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Was macht das Phänomen des Alterns aus? Einig ist sich die Wissenschaft nur, dass eine Verbindung zu unzähligen Stoffwechselprozessen besteht. Foto: Patrick Peul

Forscher suchen Wege zur Verlangsamung des Alterns

Rostock (dpa) - Ein langes Leben bei guter Gesundheit wünschen sich wohl die meisten Menschen. Nur wie geht das? Rostocker Forscher wollen mit einem Langzeitprojekt dem Altern auf die Spur kommen.

Über das Altern gibt es viele Theorien, viele wurden gefunden und wieder über den Haufen geworfen. "Nur: wie Altern funktioniert, weiß so richtig niemand", sagt der Rostocker Physiologe Rüdiger Köhling. Zusammen mit seinem Kollegen Georg Füllen vom Institut für Biostatistik und Informatik der Universität Rostock will er das Altern erforschen. Das Vorhaben ist groß und verspricht, ganze Mediziner- und Biologengenerationen zu beschäftigen. "Dem Phänomen des Alterns auf die Schliche zu kommen, geht nur mit riesigen Mengen an Daten", sagt Füllen.

Einig sei sich die Wissenschaft derzeit lediglich, dass es beim Altern eine Verbindung zu unzähligen Stoffwechselprozessen gibt, zu Wachstum und Differenzierung, auch zu Entzündung und Entartung von Zellen, also Krebs. Allgemeingültig scheint nichts zu sein, Altern und Sterben ist so individuell wie das Leben selbst.

Ausgangspunkt der Forschungen könnte die "Nationale Kohorte" sein, bei der bundesweit 200 000 Menschen zwischen 20 und 69 Jahren medizinisch untersucht und nach Lebensgewohnheiten wie körperliche Aktivität, Rauchen, Ernährung oder Beruf befragt werden. Unzählige Parameter wie Blut- und Fettwerte, Blutdruck oder Ernährung sollen über mehrere Jahre erhoben werden. Zu den klassischen Methoden kämen moderne biologische Techniken wie Genkartierung oder eine Analyse der Proteinbildung.

"Dabei sollen sogenannte Biomarker gefunden werden, die einen Hinweis darauf geben, wie sich ein Mensch entwickeln könnte", sagt Köhling. In der Folge könnten Empfehlungen gegeben werden, wie jeder einzelne seine individuelle Alterung verlangsamen kann.

Klar sei schon heute, dass etwa die Ernährung eine zentrale Rolle für den Stoffwechsel und damit für Gesundheit und Altern spielt. So zeigen Studien bei Mitteleuropäern und Skandinaviern, dass sie bei einer auf Vollkorn beruhenden Ernährung seltener an Darmkrebs erkranken. Das gelte nicht für Bevölkerungen des Mittelmeerraums. Warum das aber so ist, sei unbekannt.

"Das Vorhaben erscheint in der Kombination von Big Data mit individualisierter Vorsorge typisch für die gegenwärtige Biopolitik", sagt der Chef des Lübecker Instituts für Medizingeschichte und Wissenschaftsforschung, Cornelius Borck. "Am Horizont erscheint eine Präventionsverpflichtung." Zudem sei nicht abzusehen, ob beim "Summenphänomen Altern" überhaupt individuelle Prognose-Parameter identifiziert werden können. Borck empfiehlt eine Begleitforschung, die sich mit ethischen oder sozialen Aspekten beschäftigt.

Wie komplex die Studien sind, wird bei der Frage nach der Wirkung von Sport deutlich: Studien etwa mit Mäusen hätten gezeigt, dass manche dieser Tiere bei einer sportlichen Betätigung eine bis zu 60 Prozent längere Lebenszeit haben als der Durchschnitt. Etwa 10 Prozent sterben erheblich früher trotz sonst gleicher Lebensumstände. Die Frage nach dem Warum bleibe noch unbeantwortet.

"Wenn biologische Marker gefunden werden, könnte man Menschen in einem entscheidungsfähigen Alter einen Test und vielleicht sogar Interventionsmöglichkeiten anbieten", sagt Köhling. Wenn es so gelinge, den Alterungsprozess zu entschleunigen, hätten die Menschen nicht nur eine längere Lebenserwartung, sondern auch eine längere "Gesundheitsspanne", sind die Professoren überzeugt.

Sollten die Forscher genügend Gelder für ihre langjährigen Studien sammeln können, wollen sie mit Probanden ab etwa 40 Jahren arbeiten. Ab diesem Alter könnten sie dafür zugänglich werden, vermuten die Forscher. Sie würden an einem Programm teilnehmen, das die "Prävention an der Wurzel packt". Jede medizinische Information dürfe dabei nur dem Probanden und dem Arzt zur Verfügung stehen. "Prävention an der Wurzel darf natürlich nicht zum gesellschaftlichen oder moralischen Zwang werden", betonen Köhling und Füllen.

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