Ellenbogen OP
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Kann bald wieder auf dem Hof anpacken: Bäuerin Elfriede Fahringer (49) mit ihrem Operateur Dr. Andreas Lenich. Er zeigt die Narbe an ihrem Ellenbogen – und prüft mit ein paar Handgriffen, wie beweglich der schon wieder ist.

Schmerzen

Die Bäuerin mit dem Tennisellenbogen

Wer sich mit einem Tennisellenbogen plagt, muss kein Sportler sein. Bei den meisten Patienten sind es andere Ursachen, die zu den Schmerzen führen. Ist ein gerissenes Band schuld, kann eine Operation nötig sein.

Eine Narbe am Ellenbogen, so lang wie ein Finger: Mehr ist von der Operation nicht mehr zu sehen. Elfriede Fahringer, 49, ist froh: Die Schmerzen im Arm sind weg. Endlich. Mit geübten Griffen prüft ihr Arzt PD Dr. Andreas Lenich, wie beweglich er ist. Die linke Hand am Arm, die rechte am Handgelenk, beugt er ihn mal nach oben, dreht ihn mal vorsichtig zur Seite. Auch er ist zufrieden. Das Gelenk ist schon wieder beweglicher als erhofft.

Lenich ist Sportorthopäde am Klinikum rechts der Isar in München. Sein Spezialgebiet: Beschwerden der oberen Extremitäten. Auch Patienten, die sich mit einem Tennisellenbogen herumschlagen, kommen daher zu ihm. So wie Elfriede Fahringer – und das, obwohl die 49-Jährige nicht zu denen gehört, die als Ausgleich zum Bürojob in ihrer Freizeit am liebsten mit dem Tennisschläger über den Platz jagen. Auf ihrem Bauernhof in Burgkirchen (Landkreis Altötting) hat die Landwirtin genug zu tun.

„Die Bezeichnung Tennisellenbogen ist irreführend“, sagt Mediziner Lenich. Auch für den sogenannten Golfarm gelte das. Tennisspieler und Golfer seien eher selten unter den Patienten. Meist steht zudem „Epicondylitis humeri radialis“ auf dem Überweisungsschein oder „ulnaris“ beim Golfarm.

Viel Geduld ist gefragt 

Die Schmerzen im Ellenbogen, die in den Unterarm und sogar bis in die Finger ausstrahlen können, sind meist Folge einer Überlastung der Muskeln im Unterarm. Diese sind durch Sehnen am Knochen befestigt. Wo diese ansetzen, kann es zu einer schmerzhaften Reizung der Sehnen kommen, ausgelöst vermutlich durch winzige Verletzungen. Doch entsteht die nur bei einem Teil der Patienten durch übertriebenen Ehrgeiz oder eine falsche Technik beim Sport. Weitaus häufiger sitzen die Betroffenen beruflich viel am Computer. Vom „Mausellenbogen“ ist daher auch oft die Rede.

Diese Beschwerden wieder loszuwerden, braucht dann meist viel Geduld. Denn die Behandlung besteht vor allem darin, den Arm zu schonen. Unterstützt wird das durch ein breites Spektrum konservativer Therapien. Bei manchen Patienten verschwinden die Probleme aber nicht. „In vielen dieser Fälle geht der Tennisellenbogen auf Unfälle oder Verletzungen zurück“, sagt Lenich. Diese können durchaus viele Jahre zurückliegen.

Eine Verletzung war auch bei Elfriede Fahringer die Ursache. Es war im Sommer vergangenen Jahres. Die Bäuerin hob eine Milchkanne an, als ein stechender Schmerz ihren rechten Ellenbogen durchzuckte. Vergeblich hoffte sie, dass die Beschwerden von selbst wieder verschwinden würden. Nach ein paar Tagen ging sie zum Arzt. „Der Orthopäde hat mir Kortisonspritzen gegeben“, erzählt sie. Scheinbar ein Erfolg. Die Schmerzen waren weg. Vorerst zumindest. Denn dass in ihrem Gelenk etwas kaputt war, ahnte die Bäuerin nicht.

Gehen die Schmerzen nicht weg, ist oft eine Verletzung schuld

„Ein halbes Jahr lang hatte ich Ruhe“, sagt sie. Doch im Januar waren die Beschwerden wieder da, Elfriede Fahringer hatte Schmerzen. Bei jeder Bewegung. Auch hatte sie im rechten Arm weniger Kraft. Wieder ging sie zum Arzt, wieder bekam sie Kortisonspritzen. Doch diesmal half das nicht mehr. Die Tabletten, die sie gegen den Schmerz verordnet bekam, linderten diesen nur. Und da war auch noch die Arbeit auf dem Hof, die erledigt werden musste. Die Bäuerin packte weiter mit an, trotz der Beschwerden. „Ich habe sehr viel mit der Linken gemacht“, sagt sie. Ihr Orthopäde versuchte es mit einer Gipsschiene. Die sollte den Arm eine Zeit lang ruhig halten.

Doch auch nach zwei Wochen war es nicht besser. Der Arzt ordnete eine Untersuchung mit dem Magnet-Resonanz-Tomografen (MRT) an. Die Aufnahme zeigte: Ein Band an der Außenseite des Gelenks war angerissen. Wahrscheinlich hatte sich Elfriede Fahringer damals beim Heben der Milchkanne verletzt. Das Problem: Ist ein Band kaputt oder fehlt es ganz, verliert der Arm nicht nur an Kraft, sondern auch Stabilität. Die verdankt das Ellenbogengelenk vor allem den innen- und außenseitigen Bändern, die sicherstellen, dass die Knochenenden von Oberarm, Elle und Speiche perfekt ineinander gleiten. Fehlt ein Band, muss die Muskulatur mehr leisten, um den Verlust an Stabilität auszugleichen – was sie auch nur teils schafft. Ist sie überfordert, kommt es zu Schmerzen. „In solchen Fällen hilft tatsächlich nur eine Operation“, sagt Experte Lenich. Denn nur wenn man das Band repariert, lässt sich die Stabilität des Gelenks und damit der natürliche Bewegungsablauf wiederherstellen.

Zu einem solchen Eingriff riet auch Elfriede Fahringers Arzt – und empfahl ihr die Sportorthopäden des Münchner Klinikums rechts der Isar. Mitte September wurde die 49-Jährige dort operiert. „In Vollnarkose“, erzählt sie.

Vor dem Eingriff verschaffte sich Lenich zunächst durch eine Arthroskopie, eine Gelenkspiegelung, einen ersten Einblick in das Gelenk. Dafür reichen wenige kleine Schnitte, eine Kamera sorgt für die nötige Sicht. Der Verdacht bestätigte sich: Das verletzte Außenband war ausgeleiert und damit funktionslos geworden, eine sogenannte Bandplastik war erforderlich. Hierzu wird das kaputte Band durch ein Stück Trizepssehne vom Oberarm ersetzt. Für den Eingriff ist ein größerer Schnitt am Ellenbogen nötig. „Die Trizepssehne ist sehr dick“, erklärt der Experte. Der Körper könne den Verlust daher gut ausgleichen. Ein Ende des Ersatzbands befestigte Lenich mit einer Schraube am Oberarmknochen, das andere mit einem Plättchen an der Elle.

Das kaputte Band wird durch ein Stück Trizeps-Sehne ers

etzt

Fünf Tage lang musste Elfriede Fahringer im Krankenhaus bleiben. Ihre Arbeit auf dem Hof übernahm derweil eine Betriebshelferin. So wie auch noch in den Wochen danach. Denn damit die Wunde heilen und sich das Gelenk erholen kann, darf der Arm auf keinen Fall sofort wieder voll belastet werden.

Doch braucht er nicht nur Schonung, sondern muss auch früh wieder bewegt werden. Sonst besteht die Gefahr, dass das Gelenk versteift. Bereits am ersten Tag nach der Operation kam daher ein Physiotherapeut zu Elfriede Fahringer.

Auch nach der Entlassung musste sie weiterüben. Unter anderem mit einer Bewegungsschiene. Damit lässt sich genau einstellen, wie weit das Gelenk gebeugt werden kann. Der Patient muss so nicht fürchten, etwas falsch zu machen.

Die Mühe hat sich gelohnt. Nur den Arm aufstützen, „das tut noch weh“, sagt Elfriede Fahringer. Dann spürt sie auch die Knubbel, die entlang der Narbe unter der Haut liegen. Sie stammen von den Fäden, die sich aber in drei bis sechs Monaten von selbst auflösen werden. Und: Der Arm ist auch noch längst nicht so kräftig wie vor der Verletzung. Zumal durch die lange Schonung Muskelmasse abgebaut wurde. Jetzt, nach sechs Wochen, kann die Bäuerin langsam damit anfangen, die Muskeln wieder zu trainieren. Damit der Arm der harten Arbeit auf dem Bauernhof bald wieder gewachsen ist.

Von Andrea Eppner

Die Experten

Prof. Andreas Imhoff ist Chefarzt der Sportorthopädie des Klinikums rechts der Isar in München und Privatdozent Dr. Andreas Lenich, Oberarzt in der gleichen Abteilung.

Stichwort: Ellenbogengelenk

Das Ellenbogengelenk setzt sich aus Anteilen dreier Knochen zusammen. Dazu gehört das untere Ende des Oberarmknochens (Humerus) und die oberen Enden der beiden Unterarmknochen, der Speiche (Radius) und der Elle (Ulna). Sie bilden drei Teilgelenke, die in einer gemeinsamen Gelenkkapsel stecken.

Die Knochen sind dabei so geformt, dass sie bei jeder Bewegung genau ineinandergreifen. Dabei lässt sich der Unterarm in Richtung Schulter beugen und strecken. Das ermöglichen vor allem der Beuge- (Bizeps) und Streckmuskel (Trizeps) des Oberarms.

Das Ellenbogengelenk ist aber auch beteiligt, wenn man die Handflächen nach oben oder unten dreht. Durch seinen Bau gehört das Gelenk zu den stabilsten im menschlichen Körper. Das liegt vor allem daran, dass die Knochen bei jeder Bewegung von Bändern in der Gelenkkapsel formschlüssig geführt und zusammengehalten werden, vor allem von den Seitenbändern an Elle und Speiche.

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