Google smart contact lens
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Smarte Google Kontaktlinse: Ein Chip in der Kontaktlinse soll den Blutzuckerspiegel von Diabetikern messen.

Hightech im Auge

Google entwickelt Kontaktlinsen für Diabetiker

Der US-Internetriese Google will Kontaktlinsen speziell für Diabetiker auf den Markt bringen. Mit der Linse können Diabetes-Patienten sehen und ihren Blutzuckerspiegel bestimmen.

Dazu soll die Kontaktlinse "den Zuckergehalt in der Tränenflüssigkeit messen", wie die Projektleiter Brian Otis und Babak Parviz am Donnerstag im Blog des Unternehmens berichteten. Funktionieren soll das über einen drahtlosen Chip und einen winzigen Glukosesensor, die zwischen zwei Schichten aus weichem Kontaktlinsen-Material eingebettet werden sollen.

Damit sich die Linsen auch als Frühwarnsystem nutzen lassen, wollen die Entwickler vom Forschungslabor Google X außerdem versuchen, winzige LED-Lichter einzubauen, die aufleuchten, wenn der Zuckerspiegel bestimmte Grenzwerte über- oder unterschreitet.

Hightech im Auge

Die Technologie stehe noch "ganz am Anfang", räumten die Entwickler ein. Prototypen wurden den Angaben zufolge aber schon in klinischen Studien getestet. Außerdem laufen bereits Gespräche mit der US-Arzneimittelbehörde FDA. Nun ist Google nach eigenen Angaben auf der Suche nach Partnern, "die sich mit der Markteinführung solcher Produkte auskennen". Angedacht ist auch die Entwicklung von Apps, über die Träger und Ärzte die Messwerte abrufen können.

"Wir haben immer gesagt, dass wir Projekte erforschen, die bahnbrechend sind oder vielleicht auch ein bisschen merkwürdig erscheinen", erklärten Otis und Parviz. In Zeiten, in denen der Internationale Diabetes Verband davor warne, dass die Welt den Kampf gegen die Krankheit verliere, sei Google der Meinung, dass das Kontaktlinsen-Projekt "einen Versuch wert ist".

Volkskrankheit Diabetes

Nach Angaben des Unternehmens leidet weltweit bereits einer von 19 Menschen an Diabetes. Die Krankheit kann zu Erblindung, Herzleiden oder Nierenversagen führen. Darum müssen Diabetiker regelmäßig ihren Blutzuckerspiegel kontrollieren. Bislang stechen sich die meisten dazu in den Finger, um den Wert mit einem Tropfen Blut zu testen.

Die intelligenten Kontaktlinsen sind für Google das jüngste Experimentierfeld, mit dem der Konzern sein ursprüngliches Suchmaschinengeschäft erweitern will. Bereits in diesem Jahr könnte die Datenbrille Google Glass auf den Markt kommen. Für den Kartendienst des Konzerns wurden zudem führerlose Fahrzeuge entwickelt. Und mit Ballons in der Stratosphäre will Google das Internet bald in die entferntesten Regionen der Erde tragen.

Die häufigsten Augenkrankheiten

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In Deutschland arbeiten Forscher an einem ähnlichen Projekt wie Googles Kontaktlinse für Diabetiker. Das Fraunhofer-Institut für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme (IMS) in Duisburg hat zusammen mit einer niederländischen Firma einen winzigen Biosensor für Glukose entwickelt.

„Die Konzentration von Blutzucker ist in der Tränenflüssigkeit etwa 50-mal geringer als im Blut“, erläuterte IMS-Geschäftsfeldleiter Tom Zimmermann. Zudem träten Änderungen dort mit sieben Minuten Zeitverzögerung auf. Dennoch funktioniere der Biosensor. Der Patient könne sich ihn selbst ins Auge legen, wo er eine Woche in der Tränenflüssigkeit schwimmen könne.

Der Sensor sende Daten auf ein Gerät „so groß wie ein kleines Handy“, das zugleich drahtlos Energie für die Messung liefere, ergänzte Zimmermann. In dem Biosensor wandele ein Enzym den Zucker Glukose unter anderem in Wasserstoffperoxid um. Der Sensor könne dieses messen, und die Daten weiterleiten. Ein Chip von 0,7 mal 10 Millimeter Größe enthalte das gesamte Diagnosesystem. Es gebe jedoch Einschränkungen: Menschen mit sehr trockenen oder gerade tränenden Augen sollten nicht messen.

Die Fraunhofer-Forscher arbeiten bei dem Projekt mit der niederländischen Firma Noviosense in Nijmegen zusammen. Das Gerät solle in zwei bis drei Jahren auf den Markt kommen, möglichst vor dem von Google, sagte Noviosense-Generaldirektor Christopher Wilson. Es gebe bereits erste kleine Versuche mit Menschen. „Wir sind froh über die Konkurrenz, denn dies zeigt, dass die Idee gut ist.“ Sie sei im Gemeinschaftsprojekt mit Fraunhofer-Institut entstanden.

AFP

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