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Prof. Andreas Imhoff ist Chefarzt der Abteilung für Sportorthopädie am Klinikum rechts der Isar in München.

Tennisellenbogen: Was ist die richtige Therapie?

Wenn Sabine Lisicki den Ball über das Netz drischt, muss man sich um eins wohl wenig sorgen: Dass sich die Sportlerin dabei einen Tennisellenbogen zuzieht. 

Obwohl gerade Profis hart und viel trainieren, trifft es sie nur selten. Zwar ist der Schmerz im Arm meist Folge einer Überlastung und gerade eine einseitige Belastung wie beim Tennis kann dazu führen. Doch plagen sich damit meist Freizeitsportler, denen es nicht selten an der richtigen Technik fehlt. Sie haben dem Tennisellenbogen auch seinen Namen eingebracht.

Doch muss man nicht den Schläger schwingen, um sich einen solchen zuzuziehen: Es kann jeden treffen, der seinen Arm einseitig belastet und dabei zu viel zumutet – etwa bei der täglichen Büroarbeit mit der Computermaus. Das sei sogar bei viel mehr Patienten die Ursache der Beschwerden, sagt Dr. Andreas Lenich. Er ist Oberarzt in der Abteilung für Sportorthopädie des Münchner Klinikums rechts der Isar, die von Prof. Andreas Imhoff geleitet wird.

Schmerzen am Oberarmknochen

Ähnlich verhält es sich mit dem Golferellenbogen. Auch der kann jeden treffen. Im Gegensatz zum Tennisellenbogen sind es jedoch andere Muskeln und Sehnen, die übermäßig beansprucht wurden. In beiden Fällen führt der ständige Zug der Muskeln an den Sehnen dazu, dass diese dort, wo sie am Oberarmknochen ansetzen, gereizt werden. „Das ist auch der Auslöser der Schmerzen“, sagt Lenich. Nicht etwa eine Entzündung, wie oft behauptet wird. Eine solche könne aber später hinzukommen.

Der Arm braucht eine Pause

Der Arm braucht dann vor allem eins: eine Pause. Gerade bei Patienten mit einem Mausellenbogen ist eine längere Auszeit im Beruf aber meist nicht drin. Spezielle Gelkissen zum Ablegen des Arms, eine andere Sitzposition und technische Hilfsmittel können Entlastung schaffen. Zudem sollte man bei der Arbeit öfter die andere Hand nehmen.

Diagnose Tennisellenbogen?

Vor jeder Therapie steht aber die richtige Diagnose. Viel kann der Arzt dabei durch genaues Nachfragen und einfache Tests erfahren. So führt es bei Betroffenen oft zu Schmerzen, wenn man auf die Sehnenenden drückt oder wenn sie die Muskeln im Arm anspannen. Auch beim Greifen und Festhalten von Gegenständen haben Patienten oft Probleme, die Schmerzen werden dann stärker. Eine Reihe spezieller Handgriffe helfen dem Arzt, der Ursache der Beschwerden auf die Spur zu kommen. Einen ersten Blick ins Gelenk verschafft er sich per Ultraschall. Damit lassen sich auch Bänder erkennen.

Genauer kann der Arzt diese bei einer Magnet-Resonanz-Tomografie unter die Lupe nehmen. Sinnvoll kann auch eine Röntgenuntersuchung sein. Die Behandlung folgt dann gemäß der medizinischen Leitlinien, in denen die optimale Therapie festgelegt ist, einem Stufenplan: In Phase eins soll der Patient alle Bewegungen meiden, die zu Schmerzen führen. „Aktive Ruhe“ nennt Lenich das. Die Schmerzen lindert man zudem in den ersten drei Wochen mit Tabletten. Auch mehrmals täglich Kühlen gehört zur Therapie. Für die Nacht bekommen Patienten eine spezielle Schiene fürs Handgelenk, die es in eine für den Ellenbogen entspannendere Haltung zwingt.

In Stufe zwei der konservativen Behandlung kommt zum Kühlen im Wechsel eine Wärmebehandlung, zudem eine Physiotherapie des Arms. Eine spezielle Bandage, eine Epicondylitis-Spange, kann vorübergehend den Druck auf die Muskeln verringern.

Kortison kann die Sehnen langfristig schädigen

In Stufe drei wird der Arm mit speziellen Übungen wieder fit für den Alltag gemacht. Ziel ist es, die Kraft der Muskeln gleichmäßig zu stärken. Vor Kortisonspritzen warnt der Experte dagegen – auch wenn diese immer noch oft verabreicht werden. Der Patient ist zwar schnell schmerzfrei. Doch sei inzwischen bekannt, dass Kortison langfristig die Sehnen schädigt. Der schnelle Erfolg ist daher teuer erkauft. Aus den Leitlinien wurden die Spritzen beim Tennisarm daher verbannt.

Stoßwellentherapie

Umstritten sind auch die Stoßwellentherapie und das Einspritzen von Eigenblut (ACP). Sie setzen laut Lenich immerhin einen Entzündungsreiz, der die Heilung fördern kann. Doch ist der Nutzen umstritten. Wer es versuchen will, muss Behandlungen daher selbst bezahlen.

Verschiedene OP-Methoden

Hilft alles nichts, raten Ärzte manchmal zur Operation. Dabei gibt es verschiedene Verfahren. So werden manchmal die schmerzenden Sehnen einfach gekappt, um die Überlastung zu beenden.

Für Lenich und seine Kollegen kommen diese OP-Methoden nicht infrage, da diese Eingriffe das Gelenk weniger stabil machen. Zudem ist bei einem von zehn Patienten gerade eine solche Instabilität der Ursprung der Beschwerden – und nicht allein überlastete Muskeln. Dazu kommt es, wenn ein Band, etwa bei einem Unfall, verletzt wurde oder gerissen ist. Liegt die Verletzung lange zurück, fehlt das Band manchmal sogar ganz. Dann hat es der Körper, nachdem es seine Funktion verloren hatte, einfach abgebaut. In einer Operation kann man das Band dann durch ein Stück der Trizepssehne ersetzen.

Andrea Eppner

Leserfragen an die Experten: wissenschaft@merkur-online.de

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