Mit dem Nobelpreis 2015 wurden drei Forscher für neuartigen Therapien gegen Flussblindheit, Elephantiasis und Malaria ausgezeichnet. Die Verbreitung der Krankheiten ist auf der Weltkarte in blau angezeichnet. 
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Mit dem Nobelpreis 2015 wurden drei Forscher für neuartigen Therapien gegen Flussblindheit, Elephantiasis und Malaria ausgezeichnet. Die Verbreitung der Krankheiten ist auf der Weltkarte in blau angezeichnet. 

Stockholm

Medizin-Nobelpreis für Kampf gegen Parasiten und Malaria

Der Medizin-Nobelpreis 2015 geht in diesem Jahr an drei Wissenschaftler für die Erforschung von Malaria, Flussblindheit und Elefantiasis.

Dieses Jahr geht der Medizin Nobelpreis 2015 geht an drei Forscher aus Japan, China und den USA: William C. Cambell, Satoshi Omura und Youyo Tu. Die Mediziner werden für die Erforschung von Krankheiten in ärmeren Staaten geehrt. Sie haben neuartigen Therapien gegen Parasiten und Malaria entwickelt.

Die eine Hälfte erhält die Chinesin Youyou Tu. Die zweite Hälfte teilen sich der gebürtige Ire William C. Campbell und der Japaner Satoshi Omura. Das teilte das Karolinska-Institut am Montag in Stockholm mit. Die höchste Auszeichnung für Mediziner ist mit umgerechnet 850 000 Euro (8 Millionen Schwedischen Kronen) dotiert.

Von Parasiten verursachte Krankheiten träfen vor allem die ärmsten Menschen der Welt, hieß es in der Mitteilung des Karolinska-Instituts. „Die diesjährigen Nobelpreisträger haben Therapien entwickelt, die die Behandlung einiger der verheerendsten Parasiten-Krankheiten revolutioniert haben.“

Campbell und Omura entwickelten demnach den Wirkstoff Avermectin. Davon abgeleitete Präparate hätten die Häufigkeit von Flussblindheit und Elephantiasis (lymphatischer Filariose) vermindert, auch gegen andere Parasiten wirkten sie effizient.

Youyou Tu habe den Malaria-Wirkstoff Artemisinin entdeckt, mit dem die Sterblichkeitsrate Erkrankter deutlich reduziert werden konnte, hieß es weiter. Die Entdeckung der beiden Wirkstoffe habe der Menschheit kraftvolle Mittel geliefert, verheerende Krankheiten zu bekämpfen, die Hundert Millionen Menschen jährlich beträfen.

Im vergangenen Jahr hatten die drei Hirnforscher John O'Keefe sowie May-Britt und Edvard Moser den Preis für die Entdeckung des inneren "Navigationssystems im Gehirn" erhalten.

Medizin Nobelpreis 2015: Youyou Tu, Satoshi Omura, William C. Cambell.

Am Dienstag (6. Oktober) wird der Physik-Nobelpreis vergeben, am Mittwoch der Preis für Chemie (7. Oktober). Der mit besonderer Spannung erwartete Träger des Friedensnobelpreises wird am Freitag (9. Oktober) in Oslo verkündet. Der Termin für die Bekanntgabe des Literatur-Nobelpreisträgers steht noch nicht offiziell fest, dieser sollte aber traditionsgemäß am Donnerstag gekürt werden.

Verliehen werden die Preise, die mit je 8 Millionen schwedischen Kronen (etwa 850.000 Euro) dotiert sind, am 10. Dezember. Das ist der Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.

Laut Alfred Nobel, soll derjenige gewinnen, dessen Forschung oder Entdeckung im vergangenen Jahr den größten Nutzen für die Menschheit stiften konnte.

Der Medizin-Nobelpreis wird seit 1901 verliehen. Die erste Auszeichnung ging damals an den deutschen Bakteriologen Emil Adolf von Behring für die Entdeckung der Serumtherapie gegen Diphtherie. Die Preisträger der vergangenen zehn Jahre waren:

Medizin-Nobelpreis - die Preisträger der vergangenen zehn Jahre

  • 2014: Das norwegische Ehepaar May-Britt und Edvard Moser sowie John O'Keefe (USA/Großbritannien) für die Entdeckung eines Navis im Hirn: Sie fanden grundlegende Strukturen unseres Orientierungssinns.
  • 2013: Thomas Südhof (gebürtig in Deutschland) sowie James Rothman (USA) und Randy Schekman (USA) für die Entdeckung von wesentlichen Transportmechanismen in Zellen.
  • 2012: Der Brite John Gurdon und der Japaner Shinya Yamanaka für die Rückprogrammierung erwachsener Körperzellen in den embryonalen Zustand.
  • 2011: Bruce Beutler (USA) und Jules Hoffmann (Frankreich) für Arbeiten zur Alarmierung des angeborenen Abwehrsystems. Ralph Steinman aus Kanada entdeckte Zellen, die das erworbene Immunsystem aktivieren. Er war kurz vor der Verkündung gestorben und bekam den Preis posthum.
  • 2010: Der Brite Robert Edwards für die Entwicklung der Reagenzglas-Befruchtung.
  • 2009: Elizabeth Blackburn, Carol Greider und Jack Szostak (alle USA) für die Erforschung der Zellalterung.
  • 2008: Harald zur Hausen (Deutschland) für die Entdeckung der Papilloma-Viren, die Gebärmutterhalskrebs auslösen, sowie die Franzosen Françoise Barré-Sinoussi und Luc Montagnier für die Entdeckung des Aidserregers HIV.
  • 2007: Mario R. Capecchi, Oliver Smithies (beide USA) und Sir Martin J. Evans (Großbritannien) für eine genetische Technik, um Versuchsmäuse mit menschlichen Krankheiten zu schaffen.
  • 2006: Die US-Forscher Andrew Z. Fire und Craig C. Mello für eine Technik, mit der sich Gene gezielt stumm schalten lassen.
  • 2005: Barry J. Marshall und J. Robin Warren (beide Australien) für die Entdeckung des Magenkeims Helicobacter pylori und dessen Rolle bei der Entstehung von Magengeschwüren.
  • 2004: Richard Axel und Linda Buck (beide USA) für die detailgenaue Enträtselung des Geruchssinns.

dpa/AFP

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