Prof. Chris Lohmann
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Mit dem Laser - dem sogenannten Femtosesekundenlaser operiert Prof. Chris Lohmann.

Trüber Blick

Mit dem Laser gegen den grauen Star

Früher oder später trifft es jeden: Die Augenlinse wird im Alter immer trüber, die Welt verschwindet hinter einem Schleier. Den klaren Blick bringt nur eine Operation zurück.

Passen rote Strähnchen überhaupt zum Typ? Sollte man den Blondton vielleicht eine Spur heller wählen? Wenn Peter Roth seine Kunden berät, wird der Friseurmeister zum Künstler. Der 72-Jährige liebt seinen Beruf. „Ich habe den schönsten der Welt“, schwärmt er. Und er hat ein Auge dafür, welche Haarfarbe am besten zum Teint passt. Es geht um Nuancen – in Sachen Haaren ist Roth Perfektionist.

Lange Zeit verließ er sich für einen scharfen Blick auf eine Gleitsichtbrille – und kam gut damit zurecht. Dann passierte etwas Seltsames. „Ich brauchte plötzlich keine Brille mehr“, erzählt Roth. Bis heute konnte ihm kein Arzt erklären, wie das sein konnte. Damals habe er sich einfach darüber gefreut. Ein halbes Jahr lang, dann ließ seine Sehkraft rapide nach. Zum ersten Mal fiel ihm das bei einer nächtlichen Autofahrt auf: Die Scheinwerfer des Gegenverkehrs waren keine Punkte mehr. Sie hatten sich „in Christbäume verwandelt“. Als Roth geblendet in die verwaschenen Lichtflecken starrte, war ihm klar: Er musste dringend etwas unternehmen.

„Ich erkannte kaum noch die Gesichter meiner Kunden.“

Zunächst hoffte er noch, mit einer neuen Brille wäre die Sache erledigt. Doch sein Optiker schickte ihn gleich weiter zum Augenarzt. Denn auch bei Tageslicht war Roths Blick längst nicht mehr so klar wie früher. Alles schien wie in einen Schleier gehüllt. Der war erst zart, wurde mit der Zeit aber immer dichter, später sogar milchig trüb. Das Arbeiten fiel dem Friseurmeister immer schwerer. Seine Augen ermüdeten schnell. „Irgendwann habe ich die Gesichter meiner Kunden nicht mehr erkannt, wenn sie weiter als vier, fünf Meter weg waren“, erzählt Roth.

Auf Empfehlung eines Bekannten wandte er sich an Prof. Chris Lohmann, Chefarzt der Augenklinik im Klinikum rechts der Isar in München. Für den war schnell klar: Sein Patient litt an einem grauem Star. Die Symptome – der Nebelschleier, das unscharfe Sehen, die Blendempfindlichkeit – hatten bereits darauf hingedeutet. Eine Untersuchung mit der Spaltlampe bestätigte den Verdacht. Um wieder klar sehen zu können, gibt es nur einen Weg, erfuhr Roth: eine Operation, bei der die trübe Linse entfernt und durch eine künstliche ersetzt wird.

Der Eingriff ist in der Augenmedizin Routine. Jährlich wird er mehr als 600.000 Mal in Deutschland durchgeführt – meist mit Erfolg. Mehr als 95 Prozent der Patienten können danach wieder gut sehen. Nur eins funktioniert mit einer künstlichen Linse nicht: Das Auge kann deren Form nicht mehr anpassen, um sie auf Nahsicht oder den Blick in die Ferne einzustellen (Akkomodation). Der Patient muss sich daher vor dem Eingriff entscheiden, ob er lieber nah gut sehen will, dafür eine Brille für die Fernsicht wählt – oder umgekehrt. Als Alternative gibt es Sonderlinsen, die ähnlich einer Gleitsichtbrille funktionieren. Auch Roth entschied sich für eine solche multifokale Speziallinse.

Nach der Operation: „Alles war plötzlich wieder so klar.“

Doch gerade bei diesem Linsentyp komme es darauf an, dass sie genau mittig im Auge platziert wird, erklärt Lohmann. Das braucht viel Erfahrung und die Fingerfertigkeit des Operateurs. Denn um die Kunstlinse später präzise einsetzen zu können, muss er sehr genau arbeiten, wenn er die Linsenkapsel mit dem Skalpell öffnet. So nennt man die Hülle der natürlichen Linse, die später auch dem künstlichem Ersatz Halt geben soll.

Doch auch der beste Operateur schneidet nicht perfekt und bei jedem Eingriff gleich gut. Anders ist das mit einem Helfer, der in der Augenheilkunde bislang vor allem zur Korrektur von Fehlsichtigkeiten genutzt worden ist: Wer seine Brille loswerden will, dem hilft oft eine Operation mit dem Laser. Zum Einsatz kommt dabei häufig ein so genannter Femtosekundenlaser. Dank extrem kurzer Lichtimpulse arbeitet er besonders genau. Damit lässt sich nicht nur die Hornhaut Fehlsichtiger korrigieren. Die hochpräzisen Schnitte, die damit möglich sind, machten ihn auch zur Behandlung des grauen Stars interessant. Denn damit lässt sich der Schnitt in der Linsenkapsel viel genauer führen als es von Hand möglich ist. „Er ist perfekt kreisförmig“, sagt Lohmann. Ist der Laser erst einmal richtig eingestellt, übernimmt er diesen Schritt automatisch.

Seit etwa eineinhalb Jahren operiert Lohmann beim grauem Star nun schon per Femtosekundenlaser. Etwa 700 Patienten hat er damit bislang behandelt. Gerne würde er das Verfahren allen seiner Patienten anbieten. Doch die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten dafür bisher noch nicht. Peter Roth hatte das Glück, privatversichert zu sein. Doch auch er musste einen Teil selbst bezahlen. Er entschied sich dennoch für das Verfahren. „Wir haben ja schließlich nur zwei Augen“, sagt er. Und dass er ja auch für gute Brillen schon eine Menge Geld habe ausgeben müssen.

Der graue Star ist eine Alterserscheinung

Der Eingriff dauert kaum zehn Minuten. Genau wie bei der Operation per Skalpell ist der Patient dabei bei vollem Bewusstsein. Doch hat er keine Schmerzen, weil das Auge vor dem Lasereingriff mit Tropfen betäubt wird. Er habe auf einem bequemen Spezialstuhl Platz nehmen müssen, erzählt Peter Roth. Dann wurde sein Kopf fixiert. Ein Saugring auf dem rechten Auge hielt dieses in der richtigen Position. Dieser ist auch wichtig, um den Laser genau ausrichten zu können.

Nach dem Öffnen der Linsenkapsel wird die trübe Linse mit Hilfe von Ultraschall zertrümmert und abgesaugt – wie beim konventionellen Verfahren. Doch ist dafür meist weniger Energie nötig: Der Laser hilft auch bei diesem Schritt. Vor dem Moment, in dem die alte Linse entfernt ist, hatte Roth dann doch ein wenig Angst. Es war die Vorstellung, kurz nichts sehen zu können, die ihn beunruhigte. Doch ersetzt der Operateur die trübe Linse schnell durch eine künstliche aus Acryl. Diese lässt sich zusammenfalten und damit leicht einsetzen. Haken an beiden Seiten verankern sie fest im Auge.

Gleich nach dem Eingriff konnte Peter Roth bereits wieder sehen. Doch musste er zunächst noch eine durchsichtige Schutzklappe tragen. „Damit man nicht am Auge reibt“, sagt Roth. Denn das könnte zu einer Infektion führen. Um eine solche zu verhindern, musste er zudem drei Tage lang antibiotische Augentropfen anwenden. Schon am dritten Tag stand Roth dabei wieder in seinem Laden – und freute sich, dass er endlich wieder normal sehen konnte. Erst nur rechts, zwei Wochen später nach dem zweiten Eingriff auch auf dem linken Auge.

Auch an die Speziallinsen gewöhnte er sich schnell. Zumal er schon zuvor Gleitsichtgläser getragen hatte. Roth erinnert sich noch genau an das Gefühl, als er zum ersten Mal nach dem Eingriff in seinem Laden stand und wieder richtig sehen konnte. Die Gesichter seiner Kunden und Mitarbeiter, feinste Nuancen bei den Haarfarben, den Blumenladen gegenüber. „Alles war wieder so klar.“

Stichwort: die Katarakt

Der Blick ist getrübt, die Welt scheint hinter einer Wand aus herabstürzendem Wasser zu verschwinden: Katarakt nannten die alten Griechen eine Augenerkrankung, die zu den beschriebenen Symptomen führt.

Im Altgriechischen bedeutet das so viel wie „herabstürzen“. Tatsächlich stellte man sich vor, es würden Substanzen im Auge herabfließen – und so zu der Krankheit führen, die vielen unter dem Namen „grauer Star“ geläufiger sein dürfte. Auch diese Bezeichnung geht auf ein typisches Symptom zurück. Ob es der starre Blick war, die Patienten im fortgeschrittenen Stadium haben oder vielleicht doch die dann erstarrte Linse, ist allerdings unklar. Fakt ist: Bei den meisten Menschen beginnt sich die Linse mit fortgeschrittenen Jahren zu trüben – der graue Star ist eine Alterserscheinung. Die versuchte man schon im Altertum zu behandeln. Erste Hinweise darauf stammen aus Babylon und sind etwa 4000 Jahre alt. Im Mittelalter war der so genannte Starstich Aufgabe fahrender Wundärzte. Mit einer Nadel stachen sie in den Augapfel und drückten die trübe Linse nach unten. So gelangte wieder Licht ins Auge und die Patienten konnten wieder ein wenig sehen. Vorausgesetzt es kam nicht zu einer Infektion, die nicht selten zum Erblinden führte.

Der Experte

Prof. Chris Lohmann ist Chefarzt der Augenklinik des Klinikums rechts der Isar, Technische Universität München.

Die häufigsten Augenkrankheiten

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Andrea Eppner

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