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Nach Studien ermöglicht der Viagra-Wirkstoff Sildenafil bei 69 Prozent der männlichen Patienten eine Erektion.

Impotzen:

„Es geht nicht mehr richtig“

Impotenz ist ein Grund, an dem eine Partnerschaft zerbrechen kann. Der Gang zum Urologen ist ein schwieriger Weg. Was viele nicht wissen: Impotenz ist ein Warnsignal des Körpers.

Schweigen herrscht in der Familie. Lähmend und irritierend. Und das nach mehr als 30 Jahren Ehe mit allen Höhen und Tiefen. Sicher, es kam nicht über Nacht, sondern eher langsam zunehmend über die letzen Jahre. Müde war er, abgespannt und vielleicht auch etwas gereizt im Wechsel mit eher depressiven Phasen.

Der Hausarzt hatte einen Bluthochdruck festgestellt und medikamentös behandelt. Ferner wurde über eine diabetische Stoffwechsellage gesprochen und eine Diät empfohlen. Aber nun das – Impotenz. So einfach zu beschreiben „es geht nicht mehr richtig“, aber scheinbar so schwierig zu besprechen. Hat er denn kein Interesse mehr?

Beschwehrlicher Gang zum Urologen

Der Gang zum Urologen ist für beide Partner schwierig.

Schließlich beschließt man(n) zum Urologen zu gehen, dem sogenannten „Männerarzt“. Da sitzt er nun im Sprechzimmer. Meist alleine, im optimalen Falle begleitet durch die Partnerin. Schwer ist ihm die erste Kontaktaufnahme gefallen und es herrscht etwas Unruhe über das was nun kommen möge. Aus Sicht des Urologen ist gegen einen Erstbesuch „alleine“ nichts einzuwenden. Sollte aber hieraus eine zielgerichtete Diagnose- und Behandlungsstrategie resultieren, wird er auf das Einbeziehen der Partnerin bestehen. Was geschieht nun? Typischerweise erfolgt eine Bestandsaufnahme der Medikamente und der zu Grunde liegenden Erkrankungen. Danach wird eine körperliche Untersuchung durchgeführt unter Einbeziehung von Prostata und Hoden. Meist folgt dann noch eine Blutuntersuchung, wobei an speziellen Werten das männliche Geschlechtshormon Testosteron unter Berücksichtigung der Tageszeit (zirkadianer Rhythmus) und, wenn nötig, das Prostata spezifische Antigen (PSA) als Parameter für die Stoffwechselaktivität der Prostata im Interesse liegen.

Wer ist betroffen? Generell zirka ein Drittel aller Männer zwischen fünfzig und siebzig Jahren. Häufig, aber nicht immer, etwas übergewichtig, mit Bluthochdruck als Risikofaktor, und meist leichtem Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit). Körperliche und seelische Störungen sind oft miteinander verknüpft. Das Eine kommt möglicherweise als Auslöser des Anderen in Betracht , so dass die Ursache und damit der bestmögliche Behandlungsansatz erst noch ermittelt werden muss. Urologe und Psychotherapeut sind daher im Falle von Impotenz, der sogenannten „erektilen Dysfunktion“, oder von weiteren Sexualstörungen wie zum Beispiel dem vorzeitigen Samenerguss (Ejaculatio präcox) und einer Vielzahl weiterer Erkrankungen keinesfalls als Konkurrenz, sondern eindeutig als Behandlungspartner zu betrachten. Es gilt die „Faustregel“: Je jünger ein Patient und je weniger eine körperliche oder stoffwechseltypische Abweichung erhoben werden kann, desto sinnvoller wird die Behandlung durch den Psychotherapeuten koordiniert.

Impotenz ist ein Warnsignal

Wo liegt nun die größere Bedeutung der Diagnose „Impotenz“ in einem gesamtgesundheitlichen Zusammenhang? Nach Untersuchungen von Shabsigh (Columbia, New York) und Morgenthaler (Harvard, Boston) ist erektile Dysfunktion in zirka der Hälfte der Patienten ein um Jahre vorauseilendes Warnsignal für schwere Herz-Kreislauferkrankungen wie zum Beispiel Herzinfarkt oder Schlaganfall. Beide renommierte, amerikanische Urologen raten daher dringend neben der Behandlung der Impotenz auch die Risikofaktoren zu erkennen und anzugehen.

Als Schlagworte seien genannt:

  • Aderverkalkung (Arteriosklerose)
  • Bluthochdruck (Hypertonie)
  • Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus, insbesondere in Verbindung mit dem sogenannten metabolen Syndrom).

Daher wird der erfahrene Urologe in dieser Situation eng mit dem Hausarzt, dem Diabetologen, dem Kardiologen und weiteren Spezialisten zusammenarbeiten und die Diagnose Impotenz über seine Kernkompetenz hinaus abklären lassen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten bieten sich heute?

Da eine erektile Dysfunktion aus moderner Sicht nicht nur als Problem „des kleinen Freundes“ betrachtet werden sollte, stehen mehr ganzheitliche Vorgehensweisen im Vordergrund. Risikofaktoren erkennen und abstellen ist sinnvoll und das Schlagwort „Gesünder Leben“ wie sinnvolle Gewichtsreduktion, größere körperliche Fitness durch ausgewogene Übungsprogramme, eine balanzierte Ernährungsumstellung und ein offenerer Umgang mit seelischen Problemen in Zusammenhang mit Impotenz sollten berücksichtigt werden.

Bei nachgewiesenem, symptomatischen Testosteronmangel (und nur dann) kann eine medikamentöse Normalisierung des Testosteronspiegels angezeigt sein. Testosteronüberdosierung kann bekanntermaßen zu Erfolgen bei der Tour de France führen, aber niemals zu einem verbesserten Sexualleben in Partnerschaftlicher Gemeinschaft. Daher wird ein verantwortungsbewusster Urologe regelmäßig den Testosteronspiegel und den PSA-Wert unter Therapie kontrollieren und bei Erreichen des Zieles die Behandlung aussetzen.

Sind Medikamente oder Injektionen sinnvoll?

Oft greifen Männer mit Impotenz zu Medikamenten.

Stehen durchblutungsbedingte (arteriosklerotische) Erektionsprobleme im Vordergrund, werden durchblutungsfördernde Substanzen eingesetzt. Nun gibt es unter der Vielzahl von als „Nahrungsergänzungsmitteln“ angepriesenen Produkten sicher auch einige seriöse Anbieter, aber generell fehlt ein Wirkungsnachweis bei dieser Art von Mitteln. Als Medikamente zugelassen und damit umfassend geprüft sind in Deutschland derzeit die Verbindungen Sildenafil, Tardenafil und Vardenafil (bekannt unter ihren Handelsnamen Viagra, Cialis und Levitra).

Ferner können Injektionen in den Schwellkörper des Penis gegeben werden. Sinnvoll kann dies zum Beispiel nach großen Eingriffen im Beckenraum wie einer radikalen Prostatektomie mit möglicher Unterbrechung der Erektionsnerven sein. Schließlich können mechanische Hilfsmittel wie Vakuumerektionspumpen oder, als letzte therapeutische Maßnahme, die Implantation einer Erektionsprothese verordnet werden.

Von Prof. Dr. Gerald Mickisch

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