Debatte nimmt Fahrt auf

Sollen Energy Drinks für Jugendliche verboten werden?

Berlin - Angesichts der Beliebtheit koffeinhaltiger Energy Drinks bei Kindern und Jugendlichen will der EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Vytenis Andriukaitis, Schritte gegen die umstrittenen Wachmacher prüfen.

Er werde mit der Europäischen Lebensmittelbehörde (EFSA) darüber "diskutieren, was die EU-Staaten hier gegebenenfalls unternehmen sollten", sagte Andriukaitis der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Mittwochsausgabe). Die Beliebtheit der Getränke und der damit verbundene hohe Koffeinkonsum seien "besorgniserregend". Die Kommission werde sich die EFSA-Stellungnahme und mögliche Konsequenzen genau anschauen, wenn sie voraussichtlich im Sommer in ihrer endgültigen Fassung vorliege, sagte der Kommissar der "NOZ".

Verbraucherzentrale und Foodwatch fordern Verbot von Verkauf an Jugendliche

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) forderte ein Abgabeverbot für koffeinhaltige Energy Drinks an Jugendliche unter 18 Jahren. "Wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Bundesamt für Risikoforschung sind auch wir der Meinung, dass die Drinks für Kinder und Jugendliche nicht geeignet sind", sagte Sophie Herr, Teamleiterin für Ernährung beim vzbv, der Zeitung. Auch die Verbraucherorganisation Foodwatch hatte zuvor schon gefordert, den Verkauf von Energy Drinks an Kinder und Jugendliche zu verbieten. 

Auch die Verbraucherorganisation Foodwatch fordert, den Verkauf von Energy Drinks an Kinder und Jugendliche zu verbieten. Hintergrund ist eine neue Studie der europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA, wie Foodwatch am Montag in Berlin mitteilte. Der Untersuchung zufolge konsumierten Millionen Jugendliche in der EU zu viel Koffein. Ernährungsminister Christian Schmidt (CSU) hält aber ein Verbot nicht für notwendig, wie er dem ZDF-Magazin "Frontal 21" sagte.

Laut der Studie nehmen Jugendliche in fünf von 13 untersuchten EU-Mitgliedstaaten mehr Koffein auf als empfohlen. Demnach sollten sowohl Erwachsene als auch Minderjährige eine Dosis von drei Milligramm Koffein pro Kilo Körpergewicht am Tag nicht überschreiten - andernfalls drohten Nebenwirkungen wie Herz-Rhythmus-Störungen, Krampfanfälle oder Nierenversagen.

Ein zwölfjähriger Junge mit 50 Kilogramm Körpergewicht überschreitet nach dieser Rechnung mit einer 0,5-Liter-Dose eines Energy Drinks diese Grenze. Laut Foodwatch gelten in Deutschland 6,6 Prozent der Jugendlichen als "Hochverzehrer" von Koffein und überschreiten die Grenzwerte der EFSA.

Anders als bei anderen koffeinhaltigen Getränken wie Kaffee lockten der Geschmack und das "gezielte Marketing" bei Energy Drinks gerade junge Konsumenten an, kritisierte die Verbraucherorganisation. Zum Schutz der jungen Verbraucher dürfe der Verkauf der Drinks erst ab 18 Jahren erlaubt werden.

Minister Schmidt sagte hingegen "Frontal 21", er sehe "keinen akuten Handlungsbedarf". Warnhinweise auf den Getränkedosen reichten aus, um die Verbraucher zu schützen. Ähnlich äußerte sich der Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke, Detlef Groß. Er sehe keine sachliche oder rechtlich tragfähige Grundlage für ein Verkaufsverbot, sagte er dem TV-Magazin, das am Dienstag um 21.00 Uhr ausgestrahlt werden soll.

AFP

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Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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