+
Bei einer Blutspende werden circa 500 Milliliter Blut entnommen.

Weltblutspendertag am 14. Juni

Zu wenig Deutsche spenden Blut

Eine Blutspende kann Leben retten. Jeder dritte Deutsche könnte Blut spenden, aber nur drei Prozent tun es. Aktionen zum Weltblutspendertag am 14. Juni sollen mehr Menschen mobilisieren. 

Wenn Andreas Kramer auf dem Berliner Alexanderplatz den Blutspende-Bus des Deutschen Rotes Kreuzes (DRK) sieht, berührt ihn das, immer wieder: „Jahrelang habe ich dort in meinen Mittagspausen Blut gespendet. Seit einer Krankheit vor drei Jahren geht das leider nicht mehr“, bedauert der Bankangestellte. „Nach 50 Spenden stand ich plötzlich als Empfänger auf der anderen Seite“, erzählt der 49-Jährige. Eine Plasmaspende habe ihm geholfen, wieder gesund zu werden. Seit er selbst nicht mehr dürfe, werbe er unter seinen Kollegen umso mehr für Blutspenden.

Auch das DRK versucht, gerade rund um den Weltblutspendertag am 14. Juni, mit vielen Aktionen neue Spender zu mobilisieren - mit der aktuellen Kampagne „Mut-Spende“ gemeinsam mit Fußballprofis der Bundesliga zum Beispiel.

Keine Angst vor dem ersten Mal

Derzeit spenden hierzulande nur wenige Menschen Blut: „33 Prozent könnten, aber im Schnitt tun es nur drei Prozent“, sagt Kerstin Schweiger, Sprecherin des DRK-Blutspendedienstes Nord-Ost. Noch könne der Bedarf an Blutkonserven gedeckt werden. Doch der demografische Wandel sorge in den kommenden Jahrzehnten für einen höheren Bedarf. „Da die Menschen immer älter werden, wird auch immer mehr Blut für die medizinische Versorgung benötigt“, sagt Schweiger.

Ältere Menschen können nicht unbegrenzt spenden. Nach dem 72. Geburtstag ist Schluss. „Und bei den jungen Leuten spüren wir jetzt den Geburtenknick vom Beginn der 1990er Jahre. Es gibt deutlich weniger 18-Jährige als noch vor zwei, drei Jahren“, sagt Schweiger. Die Masse an Nichtspendern unter den 18- bis 72-Jährigen sei daher ein Puffer, der mobilisiert werden müsse.

Die Blutspendedienste des DRK decken einen Großteil des Bedarfs in Deutschland ab. Daneben sammeln auch Kliniken und private Anbieter Blut. 2014 kamen allein beim DRK 3,7 Millionen Vollblutspenden zusammen - von rund 4,3 Millionen Spenden deutschlandweit. 2011 waren es laut Paul-Ehrlich-Institut noch etwa 4,9 Millionen.

Schweiger sieht in der demografischen Entwicklung die Hauptursache für den Rückgang. Saisonal rückläufig sei das Aufkommen zudem meist im Sommer und rund um die Weihnachtsfeiertage. Komplett ausgegangen seien die Konserven, die vor allem für Krebspatienten, Unfallopfer, Organtransplantierte, aber auch Ungeborene im Mutterleib gebraucht werden, aber noch nie.

Den typischen Dauerspender gebe es beim DRK nicht, sagt Schweiger: „Die Spender kommen aus allen Altersgruppen und allen sozialen Schichten“. Was viele antreibe, seien Erfahrungen als Empfänger oder auch ein Bezug zu Menschen, die auf Spenden angewiesen seien. Zu letzteren gehört auch der Berliner Andreas Schlegel. „Der ehemalige Partner meiner Lebensgefährtin ist vor fünf Jahren an Krebs gestorben. Während der Therapie war er auf Blutspenden angewiesen“, erzählt der 54-Jährige. Seither kämen er und seine Lebensgefährtin wieder regelmäßig zum Spenden.

Dass es für den jeweils insgesamt etwa 40 Minuten dauernden Termin keine finanzielle Entschädigung gibt, stört Schlegel nicht. „Es tut nicht weh und ist ja etwas Gutes. Das Geld ist mir dabei egal“, sagt er. Für andere Spender wie etwa die aus Cottbus stammende Arzthelferin Ramona Böhm spielt der finanzielle Aspekt schon eher eine Rolle. Angesichts der hohen Lebenshaltungskosten und niedrigen Löhne sei ihr Geld als Entschädigung lieber als ein Buffet, wie es bei den DRK-Blutspendediensten angeboten wird. Sie bevorzuge deshalb die Haema AG, den eigenen Angaben zufolge größten privaten Anbieter.

„Die Spende von Blut, Blutplasma oder anderen Blutbestandteilen ist in Deutschland grundsätzlich freiwillig und unentgeltlich, auch bei der Haema“, sagt Sprecher Jan Noack. Der Dienst nutze aber die gesetzlich geregelte Möglichkeit, eine Aufwandsentschädigung zu zahlen. Für eine Vollblutspende gebe es 20 Euro. Mit Geld könne jeder selbst entscheiden, was er tue, betont Noack. „Im Gegensatz zum DRK gehen wir damit offen um, dass wir ein Pharmaunternehmen sind und ein Fertigarzneimittel herstellen. Für das Produkt gibt es einen Markt und auch einen Preis.“

Wer darf Blutspenden?

Wer Blut spenden will, muss gesund und volljährig sein. Bei der ersten Spende sollte der Spender außerdem nicht älter als 65 Jahre sein.  Hat jemand bereits Blut gespendet, darf er das derzeit bis zu seinem 72. Geburtstag weiterhin machen, wenn sein Gesundheitszustand nicht dagegen spricht. Gesunde Männer können dem DRK zufolge bis zu sechsmal innerhalb von zwölf Monaten Blut spenden, gesunde Frauen im gleichen Zeitraum bis zu viermal. Der Abstand zwischen den Terminen muss mindestens acht Wochen betragen.

Manche Vorerkrankungen wie Krebs oder bestehende Erkrankungen wie Tuberkulose schließen es ebenfalls aus. Auch mit einer Erkältung oder Infektion lässt man Blutspenden lieber bleiben, bis sie wieder abgeklungen ist. Ob der Spende etwas im Weg steht, wird im Vorfeld aber mit einem Anamnesebogen und einem anschließenden Arztgespräch geklärt.

Wichtig: Zur Blutspende Personalausweis mitbringen. Vorher etwas essen und viel trinken.

Mehr Infos rundum das Thema Blutspende oder wo Sie Blut spenden können gibt es unter www.einfachlebenretten.de.

Blut - Saft des Lebens

Blut - Saft des Lebens

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Behälter für Kontaktlinsen regelmäßig desinfizieren

Wer Kontaktlinsen trägt weiß: Mit den Linsen sollte man behutsam umgehen, um Dreck im Auge zu vermeiden. Doch auch die dafür vorgsehenen Behälter müssen regelmäßig …
Behälter für Kontaktlinsen regelmäßig desinfizieren

Weltweit erstes Baby mit drei Eltern geboren

Das erste Baby mit dem Genmaterial von drei Eltern ist in Mexiko zur Welt gekommen. Mit Hilfe einer neuartigen und umstrittenen Technik ist der kleine Junge gesund …
Weltweit erstes Baby mit drei Eltern geboren

Brustkrebs tut erstmal nicht weh - oder doch?

Brustkrebs ist die häufigste Krebsart in westlichen Industrienationen. Doch nicht immer deuten Schmerzen auf einen Tumor hin. Abhängig vom Alter kommen auch andere …
Brustkrebs tut erstmal nicht weh - oder doch?

Nierensteine?! Dann sollten Sie Achterbahn fahren

Diese Therapie klingt verrückt: Wer an kleinen Nierensteinen leidet, sollte nach Ansicht von US-Forschern einfach mal ein paar Runden Achterbahn fahren. Wirklich. Aber …
Nierensteine?! Dann sollten Sie Achterbahn fahren

Kommentare