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Patienten mit Hepatitis C sollten sich regelmäßig untersuchen lassen, rät Prof. Alexander Gerbes. Nur dann können Folgen wie der Lebertumor, den die CT-Aufnahme zeigt, rechtzeitig behandelt werden.

Revolution in der Therapie von Hepatitis C

Für Patienten, die an Hepatitis C leiden, gibt es neue Hoffnung: Ist die Zerstörung der Leber bereits fortgeschritten, kommen seit kurzem neue Wirkstoffe zum Einsatz.

Doris M. ist schwer leberkrank. Viren haben das Hauptentgiftungsorgan ihres Körpers befallen und zerstören es langsam. Die 41-Jährige leidet an chronischer Hepatitis C. Um die Entzündung zu bekämpfen, nahm sie fast ein Jahr lang Medikamente. Doris M. fühlte sich krank, litt unter Depressionen – Nebenwirkungen der starken Mittel. Doch schien sich das Leiden zu lohnen: Danach waren die Viren verschwunden, allerdings nur für wenige Monate. Dann flammte die Infektion wieder auf. Untersuchungen zeigten schließlich eine fortgeschrittene Fibrose: Die Infektion hatte bereits einen großen Teil ihrer Leber zerstört.

„Noch vor kurzem hätten wir kaum mehr eine Möglichkeit gehabt zu behandeln“, sagt Prof. Alexander Gerbes, Leiter des Leber Centrums München® und stellvertretender Klinikdirektor der Medizinischen Klinik II am Uniklinikum Großhadern. Doch jetzt hat Doris M. eine gute Chance, dass die Krankheit doch noch zum Stillstand kommt. Neue Mittel wirken gezielt auf das Virus. In Kombination können sie die Infektion heilen – auch wenn sie schon viele Jahre besteht. „Es ist eine Revolution in der Therapie“, sagt Gerbes.

Behandelt wird nur bei fortgeschrittenem Leberschaden

Die neuen Mittel sind dabei nicht der erste große Fortschritt in der Behandlung von Hepatitis C: Noch Mitte der 90er-Jahre hatte man als Waffe nur Interferon. Nur jeder Zehnte wurde geheilt. Die Kombination mit Ribavirin konnte dann bereits mehr als jedem Zweiten helfen. Bei der Triple-Therapie nahm man vor etwa zwei Jahren erstmals ein drittes Medikament hinzu. Das verbesserte die Heilungschancen weiter, erhöhte aber auch die Nebenwirkungen. Seit kurzem ist nun erstmals in Deutschland eine Therapie ohne Interferon zugelassen. „Sofosbuvir ist ein Durchbruch“, sagt Gerbes. Das Medikament hemmt die Vermehrung des Virus. In Kombination mit dem antiviralen Medikament Ribavirin kann es die Infektion in über 90 Prozent der Fälle stoppen. Statt bis zu einem Jahr dauert die Therapie nur 24 Wochen – mit geringen Nebenwirkungen.

Zum Einsatz kommen die neuen Mittel bislang allerdings nur, wenn andere versagt haben und die Krankheit zudem weit fortgeschritten ist. Denn: Die Behandlung ist extrem kostspielig.

Hauptentgiftungsorgan des menschlichen Körpers: die Leber

Doch gibt es noch weitere Entwicklungen, die hoffen lassen: Einige neue Medikamente liefern in Studien bereits exzellente Ergebnisse – und das teils bei einer Gabe über nur zwölf Wochen. In wenigen Jahren könnte Hepatitis C eine heilbare Erkrankung sein – für nahezu alle Betroffenen. In Deutschland sind das schätzungsweise bis zu 800.000 Menschen. Etwa 8000 Sterben jährlich daran.

Angesteckt haben sich viele bereits zu einer Zeit, als Hepatitis C noch nicht einmal einen eigenen Namen hatte. „Man sprach von Hepatitis non-A non-B“, sagt Gerbes. Denn klar war nur: Hinter der Leberentzündung, die in den meisten Fällen chronisch verlief, steckte keiner der beiden bekannten Erreger. Erst im Jahr 1989 identifizierte man das Virus – und nannte es Hepatitis C. Schnell entwickelte man Tests. Eine wirksame Therapie hatte man zunächst aber noch nicht.

Hepatitis C Gefahr durch Tattoos und Piercings

Übertragen werden die Viren dabei vor allem durch Blut. Viele denken: Das betrifft doch nur Drogensüchtige! Doch kann die Krankheit jeden treffen. Vermutlich wird das Virus auch durch schlecht gereinigte Instrumente beim Stechen von Piercings oder Tätowierungen übertragen, selten wohl auch durch Sexualverkehr. „Bei etwa 20 Prozent der Betroffenen lässt sich nicht klären, wie sie sich infiziert haben“, sagt Gerbes. Nicht wenige haben sich zudem bei einer Bluttransfusion angesteckt – wie etwa Doris M. Sie war kaum ein Jahr alt, als sie das Blut eines Spenders bekam. Was die Ärzte nicht wussten: Darin steckten auch die Erreger von Hepatitis C.

Ultraschall zeigt, wie stark die Leber schon verhärtet ist

„Heute wäre das in Deutschland nicht mehr möglich“, beruhigt Gerbes. Alle Blutspenden werden auf die Erreger untersucht. Ein Risiko, das Virus in sich zu tragen, haben allerdings Menschen, die vor 1991 Bluttransfusionen erhalten haben – oder häufig operiert wurden. Experten raten den Betroffenen daher, sich testen zu lassen.

Denn viele Infizierte wissen nichts von ihrer Erkrankung, da sich eine Hepatitis C-Infektion zunächst meist kaum bemerkbar macht. Die typischen Hepatitis-Beschwerden wie Übelkeit, Durchfall, Bauchschmerzen sowie gelbliche Haut und Augen bleiben daher aus. Manche Patienten fühlen sich etwas müde und schlapp – und vermuten einen grippalen Infekt, den sie rasch vergessen haben. Die Diagnose ist dann oft ein Zufallsbefund, etwa bei einer Routineuntersuchung oder einer OP-Vorbereitung.

Symptome einer Lebererkrankung

Bei anderen kommt es irgendwann doch zu den typischen Symptomen einer Lebererkrankung. „Das ist ein schlechtes Zeichen“, sagt Gerbes. Denn es bedeutet: Die Schädigung der Leber ist unbemerkt weit fortgeschritten.

Denn im Gegensatz zu Hepatitis A heilt Hepatitis C meist nicht aus, sondern zerstört langsam die Leber. Oft erst nach Jahren entwickelt sich eine Fibrose – das Lebergewebe verhärtet. Im Endstadium spricht man von einer Zirrhose. Die weiche Leber hat sich in narbiges Bindegewebe umgewandelt. Meist ist nicht nur die Funktion der Leber eingeschränkt, sondern es kommt zu einem Bündel von Beschwerden. So bilden sich oft Krampfadern in Bauch und Speiseröhre, da das Blut nicht mehr gut durch die verhärtete Leber fließen kann. Im Bauch sammelt sich häufig Wasser. Die einzige Behandlungsmöglichkeit ist dann oft nur eine Transplantation. Aber Spenderorgane sind rar. Zudem erkranken die Patienten oft an Leberkrebs.

Eine rechtzeitige Therapie kann dies meist verhindern: Standard ist im Augenblick noch die Behandlung mit Interferon, das die Immunabwehr des Körpers verstärkt, in Kombination mit dem Virostatikum Ribavirin, das die Vermehrung des Virus hemmt. Doch vor allem Interferon führt teils zu heftigen Nebenwirkungen. Die Patienten fühlen sich, als hätten sie eine Grippe. Sie haben Fieber, das Blutbild verschlechtert sich. Die Haut juckt, Depressionen können hinzukommen. Manchmal müssen die Patienten die Therapie sogar abbrechen. „Schlägt die Therapie nicht an oder verträgt der Patient kein Interferon, muss man ihn sorgfältig überwachen“, sagt Gerbes. Mit einem speziellen Ultraschall, dem Fibroscan, lässt sich der Grad der Verhärtung messen – und so erkennen, wenn sich der Zustand der Leber deutlich verschlechtert.

Heute kann man selbst dann noch eingreifen – wie bei Doris M. Sie erhält seit kurzem die interferonfreie Therapie. Geht alles gut, wird nach 24 Wochen das Virus verschwunden sein – und nicht mehr zurückkehren. Ihre Leber wird nicht weiter geschädigt – und kann sich vielleicht sogar wieder etwas erholen.

Experte

Prof. Alexander Gerbes ist stellvertretender Klinikdirektor der Medizinischen Klinik II und Leiter des Leber Centrums am Klinikum der Universität München in Großhadern.

Von Sonja Gibis

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