+
Knapp drei Millionen Bundesbürger leiden unter chronischen Tinnitus.

Tinnitus: Hoffnung auf neue Therapie

London -  Es ist unerträglich - permanet rauscht oder pfeift es im Ohr. Knapp drei Millionen Bundesbürger leiden unter chronischen Tinnitus. Jetzt haben Wissenschaftler eine neue Therapie gefunden.

Erstmals wollen Forscher eine Therapie gegen die Ursache von Tinnitus erproben. Eine amerikanische Studie an Ratten deutet darauf hin, dass eine Stimulation des Vagusnervs eine Neuorganisation der Nervenzellen im Hörkortex ermöglicht, die die lästigen Ohrgeräusche dauerhaft verstummen lässt. Eine Pilotstudie an Menschen soll in den kommenden Monaten in Europa starten.

Studien deuten darauf hin, dass dieser Tinnitus auf Veränderungen im Gehirn beruht. Eine ursächliche Behandlung Therapie gibt es bislang nicht. Gegenwärtig zielen Therapien darauf ab, entweder die Geräusche zu maskieren oder aber die Patienten dazu zu bringen, sie zu ignorieren.

Elektrische Reizung des Vagusnerv

Einen neuen Ansatz stellen Forscher der Universität von Texas in Dallas in der Zeitschrift “Nature“ vor. Sie glauben, dass bei Tinnitus aus bislang unbekannten Gründen Nervenzellen im Hörkortex auf bestimmten Frequenzen feuern. Die elektrische Reizung eines bestimmten Hirnnervs, des Vagusnervs, soll zur Ausschüttung von Botenstoffen und zur Neuausrichtung der Neuronen führen.

Der Vagusnerv bildet zusammen mit dem Sympathikus das vegetative Nervensystem, das etwa Blutdruck und Herzfrequenz steuert. Abgewandt wird die Stimulierung der Vagusnervs bereits seit Jahren zur Therapie von Depression und Epilepsie.

Die Forscher spielten Ratten 300 Mal täglich einen hohen Ton vor und stimulierten jeweils gleichzeitig den Nerv. Nach drei Wochen kehrten die Neuronen im Hörzentrum der Ratten zu ihrer normalen Aktivität zurück. Hörtests deuten darauf hin, dass daraufhin auch die Ohrgeräusche stoppten, wie die Forscher in der Zeitschrift Nature? berichten. “Im Gegensatz zu früheren Therapien verstecken wir den Tinnitus nicht“, sagt Autor Michael Kilgard. “Wir führen das Gehirn von einem Tinnitus-erzeugenden Zustand in einen Zustand, der keinen Tinnitus erzeugt. Wir schalten die Ursache des Tinnitus ab.“

dapd/Quelle: “Nature“, Online-Vorabveröffentlichung

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

So beeinflusst das Atmen unser Gehirn

Bei Yoga und Meditation spielen bestimmte Atemtechniken eine entscheidende Rolle. Bewusst ein- und auszuatmen, entspannt. Welchen Effekt das Atmen tatsächlich auf unser …
So beeinflusst das Atmen unser Gehirn

Bindehautentzündung: Das können die Ursachen sein

Das Auge ist gerötet, verklebt und schmerzt. Die Diagnose lautet dann oft Bindehautentzündung. Das klingt harmlos. Doch Bakterien, Pilze oder Viren können das Auge …
Bindehautentzündung: Das können die Ursachen sein

Lacrima: Neues Johanniter-Zentrum für trauernde Kinder

Eine Heimat für trauernde Kinder haben die Johanniter in der Perlacher Straße 21 in Obergiesing geschaffen. Im Trauerzentrum Lacrima werden Kinder und Familien auf über …
Lacrima: Neues Johanniter-Zentrum für trauernde Kinder

Fetten Haare durch häufiges Waschen schneller?

Viele Shampoos werben mit dem Zusatz: "Für die tägliche Haarwäsche geeignet". Doch ist ein derart häufiges Reinigen der Kopfhaut überhaupt gut? Es kommt auf die Art des …
Fetten Haare durch häufiges Waschen schneller?

Kommentare