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Glatze als Markenzeichen: Der US-Schauspieler Telly Savalas wurde in der Rolle des glatzköpfigen Polizisten "Kojak", der stets einen Lolli lutscht, in der gleichnamigen US-Krimiserie weltweit bekannt (Archivfoto 1975).

Tipps vom Hautarzt

Was hilft bei Haarausfall?

Sie versprechen Fülle, schüttere Stellen und Geheimratsecken sollen verschwinden: Das Angebot an Shampoos, Tinkturen und Pillen gegen Haarausfall ist riesig.

Doch Betroffene sollten misstrauisch sein. Manche Mittel bringen gar nichts, andere helfen nur bei einer bestimmten Form des Haarausfalls. Entscheidend ist daher die Diagnose, die jeder Dermatologe stellen kann.

Es gibt zudem Hautärzte, die die „Trichologie“ zu ihren Schwerpunkten zählen, also besonders viel Erfahrung mit der Behandlung von Haarproblemen haben. Grundsätzlich unterscheide der Arzt zunächst zwischen zwei Arten des Haarausfalls, erklärt Prof. Hans Wolff, Haarexperte am Klinikum der Universität München. Haben sich haarlose Stellen gebildet, spricht man von Alopezie. Fallen insgesamt mehr Haare aus, wird das Kopfhaar also dünner, nennt der Arzt dies Effluvium.

Bei einer Trichodermatoskopie untersucht der Arzt Haare und Kopfhaut mit dem Auflichtmikroskop. Seltener ist ein Trichogramm nötig. Dazu werden an mehreren Stellen Haare ausgerissen. Die Haarwurzeln untersucht der Arzt unter dem Mikroskop. Eventuell wird er auch eine Blutuntersuchung anordnen. So lässt sich klären, ob etwa Eisenmangel oder eine Schildrüsenerkrankung Ursache des Haarausfalls ist.

Diagnose: Diffuser Haarausfall

Zu den häufigsten Formen zählen der diffuse Haarausfall (Effluvium und diffuse Alopezie), der so genannte kreisrunde Haarausfall Alopecia areata und der androgenetische Haarausfall, der erblich bedingt ist.

Doch kann der Haarausfall auch vorübergehend auftreten, etwa als Reaktion auf eine Infektion, Heparinspritzen oder die hormonelle Umstellung bei Schwangerschaft und Geburt. Dann gehen ungewöhnlich viele Haare zugleich in die Ruhephase über und fallen etwa zwei bis vier Monate später aus. Das Problem reguliert sich dann fast immer von selbst. Auch nach einer aggressiven Chemotherapie, bei der Patienten oft schon nach wenigen Wochen die Haare verlieren, wachsen diese in der Regel nach dem Behandlungsende wieder nach.

Hatten die Eltern schon Haarausfall?

Hatten indes bereits die Eltern früh Probleme mit Haarausfall, sollten Patienten zeitig zum Arzt gehen, wenn sie nicht noch mehr Haare verlieren wollen. Ursache ist meist androgenetischer Haarausfall, dessen Fortschreiten sich oft stoppen lässt. Bei Männern zeigt er sich meist in Geheimratsecken und Glatzenbildung. „Bei Frauen wird meist der Mittelscheitel breiter“, sagt Haarexperte Wolff. „Die Haare dünnen bei ihnen zudem generell aus.“

Hormone lassen Haarfollikel schrumpfen

Schuld an der androgenetischen Alopezie ist ein Zusammenspiel von Genen und männlichen Geschlechtshormonen, den Androgenen. Die Gene bewirken, dass Haarfollikel empfindlicher auf Androgene reagieren. Die Hormone lassen sie schrumpfen – die Haare fallen aus.

Männer haben dann die Wahl zwischen zwei Medikamenten. So hemmen Tabletten mit dem Wirkstoff Finasterid die Umwandlung des Hormons Testosteron in das am Haarfollikel wirksame Dihydrotestosteron (DHT). Zudem gibt es Haarwässer und Haarschäume mit dem Wirkstoff Minoxidil (fünfprozentig), der unter anderem die Durchblutung der Haarpapille verstärkt. Dieser kommt auch bei Frauen, meist in geringerer Dosis, zum Einsatz. Finasterid ist bei ihnen indes wirkungslos.

Wichtig zu wissen: Beide Mittel wirken nur, so lange sie angewendet werden. Zudem müssen Betroffene diese Medikamente selbst bezahlen. Ihre Wirksamkeit sei jedoch in Studien belegt, sagt Wolff. Bei etwa der Hälfte der Behandelten war demnach eine Verdichtung der Haare zu sehen.

Anders sei das jedoch mit Nahrungsergänzungsmitteln wie Biotin oder Kieselerde. „Sie werden viel angeboten, ich halte sie aber für unwirksam“ sagt Wolff.

Alptraum Glatze?

Hat sich bereits eine Glatze gebildet oder leiden Patienten an Formen des Haarausfalls, bei denen die Haarwurzeln absterben, kann eine Haartransplantation helfen. Die ist jedoch aufwändig und teuer.

Bilden sich haarlose Stellen und ist die Kopfhaut schuppig und gerötet, ist es doppelt wichtig, zum Dermatologen zu gehen. Denn dahinter können verschiedene Hauterkrankungen stecken. Bei Kindern ist es nicht selten eine Pilzerkrankung, die unbedingt behandelt werden sollte. Sie steckten sich oft bei Katzen, Meerschweinchen oder auch mal beim Streicheln eines Kälbchens an, sagt Wolff.

Andrea Eppner

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