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Schnarchen ist eine Qual – vor allem für den, der daneben liegt. Doch auch für den Verursacher der Geräusche ist das nächtliche Sägen keineswegs immer harmlos. Dabei sind es nicht die Geräusche selbst, die zur Gefahr werden.

Risiko

Schlafapnoe: Wann Schnarchen zur Gefahr wird

Schnarchen ist eine Qual – vor allem für den, der daneben liegt. Doch auch für den Verursacher der Geräusche ist das nächtliche Sägen keineswegs immer harmlos. Dabei sind es nicht die Geräusche selbst, die zur Gefahr werden.

Nur selten wachen Schnarcher von den Tönen auf, die sie erzeugen. Diese entstehen, wenn sich im Schlaf die Muskeln entspannen. Der Zungengrund rutscht nach hinten, der Gaumen erschlafft. Durch den Luftstrom beginnt Gewebe zu vibrieren und erzeugt die typischen Geräusche.

Das erschlaffte Gewebe verengt aber auch den Weg der Atemluft. In manchen Fällen verschließt es ihn komplett. Der Schlafende versucht zu atmen – vergebens. Es kommt zu einem Atemstillstand, in der medizinischen Fachsprache auch Apnoe genannt. Dieser dauert oft 20 bis 30 Sekunden, manchmal aber auch mehr als eine Minute. Da die Atemaussetzer im Schlaf aufgrund verengter Atemwege eintreten, spricht man von obstruktiver Schlafapnoe.

Jeder Atemstillstand ist für den Körper eine Belastung: Im Blut fällt die Sauerstoffsättigung immer weiter ab, bis das Gehirn ein Notfallsignal sendet. Die Muskulatur der Atemwege spannt sich an, der Schlafende atmet einige Male hastig ein und aus, um dann wieder tiefer in Schlaf zu sinken – bis zum nächsten Atemstillstand.

Schlafapnoe: Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall

„Viele bekommen davon allerdings nichts mit“, sagt Dr. Clemens Heiser, HNO-Arzt am Münchner Klinikum rechts der Isar. Dennoch: Die Nacht verläuft unruhig. Lange Phasen, in denen der Betroffenen im Tief- oder Traumschlaf liegt, gibt es kaum. Obwohl sie genügend Stunden im Bett verbringen, fühlen sich die Betroffenen tagsüber oft unerholt und matt, sie sind unkonzentriert, in monotonen Situationen neigen sie dazu einzunicken. Am Steuer kann ein solcher Sekundenschlaf sogar tödlich enden.

Zudem drohen lebensgefährliche Erkrankungen: Betroffene leiden öfter an Bluthochdruck und Diabetes. Das wiederum erhöht die Gefahr für Arteriosklerose, der Arterienverkalkung. Doch auch das nächtliche Auf und Ab der Sauerstoffsättigung greift die Gefäße an. „Es führt zu oxidativem Stress“, erklärt Heiser. Insgesamt erhöht sich so das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall drastisch. Zu nächtlichen Atemaussetzern neigen vor allem ältere Menschen.

 „Im Laufe des Lebens erschlaffen Muskeln und Gewebe“, erklärt Heiser – auch im Rachen. Männer sind dabei öfter betroffen als Frauen. Auch Übergewicht erhöht das Risiko. Denn Körperfett lagert sich auch im Hals und am Gaumen an und verengt diesen zusätzlich. Alkohol, Medikamente wie Betablocker und Schlafmittel sowie weitere Drogen wie Cannabis können die Muskeln noch stärker entspannen und so eine Schlafapnoe fördern. Doch spielt auch die Veranlagung eine große Rolle.

Wie das Schnarchen selbst werden auch die Atemaussetzer zuerst meist von anderen wahrgenommen. Doch auch wer weiß, dass er schnarcht und sich tagsüber oft matt und unkonzentriert fühlt, sollte einen HNO-Arzt aufsuchen. Zunächst erhalten die Patienten in der Regel ein Gerät mit nach Hause, das im Schlaf verschiedene Wertemisst und daraus eine sogenannte Polygraphie erstellt. Diese gibt wichtige Hinweise, ob ein Problem besteht. Mit einem Endoskop kann der HNO-Arzt zudem in Kurznarkose prüfen, wie die Schnarchgeräusche und Atemaussetzer entstehen. In manchen Fällen kann eine Operation diese verringern. Bei einer ausgeprägten schwergradigen Schlafapnoe hilft dies allerdings selten.

Einfach Tricks gegen die Rückenlage 

Manchen helfen allerdings einfache Tricks: „Einige haben nur Atemaussetzer, wenn sie auf dem Rücken liegen“, sagt Heiser. Hier gibt es Hilfsmittel, die die Patienten in einer anderen Lage schlafen lassen – indem sie das Liegen auf dem Rücken etwa schmerzhaft machen wie eine Weste mit eingenähtem Keil. Auch ein Gurt, in dem ein Lagesensor steckt, kann helfen. Er vibriert, wenn man sich auf den Rücken dreht. Von Hausmitteln wie einem eingenähten Tennisball im Schlafanzug, rät Heiser eher ab. „Am Morgen wacht man mit Kreuzschmerzen auf, weil man doch auf dem Rücken geschlafen hat.“

Manchen Patienten kann aber eine Schnarch- oder Protrusionsschiene nützen. Diese verhindert, dass der Unterkiefer im Schlaf zurück rutscht. Jedoch ist die Standardtherapie bei Schlafapnoe die CPAP-Beatmung (Continuous Positive Airway Pressure). Der Patient trägt nachts eine Atemmaske, die über einem Schlauch mit einem Beatmungsgerät verbunden ist. Über die Maske erhöht sich der Luftdruck in Hals und Rachen, so dass sich die Atemwege nicht mehr verschließen können. Man spricht auch von pneumatischer Schienung, da keine echte Beatmung stattfindet. Der richtige Druck wird im Schlaflabor eingestellt. „Auch jüngere Menschen kommen damit gut zurecht“, sagt Heiser. Der Nachteil: Keine Nacht vergeht mehr ohne Maske.

Leserfragen an Dr. Heiser: wissenschaft@merkur-online.de

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