Folgen sind Übelkeit und Verstopfung

Gynäkologen warnen vor "Viagra für Frauen"

Berlin - Finger weg von der Lustpille für Frauen. Der Berufsverband der Frauenärzte in Deutschland kritisiert die Nebenwirkungen von Flibanserin. Das sehen die US-Amerikaner anders.

Nach dem positiven Votum von US-Experten zur Zulassung der sogenannten Lustpille für Frauen haben Frauenärzte in Deutschland vor möglichen Nebenwirkungen gewarnt. Durch das Arzneimittel Flibanserin werde zwar "in der Tat eine erhöhte sexuelle Erregbarkeit beobachtet, aber ebenso auch Schwindel, Müdigkeit, Übelkeit, Angstzustände, Verstopfung", erklärte der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) am Freitag in Berlin. Diese Nebenwirkungen hätten bislang dazu geführt, dass die Experten der US-Arzneimittelbehörde FDA ebenso wie Behörden in Europa eine Zulassung des Mittels abgelehnt haben.

In den Vereinigten Staaten hatte sich ein Expertengremium der FDA für die Zulassung des Medikaments Flibanserin ausgesprochen, das den weiblichen Sexualtrieb steigern soll. Das Votum des Gremiums ist nicht bindend, die FDA folgt den Experten aber in den meisten Fällen. Bei Prüfungen in den Jahren 2010 und 2013 war das "Viagra für Frauen" noch durchgefallen. Die FDA-Experten gaben nun nach mehrstündiger Diskussion mehrheitlich grünes Licht für die Einführung von Flibanserin, knüpfte dies aber an Bedingungen. So müssen alle Nutzerinnen genau über die möglichen Gefahren und Nebenwirkungen aufgeklärt werden.

Flibanserin sollte nicht Mittel der ersten Wahl sein

Ungeachtet dieser Sicherheitsauflagen sollte Flibanserin nach Ansicht des Frauenärzte-Verbandes für Frauen mit sexuellen Funktionsstörungen nicht in jedem Fall das Mittel der ersten Wahl sein. "Wenn Beziehungsprobleme zugrunde liegen, Müdigkeit, Erschöpfung oder eine Erkrankung, dann ist es sinnvoll, diese Ursachen aufzuarbeiten", erklärte Verbandspräsident Christian Albering.

Viele Frauen erleichtere es auch zu hören, dass "es normal ist, nach 20 Ehejahren nicht mehr täglich Sex zu haben". Das bedeute nicht das Ende der Beziehung, sondern eine Neuorientierung in der Partnerschaft, womöglich mit sexualtherapeutischer Hilfe. "Wenn die Frau aber selbst eigentlich sexuell aktiv sein möchte und das Fehlen der Lust als fremd, als belastend empfindet, dann wird Flibanserin in Zukunft möglicherweise eine sinnvolle Option darstellen."

Flibanserin ist ursprünglich ein Antidepressivum, das den Spiegel des lusthemmenden Hormons Serotonin im Gehirn absenken soll. Im Gegenzug erhöht es die Konzentration des Glückshormons Dopamin und von Noradrenalin im Blut; beide können die weibliche Libido steigern.

Flibanserin hemmt Botenstoff Serotonin

Dem Frauenärzte-Verband zufolge ist Serotonin an zahlreichen Regulationsvorgängen im Körper beteiligt. Der Botenstoff erhöht den Blutdruck, verstärkt die Blutgerinnung, verbessert die Darmtätigkeit, hemmt den Appetit, verbessert die Stimmung, erhöht die Wachheit, dämpft Angst und Depressivität. Wird Serotonin durch einen Gegenspieler wie Flibanserin medikamentös gehemmt, so werden neben der sexuellen Aktivität auch der Blutdruck und viele andere Faktoren beeinflusst, was dann zu den beschriebenen Nebenwirkungen führen kann.

Nach Angaben des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gibt es in Deutschland derzeit kein zugelassenes Arzneimittel mit dem Wirkstoff Flibanserin. Über mögliche Anträge von Pharmaherstellern auf Zulassung von Arzneimitteln gebe die Behörde generell keine Auskunft, sagte eine Sprecherin.

AFP

Rubriklistenbild: © dpa

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