Rote Schleifen sind das weltweit anerkannte Symbol für HIV-Infizierte. Zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember schlagen Experten Alarm, die Zahl der HIV-Infektionen in Europa ist so hoch wie noch nie.
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Rote Schleifen sind das weltweit anerkannte Symbol für HIV-Infizierte. Zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember schlagen Experten Alarm, die Zahl der HIV-Infektionen in Europa ist so hoch wie noch nie.

Welt-Aids-Tag 1. Dezember

HIV-Infektion: So gefährlich ist das Virus

Zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember schlagen Experten Alarm: Die Zahl der HIV-Infektionen in Europa ist so hoch wie noch nie. Was tun? Wichtige Fragen und Antworten auf einen Blick.

Wie viele haben sich neu infiziert?

Nach einem Bericht des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) sind europaweit im vergangenen Jahr 142 197 neue HIV- Ansteckungen registriert worden – 2013 waren es „noch“ 136 235 Erstdiagnosen. Vor allem in den östlichen Ländern der Europäischen Region sei ein enormer Anstieg zu verzeichnen, insbesondere in Russland, Bulgarien, Ungarn, Tschechien und der Slowakei. Weltweit infizierten sich rund zwei Millionen Menschen mit dem Virus. Diese Zahl geht jedoch stark zurück: Die Zahl der Neuansteckungen sank seit 2000 um 35 Prozent. Das Ende der globalen Aids-Epidemie sei bis zum Jahr 2030 möglich, heißt es daher im Aidsprogramm der Vereinten Nationen UNAIDS.

Wie sieht es bei uns aus?

Trotz Aufklärungskampagnen und Medikamenten bleibt in Deutschland die Zahl weitgehend konstant – 2014 infizierten sich Schätzungen zufolge rund 3200 Menschen neu mit dem Virus, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) mitteilt. Dieser stabile Trend zeigt sich auch in Bayern: Etwa 390 Menschen haben sich laut RKI im vergangenen Jahr mit HIV angesteckt. Und: Die Zahl der Neuinfektionen bei heterosexuellen Menschen ist sogar leicht steigend; die meisten Betroffenen sind jedoch nach wie vor Männer, die Sex mit anderen Männern haben. Nach Schätzungen des RKI wissen zudem bundesweit etwa 13 200 von 83 400 Menschen nichts von ihrer Infektion. Das ist immerhin etwa jeder sechste Betroffene.

Was genau bewirkt das Virus im Körper?

Das „Humane Immunschwächevirus“, HIV, ist sehr wandlungsfähig – deshalb sind bislang viele Tests für einen Impfstoff gescheitert. Experten zweifeln auch daran, dass es in nächster Zeit einen geben wird. Der gefährliche Erreger legt im Körper unter anderem bestimmte Immunzellen lahm, daher kann das Abwehrsystem Krankheitserreger wie Bakterien und Viren nicht mehr wirkungsvoll bekämpfen – harmlose Infektionen werden zur tödlichen Gefahr.

Wie hält man den Erreger „in Schach“?

Mit Medikamenten. Die Kombination solcher Arzneien verhindert die Vermehrung des Erregers im Blut – gut eingestellt können HIV-Infizierte dann fast genauso lang leben wie gesunde Menschen. Und: Sind nach einiger Zeit keine Viren mehr in Blut und Körperflüssigkeiten nachweisbar, ist eine Übertragung von HIV beim Geschlechtsverkehr so gut wie ausgeschlossen; die sogenannte antiretrovirale Therapie schützt damit auch die Sexualpartner von Infizierten. Die Medikamente haben aber oft Nebenwirkungen. Und: Sie heilen nicht. Experten raten daher dazu, mit der Therapie unverzüglich nach der Diagnose zu beginnen – zumal damit die Chancen auf ein höhere Lebensqualität steigen. Derzeit leben in Deutschland mehr als 80 000 Menschen mit HIV. Etwa 480 Infizierte sind 2014 gestorben.

Ist eine vorbeugende Einnahme sinnvoll?

Am sichersten ist der Schutz durch Kondome. Laut Deutscher Aids-Hilfe lässt sich aber auch mit der Einnahme des HIV-Medikaments „Truvada“ einer HIV-Infektion vorbeugen. Das hätten Studien mit schwulen Männern bewiesen. Die „Prä-Expositionsprophylaxe“ (kurz PrEP, „Vor-Risiko-Vorsorge“) sei in den USA bereits zugelassen – in Europa aber (noch) nicht. Weiterhin heißt es: „Wer möglichst schnell nach einem Infektionsrisiko mit der vierwöchigen Einnahme von HIV-Medikamenten beginnt, bleibt in den allermeisten Fällen HIV-negativ.“

Gibt es keinen Fall von Heilung?

Nur einen laut Deutscher Aids-Hilfe: Der US-Amerikaner Timothy Ray Brown bekam in Berlin Stammzellen von einem Menschen transplantiert, der aufgrund einer genetischen Besonderheit gegen HIV immun ist. Das befreite ihn von einer Leukämieerkrankung – und seinem HI-Virus. Auf andere Patienten übertragbar ist dieser Geniestreich leider nicht: Passende Spender sind selten und der Eingriff ist höchst riskant.

Warum lassen sich viele nicht testen?

Aus Angst vor Diskriminierung und Ausgrenzung, das sind die Hauptgründe. Aktuell macht nur jeder dritte Deutsche einen HIV-Test, das ergab jüngst eine Umfrage im Auftrag des Verbands der privaten Krankenversicherung (PKV). Dabei können jüngste Tests, sogenannte Labortests der „vierten Generation“, eine HIV-Infektion schon nach sechs Wochen sicher nachweisen oder ausschließen, heißt es bei der Deutschen Aids-Hilfe; die Tests sind heute fast überall verfügbar. Und: Sie sie sind fast 100 Prozent sicher. Zuvor hatte Jahrzehnte lang gegolten: Ein HIV-Test ist erst nach drei Monaten zuverlässig.

HIV-positiv und schwanger: Gefahr?

HIV-positive Frauen können heute nicht infizierte Kinder bekommen, heißt es bei der Deutschen Aids-Hilfe: „Wenn bei der werdenden Mutter rechtzeitig mit einer HIV-Therapie begonnen wird und bei der Geburt einige Vorsichtsmaßnahmen beachtet werden, lässt sich eine Infektion des Kindes verhindern.“ Und: Wenn im Blut dauerhaft keine Viren mehr nachweisbar sind, könnten sowohl Zeugung als auch Geburt auf natürlichem Wege erfolgen.

Gibt es Berufsverbote für die Betroffenen?

Nein. „Etwa zwei Drittel der Menschen mit HIV in Deutschland arbeiten. Ein Übertragungsrisiko besteht im Arbeitsalltag nicht – auch nicht bei medizinischen Jobs oder in der Gastronomie“, schreibt die Deutsche Aids-Hilfe. Eine Tatsache, die vielen nicht bekannt sein dürfte. 2013 fiel das letzte Berufsverbot: HIV-Positive dürfen nun auch Pilot werden.

Zusammengestellt von: B. Nazarewska (mit dpa-Material)

Diese Viren und Bakterien machen uns krank

Barbara Nazarewska

Barbara Nazarewska

E-Mail:barbara.nazarewska@merkur.de

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