Verschiedene Sorten Aufschnitt liegen am Dienstag (09.12.2008) in der Auslage einer Fleischerei in Osnabrück. Die Verbraucher greifen trotz des Skandals um Dioxin-belastetes Schweinefleisch aus Irland offensichtlich weiter zu Schnitzel & Co. "Wir haben keine Einbrüche beim Absatz zu verzeichnen", sagte der Obermeister der Fleischer-Innung Münster, Schmidt, am Dienstag. Nach bisherigen Erkenntnissen der Behörden sind seit September mehr als 1000 Tonnen Schweinefleisch aus unter Dioxin-Verdacht stehenden irischen Höfen an vier Zerlegebetriebe und Fleischverarbeiter in Nordrhein-Westfalen geliefert worden. Foto: Friso Gentsch dpa/lnw/lni +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Wurst und Schinken sind für die Gesundheit gefährlich.

Risiko für Darmkrebs

WHO stuft Wurst und Schinken als krebserregend ein

Auf ein Wurstbrot oder Speck zu verzichten, fällt vielen schon beim Frühstück schwer. Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben Wurst und Schinken als krebserregend eingestuft.

Verarbeitete Fleischerzeugnisse wie Wurst und Schinken sind laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) für die Entstehung von Darmkrebs mitverantwortlich. Auch bei rotem Fleisch sei dies "wahrscheinlich" der Fall, erklärte die zur WHO gehörende internationale Krebsforschungsagentur (IARC) am Montag. Die Ergebnisse würden bisherige Ernährungsempfehlungen stützen, den Fleischkonsum zu beschränken, erklärte IARC-Direktor Christopher Wild.

Laut der Agentur ist das individuelle Risiko einer Krebserkrankung durch den Verzehr verarbeiteter Fleischerzeugnisse statistisch gesehen "gering", steigt jedoch mit der gegessenen Fleischmenge. "Jede verzehrte Portion verarbeiteten Fleischs von täglich 50 Gramm erhöht das Darmkrebsrisiko um 18 Prozent", hieß es in der IARC-Studie.

Man kann jedes Fleisch bedenkenlos essen. Es kommt aber auf die Menge an“, betonte Professor Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke, der nicht an dem Bericht beteiligt war. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, nicht mehr als 300 bis 600 Gramm Fleisch und Fleischwaren pro Woche zu essen. Die Realität sehe aber bundesweit anders aus, sagte DGE-Pressesprecherin Antje Gahl in Bonn. So verzehrten Männer im Durchschnitt wöchentlich etwa doppelt so viel - nämlich 1092 Gramm. Frauen liegen demnach mit 588 Gramm an der oberen Grenze.

Diese Fleischprodukte sind potenziell gesundheitsgefährdend

Fleisch lässt sich beispielsweise durch salzen, pökeln, räuchern oder fermentieren verarbeiten und haltbar machen. Zu den laut der Studie potenziell gesundheitsschädlichen Produkten gehören daher zum Beispiel Würstchen, Dosenfleisch, Trockenfleisch oder Soßen auf fleischlicher Basis.

Bei diesen Nahrungsmitteln gebe es "hinreichend Anzeichen" dafür, dass ein Zusammenhang mit der Entstehung von Krebs existiere, stellten die Wissenschaftler fest. Ob eine bestimmte Art der Zubereitung das Risiko verändert, ließ die Studie offen.

Verzehr von rotem Fleisch auch ein Risiko

Zudem gebe es "starke Anzeichen" für einen direkten Zusammenhang zwischen dem Konsum von rotem Fleisch und Darmkrebs, schrieben die Forscher. Auch bei Bauchspeicheldrüse und Prostata sei eine krebserregende Wirkung von rotem Fleisch naheliegend, wenn auch nicht so stark wie beim Darmkrebs.

Die IARC fügte verarbeitete Fleischerzeugnisse nun der selben Kategorie krebserregender Stoffe hinzu, in der sich beispielsweise auch schon Tabakrauch und Asbest befinden. Sie betonte jedoch, dass dies nicht mit einem genauso hohen Risiko durch Fleischkonsum gleichzusetzen sei.

Nobelpreisträger kritisiert Studie

Im Prinzip bestätige die Einschätzung der Krebsforschungsagentur die vorliegenden Befunde, sagte der deutsche Medizin-Nobelpreisträger Harald zur Hausen. Der Professor kritisierte jedoch, dass in dem Bericht nicht erwähnt werde, dass es Länder mit hohem Fleischkonsum gebe, in denen die Dickdarmkrebs-Raten trotzdem sehr niedrig sind. Aus seiner Sicht müsste daher mehr zwischen den verschiedenen Sorten roten Fleisches differenziert werden. So gebe es Anhaltspunkte, dass vor allem bestimmte Sorten von Rindfleisch das Risiko steigern, sagte der frühere Vorstandsvorsitzende des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg. Die WHO-Behörde ist der Auffassung, dass die Daten für eine solche Unterscheidung nicht ausreichen.

Ernährungswissenschaftler weisen darauf hin, dass Fleisch unter anderem Eisen und wichtige Vitamine liefert. Wer kein Fleisch essen möchte, muss sich andere Lieferanten für wichtige Nährstoffe suchen.

Bei ihren Ergebnissen stützen sich die Wissenschaftler auf die Auswertung von mehr als 800 Studien, die sich mit einem möglichen Zusammenhang zwischen Fleischkonsum und Krebsrisiko beschäftigen.

AFP/dpa

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