weisse blutkoerperchen
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Neuartige weiße Blutkörperchen (T-Lymphozyten) unter dem Mikroskop. Die Abwehrzellen könnten bald eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung von Blutkrebs spielen.

Immuntherapie

Blutkrebs: Forscher melden Riesenerfolge dank T-Zellen

Washington - Nach einer Klinikstudie sind mehr als die Hälfte der teilnehmenden, eigentlich unheilbar erkrankten Blutkrebspatienten symptomfrei, berichtet der englische Guardian.  Von "beispiellosen" Ergebnissen sprechen die Forscher der renommierten University of Washington. 

Sie veränderten sogenannte T-Lymphozyten, eine Gruppe der weißen Blutkörperchen, die im Körper für die Immunabwehr zuständig sind, so dass diese bestimmte Blutkrebsarten angreifen konnten. Dieses Ausnutzen der körpereigenen Abwehrzellen sei bei Patienten, die üblicherweise nur noch eine Lebenserwartung von wenigen Monaten haben, von außergewöhnlichem Erfolg gekrönt worden, berichtet der Guardian weiter.

Im Rahmen einer Studie seien bei 94 Prozent der Patienten, die an akuter lymphatischer Leukämie litten, sämtliche Krankheitssymptome abgeklungen. Erkrankte mit anderen Blutkrebsarten hätten zu mehr als 80 Prozent auf die Behandlung angesprochen und mehr als die Hälfte von ihnen zeige keine Krankheitssymptome mehr.

"Es ist, ehrlich gesagt, beispiellos in der Geschichte der Medizin, dass so viele dieser Patienten im fortgeschrittenen Stadium auf eine Behandlung ansprechen", erklärte der Forscher Stanley Riddell auf einem Forscherkongress in der US-Hauptstadt Washington.

Münchner Forscher beteiligt

An der Forschung zu den T-Zellen beteiligt war auch ein Team der Technischen Universität München (TUM) unter der Leitung von Prof. Dr. Dirk Busch. "Die Konkurrenz innerhalb der Wissenschaft ist groß und das Interesse der Industrie wächst", sagte Busch in einer Presseerklärung der TUM. Gemeinsam mit einer amerikanischen und einer italienischen Forschergruppe hätten die Wissenschaftler daran gearbeitet, "Zellprodukte bereitzustellen, die sich nach der Übertragung in Patienten stark vermehren und für lange Zeit – potentiell lebenslang – aktiv bleiben."

Modifizierte Abwehrzellen attackieren den Blutkrebs

Für die Behandlung mit den T-Lymphozyten, kurz T-Zellen, entnehmen Ärzte diese bei den Patienten und versehen sie mit "Rezeptor-Molekülen", die spezifische Krebstypen angreifen, so wie andere T-Zellen sich gegen Grippeviren oder andere Infektionen wehren. Anschließend werden die Zellen wieder in den Körper des Patienten injiziert.

"Es gibt Gründe optimistisch zu sein, es gibt Gründe pessimistisch zu sein", erklärte der der Wissenschaftler Riddell weiter. Durch eine Reduzierung der T-Zellen-Dosis hoffe man, zukünftig das Risiko von Nebenwirkungen zu verringern. "Diese treten bei Patienten auf, bei denen jede andere Behandlung versagt hat", so Riddell weiter. "Die meisten Patienten in unserer Studie hatten eine Lebenserwartung von zwei bis fünf Monaten.

Körpereigene Zellen als "lebendes Medikament"

Riddells Kollegin, die Italienerin Chiara Bonini von der Universität Mailand, spricht sogar von einer "regelrechten Revolution". Sie habe in über 15 Jahren kein derartiges Abklingen der Symptome erlebt wie in den jüngsten Versuchen. "T-Zellen sind ein lebendiges Medikament und haben das Potential, unser ganzes Leben lang im Körper aktiv zu bleiben", zitiert der Guardian die Forscherin weiter.

Bisher hätten sich die Tests allerdings nur auf bestimmte Blutkrebsarten bezogen. Versuche an Tumoren stünden noch aus, außerdem müsse man beobachten, wie lange die Patienten symptomfrei blieben. Denn die Therapie bedeutet nicht automatisch eine Heilung: Krebszellen können sich manchmal vor den körpereigenen Abwehrkräften verbergen oder diese durch das Auslösen einer Immun-Überreaktion schlichtweg überwältigen.

T-Zellen sind oft letztes Mittel

Die T-Zellen-Therapie gilt häufig als letztes Mittel, da die Neuprogrammierung des Immunsystems gefährliche Nebenwirkungen nach sich ziehen kann. Zwanzig Patienten der Studie litten an Fieber, Blutunterdruck und Schädigung des Nervengewebes, zwei von ihnen starben. Die Forscher betonten jedoch, dass bei allen Teilnehmern der Studie eine vorangegangene Chemotherapie wirkungslos geblieben sei.

Genau wie Chemo- und Strahlentherapie weder die T-Zellen-Therapie kein Wundermittel sein, erläuterte der US-Forscher Riddell, betonte aber: "Ich glaube, dass sich die Immuntherapie endlich zu einem Stützpfeiler der Krebsbehandlung entwickelt hat." Auf die Frage, bis wann die Erprobungsphase der Behandlungsmethode abgeschlossen sein könnte, hatte Riddell keine Antwort parat. Seine italienische Kollegin Bonini zeigte sich laut Guardian optimistischer: "Ich glaube wir sind sehr nahe an einer Art Zell-Präparat."

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