Die aktuell zirkulierende B-Linie des Grippevirus ist in den am weitesten verbreiteten Dreifachimpfstoffen nicht enthalten. 
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Die aktuell zirkulierende B-Linie des Grippevirus ist in den am weitesten verbreiteten Dreifachimpfstoffen nicht enthalten. 

Virenalarm

Grippewelle trifft bisher eher Erwachsene stark

Ziemlich heftig fiel die Grippesaison im Vorjahr aus. Typisch für die Jahreszeit häufen sich die Fälle jetzt wieder. Untypisch ist dagegen die Patientengruppe, die jetzt mit schwerer Grippe flach liegt.

Berlin - Die aktuelle Grippewelle trifft Menschen mittlerer Altersgruppen häufiger und schwerer als in den Vorjahren. Ursache sei wohl die aktuelle deutliche Dominanz des erst seit 2009 zirkulierenden Virus A(H1N1)pdm09, sagte die Influenzaexpertin des Robert Koch-Instituts (RKI) Silke Buda.

"Das Virus scheint auch bei jüngeren Erwachsenen und Personen ohne chronische Vorerkrankung mehr schwere Krankheitsverläufe zu verursachen als das A(H3N2)-Virus, das im Vorjahr verbreitet war." Schwere Verläufe seien dennoch relativ selten und der Impfstoff passe bisher, so Buda. Ärzte müssten Patienten zwischen 15 und 59 nun verstärkt im Fokus haben. Auch international sei vermehrt von schweren Influenza-Fällen auf Intensivstationen berichtet worden, sagte Buda. In den näher bestimmten Fällen habe es sich vor allem um das H1N1-Virus gehandelt, das vielen noch unter dem Namen Schweinegrippe bekannt sein dürfte. Fachleute halten den Begriff jedoch für irreführend: "Es hört sich so an, als handle es sich um ein Virus, das auch bei Schweinen zirkuliert", sagte Buda. Das sei aber nicht der Fall bei der Kombination, die beim Menschen 2009 die Pandemie auslöste. H1N1 wird genauso übertragen wie andere Viren: durch Tröpfchen beim Niesen oder Sprechen zum Beispiel.

Auch wenn das H1N1-Virus für das Immunsystem des Menschen noch relativ neu ist, so betonte Buda, dass es auch in den Vorjahren stets kursierte. In der Saison 2014/2015 etwa lag der Anteil an den Influenza-Infektionen bei 15 Prozent. In dieser Saison sind es bisher 70 Prozent. Das muss aber nicht so bleiben, wie Buda erläuterte. Möglicherweise verbreite sich die Influenza vom Typ B noch stärker, die bisher etwa 23 Prozent der Fälle ausmacht. "Bei Influenza B ist es häufig so, dass der Anteil im Verlauf der Saison noch ansteigt."

Ob das so ist, wollen Experten auch wegen der Passgenauigkeit der Grippe-Impfstoffe im Auge behalten: Denn die aktuell zirkulierende B-Linie ist in den am weitesten verbreiteten Dreifachimpfstoffen nicht enthalten. Diese B-Linie sei aber auch "nicht brandneu" für die Bevölkerung, sagte Buda. Um etwas über die Wirksamkeit des Impfstoffs zu sagen, müssten Studien abgewartet werden. Knapp 2400 labordiagnostisch bestätigte Fälle von Influenza sind dem RKI in der ersten Februarwoche übermittelt worden, rund 7300 sind es seit Oktober 2015. Die Meldedaten spiegeln nur einen Bruchteil des tatsächlichen Geschehens wieder, weil nicht alle Patienten mit Grippesymptomen auf Influenza getestet werden. Influenza beginnt meist abrupt mit Kopf- und Gliederschmerzen oder Fieber, bevor Halsschmerzen oder Husten einsetzen. Die Viren, die Influenza beim Menschen auslösen, verändern sich genetisch von Saison zu Saison.

Die vor allem 2008 fast schon panisch gefürchteteSchweinegrippe erwies sich letztlich als weit harmloser als zunächstangenommen. Anfang 2011 teilte der Gesundheitsausschuss desEuropäischen Parlaments mit, dass die Schweinegrippe in der Saison2009/2010 europaweit rund 2900 Tote gefordert habe. Bei einermoderaten Saison der normalen Influenza seien es 40 000 Tote.

Das H1N1-Virus hatte sich 2008 zunächst in Mexiko und in den USArasant ausgebreitet. Im Juni 2009 folgte eine Einstufung durch dieWeltgesundheitsorganisation als globale Pandemie mit dem höchstenGefahrenniveau sechs. Im Nachhinein wurde dies von vielen Expertenals voreilige Überreaktion kritisiert. Nach der ersten großen Welle wurde es still um die Schweinegrippe.Dabei grassiert die Influenzaform, inzwischen auch Neue Grippegenannt, weiter. Die Grippeimpfstoffe der vergangenen Jahreenthielten in Deutschland immer auch eine Komponente gegen H1N1.

dpa

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