die Forscher beteiligt. Prof. Stephan Becker, Leiter des Marburger Instituts für Virologie, könnte demnächst eine Studie zur Wirkung eines vielversprechenden Ebola-Impfstoffes durchführen. „Die Voraussetzungen dafür wären hier bei uns ideal“, sagt er.

Es geht um das in Kanada entwickelte Vakzin VSV-EBOV. Solche Impfstoffe könnten vorbeugend verhindern, dass sich Menschen mit Ebola infizieren - ähnlich wie zum Beispiel ein Grippeimpfstoff. Die US-Gesundheitsinstitute (NIH) kündigten Ende August gleich mehrere Studien zu verschiedenen Impfstoffen am Menschen an, die im Herbst anlaufen sollen. Zusammen mit einem Pharmakonzern starteten sie erste Tests an etwa 20 Teilnehmern.

Nicht nur für die Forschung, auch für Diagnosen ist das Marburger Labor wichtig. Sollte am internationalen Drehkreuz Frankfurt ein Reisender ankommen, der Ebola-Symptome wie Fieber, Durchfall und Erbrechen zeigt, würde er zunächst an der Uniklinik Frankfurt isoliert. Bestätigt sich ein Kontakt zu eventuell infizierten Menschen in einem Land wie Liberia oder Guinea, bringt die Frankfurter Feuerwehr sofort eine Blut- und Speichelprobe nach Marburg.

„Die Arbeit, die wir hier machen, ist sicher“, betont Becker. Vier Sicherheitsschleusen müssen die Mitarbeiter passieren, um in das Labor zu kommen. Die Schutzanzüge werden vor und nach der Arbeit in einer chemischen Dusche desinfiziert, die technische Ausstattung des Gebäudes muss besondere Standards erfüllen, alle wichtigen Versorgungsgeräte sind doppelt vorhanden.

Seit dem Ausbruch der Epidemie seien immer mindestens drei Mitarbeiter des Labors in Rufbereitschaft, um eine Probe untersuchen zu können, sagt Laborleiterin Olga Dolnik. Zweimal wurden sie seit dem Auftreten der ersten Fälle in Westafrika tätig, in beiden Fällen bestätigte sich der Verdacht nicht. Man könne innerhalb von sechs bis acht Stunden nach der Einstufung eines Patienten als Verdachtsfall eine sichere Diagnose liefern, sagt die Humanbiologin.

Die Marburger schicken zudem regelmäßig Mitarbeiter nach Westafrika, die mit anderen europäischen Wissenschaftlern vor Ort bei Diagnosen helfen und einheimische Mitarbeiter schulen. Das sei wichtig, denn nur die Einheimischen selbst könnten die Epidemie besiegen. „Die Menschen müssen selbst verstehen, dass sie sich an die Quarantänemaßnahmen halten müssen“, sagt Becker.

Außerdem trage man mit der Forschung dazu bei, dass sich eine Infektionskrankheit in Deutschland nicht so schnell ausbreiten könnte, weil Strategien für den Ernstfall entwickelt wurden. Je stärker Ebola in Westafrika wüte, desto wichtiger werde das, denn umso wahrscheinlicher werde, dass irgendwann ein infizierter Fluggast in Deutschland ankomme.

dpa/AFP

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Ebola: Darum ist die Krankheit so gefährlich

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