In Kunstharz gegossene Gallensteine werden am Mittwoch im Medizinhistorischen Museum der Charité in Berlin.
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Vielfältig: In Kunstharz gegossene Gallensteine.

Op mit kleinen Schnitten

Hilfe bei Gallenstein-Leiden

Sie gehört zu den häufigsten Operationen: Pro Jahr werden etwa 190.000 Cholezystektomien in Deutschland durchgeführt. So nennen Mediziner die Entfernung der Gallenblase.

Diese kann nötig werden, wenn sich darin Gallensteine gebildet haben. Doch nur dann, wenn diese zu Beschwerden führen. Dazu gehören etwa Gallenkoliken: Betroffene haben plötzlich starke Schmerzen im rechten und mittleren Oberbauch, die auch länger anhalten können. Manche Patienten klagen zudem über Übelkeit oder müssen sich erbrechen.

Verursachen Gallensteine Beschwerden, spricht man von einer symptomatischen Cholezystolithiasis. Manchmal entzündet sich dabei auch die Gallenblase (Cholezystitis). Für eine sichere Diagnose untersucht der Arzt den Bauch mit Ultraschall. Zudem nimmt er eine Blutprobe, um auszuschließen, dass Gallensteine den Abfluss der Galle behindern und zu einer Stauung führen. Um andere Ursachen abzuklären, kann auch eine Magenspiegelung nötig sein, beim Verdacht, dass Steine im Gallengang stecken, eine Endosonografie (endoskopischer Ultraschall).

Führen Gallensteine zu Beschwerden, sollten diese mitsamt der Gallenblase entfernt werden. Die Steine mit Stoßwellen (ESWL) zu zertrümmern ist keine Alternative. Bei der Hälfte der Patienten bilden sich bald Neue. Auch Medikamente, die die Steine auflösen können, haben sich nicht bewährt. Zudem ist bei Patienten, die bereits Beschwerden hatten, das Risiko für Komplikationen erhöht, wenn diese erneut auftreten. Sie erkranken öfter an einer Entzündung der Gallenblase, der Gallenwege oder der Bauchspeicheldrüse.

Muss die Gallenblase entfernt werden, „gilt es, den richtigen Zeitpunkt zu finden“, sagt Prof. Ayman Agha, Chefarzt der chirurgischen Klinik des Klinikums Bogenhausen in München. Bei einer akuten Entzündung der Gallenblase operiert man am besten sofort. Besteht eine Entzündung schon länger, ist es günstiger, diese erst mit Antibiotika zu bekämpfen. Ist sie nach einigen Wochen ausgeheilt, ist das Risiko für Komplikationen geringer. Manchmal ist die Entzündung aber so stark, dass Antibiotika nicht reichen, etwa bei einer Vereiterung um die Gallenblase oder wenn diese durchbricht. Dann ist eine Not-Operation nötig. Geraten Steine aus der Gallenblase in die Gallenwege und blockieren diese, kann das durch den Rückstau von Galle und Bauchspeicheldrüsensäften gefährlich werden. Diese Steine entfernt man schon vor der OP. Bei der ERCP wird ein Endoskop wie bei einer Magenspiegelung durch Mund, Speiseröhre und Magen geschoben. Von dort wird der Gallengang unter Röntgenkontrolle mit einem flexiblen Drahtkörbchen sondiert. Der Arzt kann den Stein damit in den Dünndarm ziehen oder zuvor im Gallengang mit speziell verstärkten Körbchen zerkleinern. Sehr harte Steine lassen sich mit einem extrem kurzen Laserimpuls zertrümmern. Manchmal wird eine Art Röhrchen (Stent) in den Gallengang einlegt, bis die Entzündung abgeklungen ist.

Die Gallenblase wird dann meist laparoskopisch, also mittels Schlüssellochchirurgie, entfernt. Weil die Schnitte dabei sehr klein sind, haben Patienten nach dem Eingriff weniger Schmerzen und erholen sich schneller. Manchmal ist aber nur eine offene OP möglich – oder der Chirurg stellt beim Blick mit dem Kameraauge in den Bauch fest, dass es Verwachsungen gibt. Dann könne es nötig sein, zu einer offenen OP zu wechseln, sagt Agha. Ebenso, wenn die Gallenblase sehr stark entzündet sei.

Andrea Eppner

Leserfragen an die Experten: wissenschaft@merkur.de

Stichwort Gallenstein

  • Wozu braucht man eigentlich Galle?

Wer sich sehr über etwas aufregt, dem kommt schon mal „die Galle hoch“. Oder er spuckt gar „Gift und Galle“: Redensarten, die auf der uralten Vorstellung beruhen, Krankheiten seien die Folge eines Ungleichgewichts der Säfte im Körper. Dazu zählte man in der Antike die „gelbe Galle“. Davon hatten Choleriker (griech. chole für Galle) zu viel.

Heute weiß man, dass Galle nicht gallig macht, sondern für die Verdauung wichtig ist. Sie hilft, das wasserunlösliche Fett in der Nahrung fein zu verteilen und macht es so für fettspaltende Enzyme besser zugänglich. Speicher Gallenblase Gebildet wird die Gallenflüssigkeit in der Leber. Hier fließt sie durch feinverästelte Gänge, die sich im Lebergallengang vereinigen, in den Dünndarm. Zuvor wird sie gespeichert, um etwa nach einem üppigen Essen, eine größere Menge davon abgeben zu können. Das passiert in der Gallenblase. Diese ist über eine seitliche Abzweigung, dem Gallengang, mit dem Lebergallengang verbunden. Sie ist birnenförmig und etwa zehn Zentimeter lang. Zieht sie sich zusammen, wird Galle in den Darm gespült. Etwa 500 bis 700 Milliliter davon bildet die Leber pro Tag. Die gelbbraune Flüssigkeit besteht vor allem aus Wasser, zudem aus Cholesterin, Gallensäuren und Bilirubin, ein Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffs, sowie Lecithin und Elektrolyten.

  • So bilden sich Steine

Ein Ungleichgewicht der in der Galle gelösten Stoffe kann dazu führen, dass sich Kristalle bilden. Diese können zu Steinen anwachsen und haben je nach Zusammensetzung viele Formen und Farben. Manchmal sind sie auch steinhart. Das Risiko für Gallensteine steigt mit dem Alter. Die hormonelle Umstellung nach einer Entbindung fördert ebenfalls deren Bildung. Auch die Veranlagung spielt eine Rolle. Eine Behandlung ist nur nötig, wenn Steine Beschwerden bereiten, was nur bei einem Teil der Patienten der Fall ist. Dann reicht es nicht, die Steine zu entfernen: Da sich die Zusammensetzung der Galle nicht ändert, bilden sich solche häufig bald erneut.

  • Darum entfernt man die Gallenblase. Die Operierten können gut ohne leben: Die Galle fließt dann kontinuierlich in den Darm. Einen Vorteil von der Speicherung der Galle hatten vor allem Menschen der Urzeit, die oft sehr unregelmäßig Nahrung bekamen. Um zu überleben, galt es, das Letzte an Energie herauszuholen. Durch die Speicherung der Galle war immer genug da – um auch mal größere Portionen, etwa nach einem Jagderfolg, optimal zu verwerten.

ae

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