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Addyi, die Viagra-Pille für Frauen kommt am 17. Oktober auf den US-Markt. Foto: EPA/SPROUT

Rosa Revolution? Verkaufsstart für "Pink Viagra" in den USA

Zwei Anläufe scheiterten, dann wurde Addyi - besser bekannt als "Viagra für Frauen" - in den USA doch noch zugelassen. Nun kommen die rosa Tabletten dort auf den Markt. Viele Frauenärzte sind skeptisch.

New York (dpa) - "Lerne Addyi kennen", heißt es auf der Webseite in schwarz-rosa Schrift. "Sie ist die erste ihrer Art." Daneben ist die rosafarbene Silhouette eines weiblichen Kopfes zu sehen. Addyi ist nicht etwa eine Frau, sondern der Handelsname einer kleinen Tablette.

Schon vor ihrer Markteinführung hat Addyi für reichlich Wirbel gesorgt: Flibanserin heißt der Arzneistoff darin, besser bekannt ist das Medikament als "Viagra für Frauen". Nach zwei gescheiterten Anläufen hatte das Mittel im August die Zulassung für den US-Markt bekommen. Jetzt kommt Addyi in die Läden. "Der süßeste Tag" jubelt die Herstellerfirma Sprout Pharmaceuticals bereits auf der Werbe-Webseite.

Viele Fachleute sind allerdings bisher nicht davon überzeugt, dass das Medikament ein Erfolg wird - unternehmerisch und in seiner Wirkung. Dabei sei ein Mittel gegen sexuelle Unlust bei Frauen eigentlich längst überfällig, sagte die Gynäkologin Karen Adams von der Health and Science University im Bundesstaat Oregon dem "Forbes"-Magazin.

"Zwischen 40 und 50 Prozent aller Frauen haben irgendeine Art von sexueller Störung. Das ist also sehr verbreitet und so gesehen hat sich auf dem Pharma-Entwicklungsmarkt da noch nicht viel getan."

Das "Pink Viagra" wurde ursprünglich in Deutschland entwickelt. Das kleine US-Unternehmen Sprout Pharmaceuticals aus North Carolina hatte von der deutschen Boehringer Ingelheim das Patent übernommen, nachdem die Rheinland-Pfälzer an der US-Arzneibehörde FDA gescheitert waren.

2013 scheiterten auch die Amerikaner an der Zulassung, in diesem Jahr hatten sie dann Erfolg. Direkt danach schluckte der kanadische Pharmariese Valeant die Firma Sprout Pharmaceuticals im August. Ursprünglich sollte Flibanserin gegen Depressionen helfen, die luststeigernde Wirkung fiel nebenbei auf.

Trotz seines Spitznamens ist das Präparat nicht mit dem Viagra für Männer zu vergleichen. Die blaue Pille wirkt direkt auf den Körper: Sie hilft Männern, eine Erektion zu bekommen. Es geht also um das Können, nicht um das Wollen.

Bei vielen Frauen ist das Problem kein körperliches. Sie haben selten oder nie Lust auf Sex und wenn es doch dazu kommt, empfinden sie keinen Spaß. Das belastet nicht nur die Frauen selbst, sondern auch die Männer und die ganze Beziehung.

Addyi soll diesen Frauen die Lust zurückbringen. Die Substanz beeinflusst Botenstoffe im Gehirn - ähnlich wie ein Antidepressivum. Viagra wirkt, einmal eingeworfen, direkt und bei fast 100 Prozent der Männer. Addyi ist erheblich weniger effizient und zudem risikoreicher. 

Jeden Tag muss die Tablette eingenommen werden, erst nach Wochen zeichnen sich leichte Effekte ab - und das auch nur bei etwa einer von zehn Frauen. Außerdem hat Flibanserin häufig starke Nebenwirkungen wie Schwindelgefühle, Müdigkeit und Übelkeit. Und die Frauen dürfen während der gesamten Dauer der Einnahme keinen Alkohol trinken, um die drohenden Nebenwirkungen nicht noch zu verstärken.

Doch auch wenn das Mittel nur für einen Bruchteil der betroffenen Frauen interessant ist - weltweit könnten das Millionen sei, die womöglich Milliarden dafür zahlen würden. Der Preis des Mittels und mögliche Pläne für einen Markteinstieg in Deutschland waren zunächst noch unklar. In den USA hat der Hersteller zumindest schon eine große Werbe- und Imagekampagne gestartet.

Viele Frauenärzte raten wie Karen Adams ihren Patientinnen davon ab, sich sofort auf das vermeintliche Wundermittel zu stürzen. Bei sexueller Unlust sollten erst einmal andere Dinge geprüft werden: die Gesundheit von Körper und Geist etwa und der Zustand der Beziehung.

Viele Probleme könnten besser mit einer Paartherapie gelöst werden, sind viele Fachleute überzeugt. "Es ist wirklich unangebracht, da mit einer Tablette anzufangen", sagt Adams. "Man muss sich erstmal die Gründe anschauen, warum eine Frau keinen Sex haben will."

Webseite von Addyi (eng.)

Mitteilung von Sprout (eng.)

Bericht des Forbes-Magazins (eng.)

Die Antibabypille kam in Deutschland in den 1960er Jahren auf den Markt und ist heute die am häufigsten verwendete Methode zur Verhütung einer Schwangerschaft.

Die meisten Präparate bestehen aus einer Kombination zweier künstlich hergestellter Hormone, die den körpereigenen Hormonen Östrogen und Gestagen (Progesteron) ähnlich sind.

Sie hemmen die Eizellenreifung und damit den Eisprung. Dadurch kann es nicht zu einer Befruchtung kommen. Außerdem verhindern sie, dass Samen in die Gebärmutter eindringen und sich ein befruchtetes Ei einnisten kann.

Mittel der neueren Generation enthalten zumeist das Hormon Drospirenon. Ältere Präparate basieren hingegen auf dem Wirkstoff Levonorgestrel.

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