Moulage von einem weiblichen Fuß mit Schiefstand des großen Zehs (Hallux valgus)
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Moulage von einem weiblichen Fuß mit Schiefstand des großen Zehs (Hallux valgus).

Hallux valgus: Operation Ballenzeh

Viele Frauen kennen das Problem: Die große Zehe kippt immer mehr zur Seite. Der Ballen tritt hervor und reibt bei jedem Schritt am Schuh. Wenn ein solcher Ballenzeh zu Schmerzen und Entzündungen führt, hilft meist nur eine Operation.

Noch stecken ihre Füße in bequemen Winterstiefeln. Doch das soll sich bald ändern: Hannelore Reiter, 73, will endlich auch mal wieder hohe Schuhe tragen. Das war ihr lange unmöglich. Schuld daran war nicht nur das Wetter, sondern ihr rechter Fuß: Der große Zeh war immer weiter nach rechts gekippt. Der Ballen wurde nach außen gedrückt, der Fuß vorne breiter. Zuletzt passte er nur noch in Sandalen. Und selbst mit denen konnte Hannelore Reiter nicht mehr schmerzfrei gehen: Der Riemen scheuerte auf dem roten, entzündeten Ballen.

„Ich habe nie hohe Schuhe getragen“

Hallux valgus nennen Mediziner diese häufige Fehlstellung des Fußes. Vielen Laien ist sie als Ballenzeh besser bekannt – und vor allem Frauen auch aus schmerzhafter Erfahrung. Sie sind besonders oft betroffen. Das liegt nicht nur daran, dass viele wie Hannelore Reiter eine Vorliebe für schicke, aber oft nicht fußfreundliche Schuhe haben. Auch ihr Bindegewebe ist schwächer, Sehnen im Fuß halten Belastungen schlechter stand, geben also leichter nach. Dann kann sich das Fußlängsgewölbe absenken. Erst entsteht ein Spreizfuß, später manchmal ein Hallux valgus. Hohe, spitze und enge Schuhe begünstigen diesen.

„Ich habe nie hohe Schuhe getragen“, sagt indes Jutta Weber. Daheim läuft die 50-Jährige am liebsten barfuß herum, ist zudem sportlich und schlank – alles Faktoren, die der Entstehung eines Hallux valgus entgegenwirken. Dennoch wurde Jutta Weber kürzlich zum zweiten Mal operiert. Diesmal am linken Fuß, der erste Eingriff am rechten liegt bereits zehn Jahre zurück. Schon ihre Mutter und Großmutter quälten sich mit einem Ballenzeh, bei beiden Töchtern sind bereits Anzeichen zu sehen. Die Anlage zum Hallux valgus – bei Jutta Weber liegt sie offenbar in der Familie. Doch auch bei Hannelore Reiter waren schon Mutter und Großmutter betroffen.

Dass die Veranlagung beim Hallux valgus eine große Rolle spielt, bestätigt auch Dr. Guido Köhne. Er ist niedergelassener Orthopäde und praktiziert in zwei Praxen in Pullach und Geretsried. Fußchirurgie ist eines seiner Spezialgebiete. Auch Jutta Weber und Hannelore Reiter hat er bereits operiert. Werden die Beschwerden zu stark, entscheiden sich die meisten Patienten mit einem Hallux valgus irgendwann für einen Eingriff: Dann schmerzt der Fuß oft, selbst wenn er nicht belastet wird. Mechanische Hilfsmittel lindern die Beschwerden kaum mehr.

Auch Hannelore Reiter hat einige ausprobiert. „Ich habe im Internet nach Hilfsmitteln gesucht“, erzählt sie. Doch weder Einlagen, eine Schiene für die Nacht noch ein Zehenspreizer waren eine echte Hilfe. „Nichts hat was gebracht“, sagt sie. Heute ärgert sie sich, dass sie sich nicht früher zur OP entschlossen hat.

Denn Orthopäde Köhne hat ihren großen Zeh wieder gerade gerichtet. Nur eine fingerlange Narbe erinnert noch an den Eingriff. „Alles ist wieder wie vorher“, sagt Hannelore Reiter. Sie ist heute zur Kontrolle in die Praxis gekommen und streckt ihrem Arzt den operierten Fuß entgegen. Der prüft vorsichtig den Zeh. „Das Gelenk ist gut beweglich“, sagt er zufrieden.

Schon vor dem Eingriff hat er den Fuß seiner Patientin auch mit den Händen untersucht. Allein durch Ertasten und Bewegen erfährt er bereits viel über das Ausmaß der Probleme. Zum Beispiel darüber, ob zum Ballenzeh eine Arthrose im Zehengrundgelenk kommt. Bei Betroffenen hat sich die Knorpelschicht, welche die Knochenenden überzieht und schützt, stark abgenutzt. Das Gelenk lässt sich kaum oder nur noch unter Schmerzen bewegen, ist oft entzündet und heiß.

Das richtige Verfahren entscheidet über den OP-Erfolg

Sichtbar wird eine Arthrose auch auf Röntgenbildern: Der Gelenkspalt ist dann viel schmäler. Solche Aufnahmen sind für die Planung einer Hallux valgus-Operation zudem unerlässlich, um die Fehlstellung der Knochen exakt zu erkennen. So kann Köhne schon am Bildschirm genau planen, wie er diese später zurechtrücken wird.

Denn ob Patienten später so zufrieden sind wie Hannelore Reiter und Jutta Weber – darüber entscheidet nicht nur die Erfahrung und Sorgfalt des Operateurs, sondern auch die Wahl des richtigen Verfahrens. Dabei muss Köhne viele Faktoren berücksichtigen, etwa, wie stark ausgeprägt der Hallux valgus ist. Doch: „Man darf nicht nur diesen behandeln.“ Wichtig sei es, den ganzen Fuß im zu Blick haben. Dessen Form ist bei jedem Patienten ein wenig anders.

Nicht selten muss Köhne verschiedene Verfahren kombinieren. Zum Hallux valgus kommen oft weitere Fehlstellungen oder eben eine Arthrose. Jutta Weber etwa plagte sich auch mit einem Schneiderballen. Dabei ist der Ballen am kleinen Zeh verdickt.

An einem Modell zeigt Dr. Guido Köhne, welche Knochen sich im Fuß von Jutta Weber verschoben hatten.

Doch auch beim großen Zeh war die Sache bei ihr etwas komplizierter: Es reichte nicht, wie bei Hannelore Reiter das Köpfchen des ersten Mittelfußknochens zurechtzuschieben und mit Schrauben zu fixieren. Köhne stellte auch eine Instabilität an der Basis des Mittelfußgelenks fest, das bei ihr eine wesentliche Ursache des Ballenzehs war. Um die große Zehe gerade zu richten, musste Köhne auch den ersten Mittelfußknochen begradigen. Dazu entnahm er einen Knochenkeil nahe des ersten Mittelfußgelenks und fixierte den Knochen mit Schrauben und Platten. Das Gelenk wurde zudem versteift. „Die Beweglichkeit ändert sich dadurch nicht“, beruhigt Köhne. Das erste Mittelfußgelenk ist vor allem für die Stabilität wichtig. Die Methode erlaubt es also, die Hallux valgus-Fehlstellung zu korrigieren, ohne die Stabilität des Fußes unter Belastung zu beeinträchtigen.

Viele Patienten warten lange mit der Operation

Auch Jutta Weber fragt sich heute, warum sie so lange mit der OP gewartet hat. Zwei Jahre lang habe sie sich schon mit Schmerzen geplagt, schob den Eingriff vor sich her. Immerhin bedeutet der auch eine längere Pause im Beruf. Zwar müssen die Patienten in der Regel nur wenige Tage in der Klinik bleiben. Doch müssen sie mehrere Wochen für die Rehabilitation einplanen. So durfte Jutta Weber ihren Fuß danach nicht sofort wieder belasten, musste zunächst mit Krücken gehen. Die Patienten müssen oft in den ersten Wochen einen Verbandschuh oder einen Walker tragen. Die Schiene sieht ähnlich aus wie ein Skischuh und entlastet den Vorfuß beim Gehen.

Heute kann Jutta Weber längst wieder in normale Schuhe schlüpfen. Weil sie im Beruf viel auf den Beinen ist, startete sie zunächst mit wenigen Stunden. Auch Hannelore Reiter ist froh, den klobigen Therapieschuh los zu sein. Vor allem aber, dass sie ihre Schuhe nicht mehr danach aussuchen muss, ob ihr Ballenzeh darin Platz hat.

Der Experte

Der Orthopäde Dr. Guido Köhne hat sich unter anderem auf die Fußchirurgie spezialisiert. Er ist als niedergelassener Arzt in einer Praxis in Pullach und in Geretsried tätig (www.orthopaedie-pullach.de, Kontakt unter Tel. 0 89/4 53 53 60).

Von Andrea Eppner

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