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Trinken wir Plastikteilchen im Biergarten? Ja, sagt ein NDR-Bericht. Paulaner widerspricht vehement.

Jetzt wird ein Anwalt eingeschaltet

Plastik im Bier: Münchner Brauerei beschuldigt

München - 70 Partikel Mikroplastik pro Liter Weißbier - das will der emeritierte Professor Gerd Liebezeit bei einer Marke aus München entdeckt haben. Und es ist nicht die einzige Brauerei. Doch es gibt Kritik.

Dieser NDR-Bericht lässt die Brauerei-Szene gerade innerlich kochen: Im Auftrag der Sendung Markt hat der emeritierte Professor Gerd Liebezeit, Experte für Meeres-Chemie, mehrere Mineralwasser und Biere verschiedener Marken getestet. Sein Ergebnis: Jedes Getränk enthält so genanntes Mikroplastik. Liebezeit testete drei Mineralwassermarken der Discounter Aldi, Lidl und Penny und einige der größten Biermarken Deutschlands. In Beck's hat Liebezeit 33 Teilchen pro Liter entdeckt, bei Warsteiner sind es 46. In einem Liter des Paulaner-Weißbiers aus München will der Professor ganze 70 Teilchen Plastik entdeckt haben. Spitzenreiter war das Jever-Pilsener mit 79 Teilchen pro Liter. In den Mineralwassern und im Pils von Radeberger fand der Professor immerhin einstellige Mengen an Plastikpartikeln.

Mikroplastik, das sind mikroskopisch kleine Partikel, die aus verschiedenen Kunststoffen bestehen. Laut Bund Naturschutz leiden Tiere schon lange unter Mikroplastik. Es setze sich in den Schleimhäuten fest, könne oft nicht mehr ausgeschieden werden und führe zu Darmverschlüssen. Wenig erforscht sind bisher die Auswirkungen auf den Menschen. In der NDR-Sendung sagt Ökooxikologe Stephan Pflugmacher vom Institut für Ökologie der Technischen Universität Berlin: "Mikroplastik stellt auch für uns Menschen früher oder später eine Gefahr dar."

Die Teilchen werden entweder direkt von der Industrie hergestellt, oder sie entstehen durch Abnutzung von Plastikmaterialien. Über das Abwasser gelangen sie in unseren Ernährungskreislauf, vermuten die Forscher. Laut dem Verbraucherservice Bayern kommt Mikroplastik inzwischen auch im Trinkwasser vor.

Paulaner will die Vorwürfe nicht auf sich sitzen lassen. Die Brauerei geht in die Offensive: "Wir haben bereits rechtliche Schritte eingeleitet", sagt Paulaner-Sprecherin Birgit Zacher unserer Onlineredaktion. Der NDR habe, trotz mehrmaliger Bitten und Nachfragen, keinerlei Angaben zu Versuchsaufbau, Größe der Stichprobe, statistische Signifikanz und Spezifikation der angeblich gefundenen Fasern gemacht. Per Anwalt will die Brauerei diese Fakten nun einfordern.

Paulaner selbst hat derweil seine Biere bei der Technischen Universität München testen lassen. "Alle Tests waren ergebnislos", sagt Zacher. Sie habe auch nichts anderes erwartet. "Unser Wasser ist 10.000 Jahre alt und kommt aus einem Tiefbrunnen." Außerdem war das Weizen von Paulaner das einzige naturtrübe Bier, das Liebezeit für NDR getestet habe. Wer weiß, überlegt Zacher, was der Professor da alles für Plastik gehalten habe.

Derweil habe laut Zacher der Deutsche Brauer-Bund bereits ein ernstes Gespräch mit Professor Liebezeit geführt. Der habe inzwischen zugegeben, dass es sich bei seinem Tests um ein "sehr einfaches Verfahren" gehandelt habe.

Klaus-Maria Mehr

 

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