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Ein Erreger mit vielen Gesichtern: Prof. Christian Dannecker ist Experte für das Humane Papillom-Virus – und seine Folgen. Einige Untergruppen des Erregers können Krebs auslösen.

Gebärmutterhalskrebs

Wie sinnvoll ist der HPV-Test?

Gebärmutterhalskrebs erkennen, bevor er entsteht? Ein neuer neuer Test könnte bald Standard werden: die Untersuchung auf HPV. Experten diskutieren eine Reform der Vorsorge.

Gebärmutterhalskrebs trifft vor allem Frauen mittleren Alters. Karin B. ist daher froh, dass man heute vorsorgen kann: „Seit Anfang 20 gehe ich regelmäßig zum Frauenarzt“, sagt die 37-Jährige – und das nicht nur wegen der Pille. Denn einmal im Jahr zahlen die Kassen die Untersuchung eines Abstrichs. Der zeigt, ob veränderte Zellen vorhanden sind, aus denen sich Krebs entwickeln kann.

Doch beim letzten Mal entdeckte Karin B. im Wartezimmer etwas Neues in der Liste der individuellen Gesundheits-Leistungen: den HPV-Test. „Erhöhen sie ihre persönliche Sicherheit!“, stand da. Kosten: etwa 50 Euro. Denn noch müssen Frauen die Untersuchung selbst bezahlen. Das könnte sich aber bald ändern: Experten arbeiten an einer Reform der Krebsvorsorge. Doch warum überhaupt ein neuer Test?

Neben Pap-Test jetzt auch HPV-Test?

Noch vor wenigen Jahren war die Vorsorge beim Frauenarzt einfach, zumindest was Tumore am Gebärmutterhals betraf. Einmal im Jahr zum Krebs-Abstrich – erledigt. Der Arzt entnimmt dazu mit einem Spatel eine Probe direkt vom Gebärmutterhals und untersucht sie unter dem Mikroskop. So kann er veränderte Zellen unterschiedlichen Grades erkennen, so genannte Dysplasien – und damit Vorstufen von Krebs. Die Untersuchung wird auch als Pap-Test bezeichnet.

„Der Test ist eine der effektivsten Methoden der Krebsvorsorge“, sagt Prof. Christian Dannecker, leitender Oberarzt an der Frauenklinik im Klinikum Großhadern. Doch jetzt hat der Krebs-Abstrich Konkurrenz: den HPV-Test.

Die Ursache von Gebärmutterhalskrebs ist, wie man heute weiß, fast immer eine chronische Infektion mit humanen Papillomviren, kurz HPV. Die Viren dringen in Zellen ein, verändern deren Erbgut und können so dazu führen, dass diese bösartig werden. Allerdings sind nicht alle HP-Viren, von denen es mehr als 150 verschiedene gibt, gleich gefährlich. Manche können zu Haut- oder Genitalwarzen führen, vor allem die Hochrisiko-Typen 16 und 18 aber auch zu Krebs. Vor ihnen kann man sich durch eine Impfung schützen. Für ältere Frauen kommt das aber kaum infrage.

HPV-Infektion kann zu Krebs führen

Doch auch für sie ändert die Erkenntnis, dass Viren hinter dem Krebs stecken, einiges. Denn das heißt: Nur bei einer HPV-Infektion besteht die Gefahr, dass sich Krebsvorstufen finden. „Wieso also nicht einfach nachsehen, ob das Virus da ist?“, fragt Dannecker. Ist der Test negativ, die Frau also nicht infiziert, braucht man nicht weiterzusuchen. Selbst wenn sie sich gleich nach dem Test infiziert und die Infektion dann chronisch wird, dauert es in der Regel Jahre, bis diese zu Krebs führt.

Doch was, wenn der Test positiv ist? „Kein Grund zur Panik!“, sagt Dannecker. Denn ein HPV-Test ist kein Krebs-Test. Er bedeutet auch nicht, dass die Frau irgendwann Krebs bekommt. Die meisten Menschen – etwa 80 Prozent der Frauen und 50 Prozent der Männer – machen in ihrem Leben mindestens eine Infektion durch. Meist heilt diese ohne Folgen aus. Dennoch ist ein positiver Test ein wichtiger Hinweis. Für den Gynäkologen bedeutet er: Er sollte beim Pap-Test noch genauer hinsehen. Für die Frau: Sie sollte die Vorsorgetermine sehr ernst nehmen. „In manchen Fällen lassen sich schon ein Jahr nach der Infektion hochgradig veränderte Zellen erkennen“, sagt Dannecker. Beim nächsten Termin kann der Arzt nachsehen, ob die Infektion ausgeheilt ist. Denn nur bei etwa zwei Prozent verläuft diese chronisch, das Virus nistet sich also dauerhaft im Körper ein. Und selbst dann entsteht nicht immer Krebs.

HPV-Test ist kein Krebs-Test

Doch eines steht fest: Kein Virus, kein Krebs. Sollte der HPV-Test den Pap-Test also als Standard-Vorsorge ablösen? Viele Frauenärzte sind strikt dagegen – aus verschiedenen Gründen. Der eine: Verunsicherung, zumal es keine Medikamente gegen die Infektion gibt. „Bei jüngeren Frauen ist HPV zudem fast ein Normalbefund“, sagt Dannecker. Testet man in Deutschland Frauen Mitte 20, sind aktuell fast ein Viertel infiziert. Sinnvoll sei der Test daher generell nur für Frauen ab 30. Denn bei den 30- bis 39-Jährigen sind nur noch sechs von 100 infiziert. Ein Grund: Sie leben eher in einer stabilen Partnerschaft – und HP-Viren werden sexuell übertragen.

Viele Gynäkologen haben aber auch Bedenken, sollte der Test bei über 30-Jährigen Standard werden. Denn im Kopf vieler Frauen ist fest gespeichert: Einmal im Jahr zum Abstrich! „Doch gibt es andere wichtige Gründe, warum sie regelmäßig zum Gynäkologen gehen sollten“, sagt Dannecker. Etwa zum Abtasten der Brust. Die Sorge der Ärzte: Kommen die Frauen nicht mehr wegen des Abstrichs, kommen sie gar nicht mehr – mit negativen Folgen für ihre Gesundheit. Andererseits weisen Studien darauf hin, dass ein zusätzlicher HPV-Test die Sicherheit für die Frauen erhöht. Zumal es auch beim Pap-Test eine Fehlerquote gibt. Viele Ärzte sind daher klar für eine Reform.

Dannecker versteht die Argumente beider Seiten. Doch ist auch er überzeugt: Der HPV-Test hat eine hohe Aussagekraft – und man sollte ihn daher in die Vorsorge miteinbeziehen. Bevor der gemeinsame Bundesausschuss eine Empfehlung ausspricht – die Kassen den Test also zahlen müssen – gibt es aber noch viel zu klären. Etwa, in welchen Intervall er sinnvoll ist. Oder, ob die Frauen zum Screening eingeladen werden. Bis dahin muss jede Frau selbst entscheiden, ob sie sich das Plus an Sicherheit leisten möchte.

Dannecker rät durchaus dazu. Sollte der Test Standard werden, darf er seiner Ansicht nach an einem aber nichts ändern: „Der Gynäkologe ist der Hausarzt der Frau“, sagt er. Und zu ihm sollte sie wenigstens ein Mal im Jahr gehen.

Der Experte

Im Zentrum Seite steht heute die Vorsorge-Untersuchung gegen Gebärmutterhalskrebs. Prof. Christian Dannecker ist leitender Oberarzt in der Frauenklinik des Klinikums Großhadern, Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er ist Spezialist für gynäkologische Krebserkrankungen und leitet eine spezielle Dysplasie- Sprechstunde (Anmeldung: 089/44007 6800).

Leserfragen an Prof. Dannecker: wissenschaft@merkur-online.de

Von Sonja Gibis

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