Immer weniger Menschen lassen sich gegen Grippe impfen.

Grippe: Fragen zum Impfschutz, zu Kosten und zur Vorbeugung

Experten über Grippe und die Impfung

„Erkältungen, Grippe, Schutzimpfungen“: Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Impfung? Wie kann man sich wappnen gegen Viren und Bakterien? Wer sollte sich unbedingt impfen lassen?

Professor Dr. Klaus-Dieter Kossow und der Apotheker Harro Kunz plädierten für die Influenza-Schutzimpfungen. 

Krankenkasse übernimmt die Impfkosten nicht immer

Herr B. zum Beispiel wollte wissen, warum im Vorjahr die ganze Familie gegen Grippe, gemeint war Influenza, reibungslos geimpft werden konnte (Kosten wurden übernommen) und im laufenden Jahr nicht.

Die Experten an der Hotline verwiesen auf eine Änderung der Rechtslage, die dafür verantwortlich sein könnte.

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Körpersignale richtig verstehen

Prof. Kossow: Am 1. April dieses Jahres ist ein neues Sozialrecht in Kraft getreten, das die Regelung der Impfungen nicht mehr der Satzungshoheit der Krankenkassen unterwirft, sondern die Krankenkassen verpflichtet, alle Impfungen zu bezahlen, die die ständige Impfkommission beim Robert-Koch-Institut empfohlen hat.
Aus Gründen der Impfstoffknappheit für die Gesamtbevölkerung hat die ständige Impfkommission empfohlen, zunächst nur Risikogruppen zu impfen, und folglich übernehmen die Krankenkassen, und zwar alle Krankenkassen, nur die Kosten für diese empfohlenen Impfungen.

Dabei gibt es erhebliche Abgrenzungsprobleme, weil manche Krankheiten nicht eindeutig definiert sind – wenn es heißt: Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens. Hier haben sowohl die Krankenkasse bei ihren Erstattungsentscheidungen als auch der Arzt einen Ermessensspielraum, so dass es zu erheblichen Auseinandersetzungen kommen kann.

Allerdings wird es in Zukunft Impfstoffknappheit im bisherigen Umfang nicht mehr geben, weil Impfstoff auch aus Gewebekulturen hergestellt werden kann und nicht nur aus Hühnereiern. Im Übrigen ist der Krankenkasse eine Satzungsregelung zusätzlich erlaubt, durch die sie Impfungen auch dann übernehmen kann, wenn die Impfkommission dies nicht ausdrücklich empfohlen hat.

Wie sicher ist dei schnelle Diagnose

Frau W. fragte per E-Mail, wie ein Arzt durch kurzes In-den-Hals-schauen feststellen könne, ob es sich beim Patienten um eine bakterielle Infektion oder um eine Virusinfektion handelt?

Prof. Kossow: Bei einer Virusinfektion ist die Flüssigkeitsabsonderung der Schleimhaut vermehrt. Die Schleimhaut gerötet, vermehrt durchblutet, es tritt aber kein Eiter auf. Bei einer bakteriellen Infektion eitern die Mandelkrypten, so dass man in der Tat in zehn Sekunden sehen kann, ob man Penicillin geben muss oder nicht. Wenn man allerdings eine genaue Überprüfung der Empfindlichkeit der Krankheitserreger gegen Penicillin haben möchte, weil z. B. bisher Penicilline nicht immer geholfen haben, dann muss man einen Abstrich anfertigen und eine aufwändige bakteriologische Untersuchung im Labor tätigen.

Bei dieser Untersuchung wird festgestellt, welche Bakterien vorliegen und gegen welche Antibiotika, d. h. Penicilline und gleichsinnig wirkende Substanzen, diese Bakterien empfindlich sind und gegen welche Antibiotika sie resistent sind. Es gehört zu den Regeln der Medizin, dass man zunächst einen Behandlungsversuch mit einem Standardantibiotikum macht. Wenn innerhalb von drei Tagen keine rückläufigen Krankheitserscheinungen vorhanden sind, macht man einen Abstrich, um dann mit der Zweitbehandlung mit Penicillin einen Erfolg zu erzielen.

Es gibt auch chronische Verläufe, wo es gar nicht so einfach ist, die bakterielle Infektion niederzukämpfen. Dann können Folgekrankheiten auftreten wie z. B. Scharlach, Mittelohrentzündung oder auch rheumatische Erkrankungen. Solche eitrigen Infektionen sind oft nicht harmlos.

Frau W. wollte weiterhin wissen, wie es sein kann, dass ein Antibiotikum bei ihrer Tochter geholfen habe, bei ihr selbst aber nicht.

Prof. Kossow: Der Effekt, dass bei Kindern ein Antibiotikum hilft, bei Erwachsenen aber nicht, tritt öfter auf. Das liegt daran, dass Erwachsene eine längere Lebenszeit zur Verfügung hatten, um resistente Krankheitserreger zu züchten und zu beherbergen.

Im Übrigen kann bei einem Leben auf dem Bauernhof ein solcher resistenter Krankheitserreger auch von Tieren auf Menschen übertragen werden. Letzteres ist besonders dann der Fall, wenn die Tiere während ihrer Aufzucht Antibiotika gefüttert bekommen haben und dann resistente Krankheitserreger ausbilden, die auf den Menschen übertragen werden.

Warum wird nicht so früh wie möglich geimpft?

Professor Kossow: Richtig ist, dass man ab Mitte September impfen kann und dass es ab Mitte September den frischen Impfstoff nach den statistischen Auswertungen der Erkrankungen im Fernen Osten des laufenden Jahres gibt. Man kann also in der Tat ab Mitte September mit Influenza-Impfungen anfangen. Aber bei einer nicht kleinen Zahl von Geimpften hält die Impfung etwa nur drei Monate vor.

Wenn ich also im September impfe, dann ist zum Zeitpunkt der Haupterkrankungswahrscheinlichkeit im Februar des Folgejahres u. U. kein Impfschutz mehr vorhanden.

Informiere ich die Bevölkerung im Oktober, erreiche ich einen Impfschutz Ende Oktober/Anfang November, wenn zwar schon Erkältungskrankheiten häufig sind, aber noch keine Influenza, und ich habe dann bis zum Schluss der Saison einen Impfschutz auch für alte Menschen und Menschen mit schlechtem Immunsystem.  Also es macht sehr wohl Sinn, ab Mitte Oktober die Hauptzahl der Impfungen durchzuführen.

Erfahrene Hausärzte machen das so, dass sie die jungen elastischen Leute mit gesundem Immunsystem schon Mitte September impfen und die älteren dann ab Anfang Oktober, so dass sie einen Impfschutz bis zum Schluss der Saison für alle erreichen.

Prof. Kossow: Ich habe zunächst eine sorgfältige Diagnostik mit Anzüchten der Krankheitserreger und Austesten eines Antibiogramms empfohlen, damit man vorhandene Krankheitserreger gezielt behandeln kann. In der Zeit eines beschwerdefreien Intervalls müssen dann die erforderlichen Impfungen vorgenommen werden. Entsprechende Facharztadressen habe ich mitgeteilt.

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