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Stechmücken sind in vor allem in Afrika richtig gefährlich: Als Überträger von Malaria fordern sie jährlich eine Million Todesopfer weltweit.

In Burkina Faso

Kampf gegen Malaria: Forscher testen neue Methode

Heidelberg - Jährlich sterben über eine Million Menschen weltweit an Malaria. Forscher aus Heidelberg wollen nun im besonders betroffenen Afrika mittels einer neuen Methode die Zahl der Opfer senken.

"Malaria ist der Killer Nummer eins in Afrika“, sagt der Biologe Norbert Becker aus Speyer über die Krankheit, die von Stechmücken übertragen wird. Becker gehört zu einem Heidelberger Wissenschaftlerteam, das den Plagegeistern und der Malaria mit einer neuen Strategie zu Leibe rücken will. Bei all den Berichten über das tödliche Ebola-Virus in letzter Zeit, waren andere gefährliche Krankheiten in Afrika fast in Vergessenheit geraten. Jährlich sterben an der Infektionskrankheit etwa eine Million Menschen auf der ganzen Welt. Mittels Satellitenbildern und eines speziellen Bakteriums testen die Heidelberger Forscher derzeit in Burkina Faso eine neue Methode gegen die Krankheit. "Das Endziel, das wir erreichen wollen, ist, die malariabedingten Todesfälle zu senken", sagt Projektleiter Peter Dambach. Nach seinen Angaben ist das Vorhaben in dieser Form einmalig.

Erfolgreiche Tests in Deutschland

Das spezielle Bakterium Bacillus thuringiensis israelensis (Bti) wird heute bereits von Becker und der kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs) am Oberrhein angewandt. Seit fast vier Jahrzehnten bekämpft Becker so Mückenlarven, die nach Hochwasserwellen am Rhein schlüpfen. Bti tötet nach Beckers Angaben lediglich die Larven von Stechmücken ab. Für andere Lebewesen gebe es durch das Bakterium allerdings keine Gefahr. 

Bti soll Malaria-Bekämpfungsprogramm erfolgreicher machen

Nach dem Erfolg in Deutschland, testen die Forscher Bti nun in Burkina Faso in Afrika. Treibende Kraft ist der Heidelberger Mediziner Rainer Sauerborn, der mit der Lage im Land seit langem vertraut ist. Bisher wurden die Ziele bei der Malaria-Bekämpfung nicht erreicht. Zwar gibt es ein Malaria-Bekämpfungsprogramm, doch es hat nur bedingt Erfolg. Dabei setzt man unter anderem auf imprägnierte Netze über den Betten, die aber nicht flächendeckend verwendet werden und auch nur während der Nacht Schutz bieten.

Test sollen Mittel effektiv einsetzen

In Burkina Faso haben die Wissenschaftler 127 Kommunen mit etwa 150 000 Einwohnern im Blick. In einem Drittel davon kommen wie bisher nur Bettnetze als Mückenschutz zum Einsatz, in einem weiteren werden zusätzlich alle Brutgewässer mit Bti behandelt. Im dritten Sektor wird die neue Strategie erprobt: Bti wird gezielt nur dort eingesetzt, wo sich gehäuft Larven im Wasser finden. Der Grund: Viele afrikanische Länder sind arm. Deshalb gehe es darum, die Mittel effektiv einzusetzen, erklärt Geograf Dambach.

Gefahrenpunkte auf Satellitenbildern sichtbar

Die Mückenbekämpfer finden die relevanten Stellen mit Hilfe von Satellitenbildkarten. Sie bilden die verschiedenen Wassertypen ab und helfen so, die bevorzugten Brutplätze zu finden. "Larven haben bestimmte Präferenzen, was das Wasser angeht", sagt Dambach (36). Die Larven der Mücke, die Malaria überträgt, mögen nur sauberes Wasser, in dem es Pflanzen gibt. Trübung, Färbung und Nährstoffverfügbarkeit des Wassers entscheiden, wie geeignet es für Mücken ist. Diese Parameter bestimmen letztendlich, ob Bti in einem Gewässer eingesetzt wird. Alle 10 Tage bringen die Forscher das Bakterium mit Hilfe von Spritzen aus.

Satellitenbilder-Einsatz in Burkina Faso neu

Bti werde auch bei Projekten in Äthiopien und Kenia eingesetzt, dort werde aber nicht mit Satellitenbildern gearbeitet, sagt er. Das Verfahren zur Risikokartenerstellung wurde bei einem Vorläuferprojekt entwickelt, bei dem die Uni Heidelberg mit federführend war.

Methodenvergleich ist entscheidend

Derzeit vergleichen die Forscher die Effektivität der Methoden in den drei verschiedenen Sektoren Burkina Fasos. So wird geprüft, wie hoch die Mückenbelastung und damit das Übertragungsrisiko ist und wie es um Malaria bei Kindern steht. Entscheidend sei der Effekt auf die Krankheits- und Todeszahlen, nicht nur die Reduktion der Larvenzahlen, sagt Dambach.

Erste Reaktionen auf Methode: "Die Leute sind begeistert."

Noch gibt es keine endgültigen Ergebnisse. Die Untersuchung, die der ersten Erhebungsphase ohne Bti von 2013 folgt, läuft bis 2015. Aber aus vielen Dörfern werde berichtet, dass die Mücken- und Stichzahlen bereits deutlich gesunken seien, sagt Dambach. "Die Leute sind begeistert." Der Experte Egbert Tannich vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg spricht von einem interessanten Ansatz. "Ich kenne keine Untersuchung, bei der das schon einmal gemacht wurde", sagt er mit Blick auf den Einsatz von Satellitenbildkarten und Bti.

dpa

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