Plastik statt Salz in der Suppe? Forscher weisen Mikroplastik in Salz aus dem Supermarkt nach.
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Plastik statt Salz in der Suppe? Forscher weisen Mikroplastik in Salz aus dem Supermarkt nach. 

Unsichtbare Gefahr?

Erstmals Mikroplastik in Salz nachgewiesen

Im Salz aus dem Supermarkt ist Mikroplastik. Forscher haben erstmals winzige Kunststoffpartikel in verschiedenen Salzproben nachgewiesen.

Spielzeug, Autoteile oder Schreibtisch - eine Leben ohne Plastik und Kunststoff ist heutzutage kaum vorstellbar. Mittlerweile verschmutzen allerdings Plastikflaschen und Plastiktüten Meere und Gewässer auf der ganzen Welt. Wind und Wetter zerkleinern diesen Müll in unsichtbare winzige Kunststoffreste. Dieses Mikroplastik haben Forscher nun in gewöhnlichem Kochsalz gefunden, wie das Wissenschaftsportal www.scinexx.de berichtet. 

Forscher der East China Normal University in Shanghai haben demnach 15 verschiedene Markensalze aus dem Supermarkt auf den Gehalt von Mikroplastik untersucht.

Das Ergebnis: Jede Salzprobe war mit winzigen Kunststoffpartikeln verunreinigt. Pro Kilogramm Salz konnten die Forscher 50 bis 681 Plastikpartikel nachweisen. Die Mini-Teilchen waren weniger als 200 Mikrometer groß. Der größte Teil des Mikroplastiks bestand aus dem Kunststoff Polyethylenterephthalat (PET), dem Material, aus dem Plastikflaschen, viele Plastikfolien und Textilfasern hergestellt werden.

Mit den meisten Plastikpartikel war das Meersalze verseucht. Doch dieses Resultat hatten die Forscher erwartet. Es wäre bekannt, das Meerwasser mit Kunststoffpartikeln verschmutzt sei, und so könne das Mikroplastik leicht in das fertige Salz gelangen, ist auf scinexx.de zu lesen. Aber auch Stein- und Solesalze enthielten zwischen sieben und 204 Plastikpartikel pro Kilogramm. Die Forscher vermuten, dass bei der Verarbeitung sowie Verpackung Plastikteilchen das Salz verunreinigen. Wer Salz in seine Suppe streut, würzt es also wahrscheinlich auch mit Plastik. 

Ist Mikroplastik in Lebensmitteln gefährlich?

Ob Mikroplastik im Essen ein Riskio für die Gesundheit darstellt, ist bislang nicht abschließend erforscht.  

"Von dem Gebrauch von Meersalz würde ich persönlich noch nicht abraten", sagt Sylvia Enzner vom VerbraucherService Bayern (VsB). Es kommt ihrer Meinung nach auf die chemische Zusammensetzung der Partikel an.

Zu dem Thema Mikroplastikpartikel in Lebensmitteln hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) eine Stellungnahme am 30. April 2015 veröffentlicht. Darin heißt es abschließend:

"Derzeit liegen dem BfR keine gesicherten Erkenntnisse zum Vorkommen, der chemischen Zusammensetzung, der Partikelgröße oder zum Gehalt von Mikroplastikpartikeln in Lebensmitteln vor. Aus diesem Grund kann eine gesundheitliche Bewertung zurzeit nicht erfolgen." 

Mikroplastik ein Problem für die Umwelt

Umweltschädliches Mikroplastik findet sich auch in verschiedenen Kosmetik- und Reinigungsprodukten. Hersteller setzen es beispielsweise bei Peelings oder Duschgels sowie Zahnpasta ein. Umweltverbände und Verbraucherschützer weisen immer wieder darauf hin. Selbst Kleidung enthält umweltschädliche Kunstfasern. Bei jedem Waschgang landen Polyester oder Polyacryl im Abwasser. Das Problem: Die weniger als fünf Millimeter kleinen Plastikpartikel können von Kläranlagen nicht gefiltert werden.

Ein gesundheitliches Risiko für Verbraucher, die Kosmetikprodukte mit polyethylenhaltigen Mikrokunststoffpartikeln verwenden, wäre nach BfR Ansicht "unwahrscheinlich", zumindest nach dem derzeitigem Kenntnisstand.  Verbraucher sollten jedoch auf Produkte mit Mikroplastik verzichten, um die Umwelt zu schonen. 

Kunststoffe und ihre Abkürzungen

  • PE Polyethylen 
  • PP Polypropylen 
  • PET Polyethylenterephthalat 
  • PES Polyester (Polyester-1; Polyester-11) 
  • PA Polyamid (Nylon-12; Nylon-6; Nylon-66) 
  • PUR Polyurethan (Polyurethan-2; Polyurethan-14; Polyurethan-35)
  • EVA Ethylen-Vinylacetat-Copolymere 
  • PI Polyimid (Polyimid-1) 
  • ANM Copolymere von Acrylnitril mit Ethylacrylat/Copolymere von anderen Acrylaten

Die Nachricht, es gäbe Mikroplastik im Bier hat vergangenes Jahr nicht nur die Brauereien aufgeschreckt. Die Test-Ergebnisse erwiesen sich später aber als haltlos. 

ml

Martina Lippl

Martina Lippl

E-Mail:martina.lippl@merkur.de

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