Sind mit dem Ultraschall der Prostata zufrieden: Urologe PD Dr. Alexander Roosen (re.) und PD Dr. Christian Gratzke, Leiter des interdisziplinären Prostatazentrums im Klinikum Großhadern.
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Sind mit dem Ultraschall der Prostata zufrieden: Urologe PD Dr. Alexander Roosen (re.) und PD Dr. Christian Gratzke, Leiter des interdisziplinären Prostatazentrums im Klinikum Großhadern.

Urologie

Vergrößerte Prostata: Neue Methode mit Laser

Plötzlich kommt kein Tropfen mehr. Wenn sich die Prostata vergrößert, kann sie die Harnröhre komplett abdrücken – und das sogar über Nacht. Ein neues Verfahren erspart Patienten einen großen Eingriff.

Es war Freitagabend. Norbert H. saß zusammen mit Schulfreunden beim monatlichen Stammtisch und gönnte sich ein dunkles Bier. „Da war die Welt noch in Ordnung“, sagt er. Doch in der Nacht begannen plötzlich die Probleme: Norbert H. überfiel ein starker Harndrang. Er ging zur Toilette. Nichts. Doch die Beschwerden wurden immer schlimmer – von Stunde zu Stunde. Immer wieder versuchte er, sich zu erleichtern. Nichts. „Es brannte, drückte, schmerzte“, erzählt er. „Unbeschreiblich.“

Um sechs Uhr morgens wählte Norbert H. schließlich verzweifelt die Nummer der nächsten Urologischen Station einer Klinik. Die empfahlen ihm, sofort nach München in die Notaufnahme zu fahren. Er stieg ins Auto und fuhr los. Die Schmerzen waren kaum zu ertragen. Im Krankenhaus angekommen, wurde ihm in der Notambulanz sofort ein Katheter gelegt: Die Blase war prall gefüllt – mit 1,6 Litern Urin. Die Ursache: Die Prostata hatte die Harnröhre komplett verschlossen.

Dass seine Prostata langsam zum Problem wurde, wusste Norbert H. schon länger. Die Blase entleerte sich nicht mehr vollständig. Immer mehr Harn blieb nach dem Wasserlassen zurück, zunächst 30 Milliliter, dann bereits 90 Milliliter. Der Hausarzt sagte schließlich besorgt: „Also die Prostata gefällt mir nicht, die ist langsam sehr groß.“ Doch Norbert H. nahm das nicht allzu ernst. Seit Jahren nahm er zudem Tabletten ein, um das weitere Wachstum der Drüse zu hemmen. „Ich hatte keine großen Probleme“, sagt er. Zwei bis drei Mal musste er zwar nachts raus. „Doch das störte kaum. Ich bin gleich wieder eingeschlafen.“

Nach zwei Tagen konnte der Katheter entfernt werden

Aber mit einer Nacht war alles anders. Der Katheter im Krankenhaus Harlaching brachte erst mal Erleichterung – und verschaffte Zeit. Norbert H. durfte nach Hause gehen. Dort konnte er überlegen, wie es weitergehen sollte. Eine Operation war unumgänglich. Sein Hausarzt empfahl ihm die Urologische Poliklinik in Großhadern.

Dort wurde Norbert H. gründlich untersucht. Die Prostata war stark vergrößert, hatte ein Volumen von etwa 100 Millilitern. Normal sind um die 25 Milliliter. Wegen der Größe kam vor allem eine offene Operation in Frage. Dabei wird ein Bauchschnitt gemacht und das Drüsengewebe über die Blase entfernt.

Offene Operation nicht die einzige Option

Doch war es nicht die einzige Option. Denn für Patienten mit gutartig vergrößerter Prostata gibt es heute eine Vielzahl von Behandlungsmöglichkeiten, von Medikamenten über minimal-invasive Methoden bis hin zu herkömmlichen Operationen. In Großhadern werden alle etablierten Verfahren angeboten. Das hat große Vorteile: So kann für jeden Patienten die Methode gewählt werden, die am besten geeignet ist.

Auch im Fall von Norbert H. berieten sich die Experten. „Die haben richtig ein kleines Konsil abgehalten“, sagt er. Dann war klar: Für ihn kam neben der OP mit Bauchschnitt die HoLEP, die Holmium-Laser-Enukleation der Prostata, infrage. Die innovative Methode erlaubt es, die Drüse minimal-invasiv deutlich zu verkleinern – und das auch bei stark vergrößerter Prostata.

Experte für die neue Technik ist in Großhadern Dr. Alexander Roosen. Er ist einer von wenigen Spezialisten in Deutschland. Denn trotz sehr guter Ergebnisse wird die Methode bislang nur an wenigen Kliniken angeboten. „Man braucht dafür sehr viel Erfahrung“, sagt Roosen. „Die Lernkurve ist dabei recht flach.“ Roosen selbst hat die Methode in Berlin bei einer ausgewiesenen Expertin gelernt – und sie nach München mitgebracht.

„Die Ärzte haben mir alles genau erklärt“, sagt Norbert H. Bei dem Eingriff wird über die Harnröhre ein Instrument eingeführt, an dessen Spitze ein Laser sitzt. So kann der Chirurg die Prostata ohne Bauchschnitt erreichen. Der Holmium-Laser funktioniert dabei wie ein hochpräzises Messer. Er schält das Gewebe der Innendrüse von der äußeren ab. „Dort befindet sich eine Schicht Bindegewebe“, sagt Roosen. Zudem stoppt der Laser gleichzeitig kleine Blutungen. Das abgetrennte Gewebe wird dann durch die Harnröhre nach oben in die Blase gedrängt. Dort wird es mit Hilfe eines zweiten Instruments zerkleinert und abgesaugt.

Norbert H. entschied sich für die neue Methode. „Ich hatte Vertrauen, dass es das Richtige ist“, sagt er. Am nächsten Montag sollte die OP sein. Am Freitag davor wurde nochmals der Urin untersucht, da Norbert H. noch immer einen Katheter trug. „Die Schwester hat mich zurückgerufen – zum Glück“, sagt er. Denn es wurden bereits Bakterien festgestellt. Norbert H. bekam ein Antibiotikum. Am Samstag hatte er plötzlich Fieber, doch die Medikamente schlugen an. Als er am Sonntagabend ins Krankenhaus kam, war er bereits wieder fieberfrei und alles lief nach Plan.

Montagmorgen kam Norbert H. in den OP. Nach 75 Minuten war der Eingriff überstanden. „Beim Aufwachen hatte ich überhaupt keine Schmerzen“, sagt er. Die erste Nacht sei dann etwas unangenehm gewesen. Ihn plagte ständiger Harndrang. Doch das ging rasch vorüber.

Heute, nur zwei Tage später, spürt er davon nichts mehr. Auch der Urin ist wieder klar. Der Katheter konnte entfernt werden. Von dem Ergebnis ist Norbert H. begeistert: Beim Wasserlassen bleibt kein Restharn mehr in der Blase. „Alles läuft wieder wie bei einem jungen Mann“, sagt er. Morgen, knapp vier Tage nach der OP, kann Norbert H. nach Hause – und muss keine Angst haben, nicht zur Toilette gehen zu können. Und er kann sich darauf freuen, mal endlich wieder eine Nacht durchzuschlafen.

Sonja Gibis

Stichwort: die Prostata

Die Prostata, auch Vorsteherdrüse genannt, liegt unterhalb der Harnröhre und umgibt diese. Sie produziert ein Sekret, das beim Samenerguss mit den Spermien vermischt nach außen abgegeben wird. Diese Flüssigkeit erhöht die Lebensfähigkeit der Samenzellen und macht sie bewegungsfähiger. Direkt hinter der Prostata liegt der Mastdarm (Rektum). Deshalb kann die Drüse vom Enddarm aus, etwa bei der Untersuchung beim Urologen, mit dem Finger ertastet werden.

Beim älteren Mann neigt die Prostata dazu, sich zu vergrößern und Knoten zu bilden. Nicht immer lässt sich leicht beurteilen, ob diese gut oder bösartig sind. Um dies abzuschätzen, werden Laborwerte wie das prostataspezifische Antigen (PSA-Wert) herangezogen. Eine sichere Diagnose ist aber nur durch eine Gewebeprobe, eine Biopsie, möglich. Diese wird dann auf Krebszellen hin untersucht.

Experte

Priv.- Doz. Dr. Alexander Roosen ist Oberarzt an der Urologischen Klinik und Poliklinik in Großhadern, Klinikum der Universität München.

sog

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