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Grafik Tinnitus

Betroffene können die Krankheit durch Training austricksen

Ein Generator hilft, den Tinnitus zu „vergessen“

Die Behandlung des akuten Tinnitus mit oder ohne einseitiger Hörstörung (Hörsturz oder endolymphatischer Hydrops) bestimmt die Art der Therapie.

Der Einsatz von Infusionsbehandlungen, Glucocorticoiden sowie intravenöser Gabe von Lokalanästhetika , und in seltenen Fällen die sogenannte Osmotherapie sowie die Verabreichung von Antioxidanten, verlangt alle diese medizinischen Interventionen, die den Tinnitus in der akuten Phase reduzieren oder beseitigen. Der HNO-Arzt entscheidet, ob diese Therapie ambulant oder stationär durchgeführt werden muss.

Ruhe, aber nicht Stille ist für den jeweiligen Patienten angesagt. Die Vermeidung von Stresssituationen, der Einsatz von Musiktherapien, und Körperwahrnehmungs-maßnahmen (unter anderem Autogenes Training, Muskelrelaxationstraining nach Jacobsen, Meditation), dienen unserem Aufmerksamkeit- und Achtsamkeitssystem als Unterstützer, um die Ablenkungsmanöver umzusetzen (man konzentriert sich nicht mehr auf den Tinnitus, sondern auf positiv gerichtete alltägliche Aufgaben). Durch Trainierbarkeit unseres Gehirns (Plastizität), sind wir in der Lage durch tägliches dauerhaftes „Hirntraining“, die Tinnituswahrnehmung im Unterbewusstsein unseres Gehirns zu positionieren, was im Endeffekt für uns eine Verringerung oder sogar eine Beseitigung der Tinnituslautheit (tinnitusfreie Zeitinterwalle werden sich verlängern) bedeutet.

Sollte der Tinnitus über drei Monate hinweg wahrgenommen werden, muss man das Therapeutenteam erweitern. Von HNO-ärztlicher Seite könnte man bei gleichzeitig vorliegender Innenohrschwerhörigkeit den Einsatz von Soundtherapie und die Anpassung von Hörgeräten oder Rauschgeneratoren (Tinnitusteilmasker) vornehmen. 17 Millionen Bürger sind schwerhörig und davon benötigen mindestens zwölf Millionen beidseitige Hörsystemanpassung, mit anschließenden Rehabilitationsmaßnahmen (etwa Hörtraining, Hörtaktik oder Hörmotivation). In unserer hervorragenden Gesundheitsinfrastruktur in Deutschland sind aber nur drei Millionen Betroffene mit zwei Hörgeräten versorgt. Über 70 Prozent schwerhörige Patienten, die Hörgeräte brauchen, sind nicht versorgt. Beim größten Teil dieser Patienten ist der Tinnitus als Symptom vordergründig. Den Einsatz von Hörgeräteakustikermeistern und HNO -Ärzten gibt dem Patienten die Möglichkeit, eine optimale Hörversorgung vorzunehmen. Über 90 Prozent der Patienten berichten, dass nach drei bis sechs Monaten nach dieser Versorgung eine deutliche Besserung bzw. Reduzierung der Tinnituswahrnehmung eintritt.

Normalhörigen Patienten empfehlen wir probatorisch Rauschgeneratoren (Tinnitusteilmasker) zu tragen, um den sogenannten Rekonditionierungseffekt des zentralen auditiven Zentrums zu unterstützen. In den meisten Fällen erzeugt dieser Generator ein Rauschen, welches als zusätzliche akustische Information vom Gehirn aufgenommen und interpretiert wird. Man sagt, der Tinnitus geht in „Vergessenheit“ über. Wird dieser Zustand über Monate trainiert, ist man in der Lage, den Tinnitus sozusagen „auszutricksen“, und man empfindet das Tinnitusleiden in einer deutlich reduzierten Form. Die sogenannte Tinnitus-Retraining-Therapie in Deutschland , die nach Empfehlung der Arbeitsgemein-schaft Deutschsprachiger Audiologen und Neurootologen (TRT/ADANO) durchgeführt wird beinhaltet drei Säulen.

- die erste Säule ist die Soundtherapie (Anpassung von Hörgeräten oder Rauschgeneratoren, Musiktherapie)

- die zweite Säule ist die Aufklärung und Beratung (Counselling), in dem wir den Patienten eine Einzel- oder Gruppentherapie anbieten und eine ganze Reihe praktischer Informationen über das Hörsystem und für Tinnitus-Ablenkungsmanöver und mehr liefern.

- Die klassische TRT , die aus den Vereinigten Staaten kommt, wird in europäischen Ländern mit der dritten Säule ergänzt. Es werden psychologische Betreuungen angeboten, die in den meisten Fällen als sogenannte störungsspezifische kognitive Verhaltenstherapie umgesetzt werden. Das Aufspüren und Verändern negativer Gedanken, das Erlernen selbstsicheren Verhaltens und das Trainieren sozialer Kompetenzen – das sind die wichtigsten psychotherapeutischen Einsätze.

Von Dr. Aleksander Winiarski

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