Keine leichte Situation: Wer mit der Wahl seines Studiengangs unzufrieden ist, muss sich irgendwann entscheiden, ob er abbrechen will. Foto: Markus Scholz
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Keine leichte Situation: Wer mit der Wahl seines Studiengangs unzufrieden ist, muss sich irgendwann entscheiden, ob er abbrechen will.

Abbrechen oder nicht

Wann lohnt sich ein Studienfachwechsel?

Zweifel am Studienfach kennt fast jeder. Bei manchen gehen sie aber gar nicht wieder weg. Wann ist es Zeit, eine Entscheidung zu treffen? Und wie gehen Studenten dabei vor?

Berlin - Ist das Studienfach das richtige für mich? Viele Erstsemester sind unsicher, ob sie ein Studium machen, das zu ihnen passt.

Vor allem in den ersten Semestern, die häufig daraus bestehen, das System Uni zu durchblicken und sich durch Grundlagen-Module zu kämpfen. Was passiert, wenn die Zweifel immer größer werden? Und ab wann sind sie nicht mehr unter dem Begriff Durststrecke zu verbuchen?

Entscheidend sei die Intensität der Gefühle, sagt Hans-Werner Rückert von der Studienberatung der Freien Universität (FU) Berlin. Bin ich überfordert? Fehlt mir der Antrieb, zur Uni zu gehen? Um die ersten Zweifel richtig zu deuten, ist es wichtig, seine eigene Persönlichkeit einzuschätzen. "Glaubt man, eine hohe Toleranzgrenze zu haben, oder ist man eher ungeduldig", sagt Psychologie-Professor Stephan Dutke von der Universität Münster.

Christoph* (22) hat sein Studium abgebrochen und vor einem Jahr den Neuanfang an der Leuphana Universität Lüneburg gewagt. Zwei Semester hat er gebraucht, um zu erkennen, dass der Studiengang wirtschaftspolitischer Journalismus an der Technischen Universität Dortmund nicht zu ihm passt. Er war schon immer der Typ, der etwas durchzieht. Also kam ihm ein Studienwechsel zunächst nicht in den Sinn.

Die Experten sind sich einig: Am wichtigsten ist in so einer Situation, mit anderen über seine Zweifel zu sprechen. Ansprechpartner können Eltern und Freunde sein, aber auch die Beratungsstellen an den Hochschulen oder die Bundesagentur für Arbeit. Um einen klaren Kopf zu bekommen, helfen laut Experten folgende Fragen: Wie bin ich zu der Studienwahl gekommen? Bin ich eher der Studien- oder Ausbildungstyp? Ist das Studium das Problem oder etwas anderes? Sind meine Kommilitonen vom Studiengang begeistert und ich nicht? Liegt es an meinem Selbstmanagement?

Irgendwann müssen Studenten eine Entscheidung fällen. Es hilft nicht, sich monatelang im Kreis zu drehen. Wichtig sei, vor dem Abbruch einen Plan B in der Tasche zu haben, erklärt Studienberater Rückert. Kommt nach dem Abbruch ein Leerlauf, kann dieser das Gefühl des Versagens bestärken.

Mancher fühlt sich durch den Studiengangswechsel auch stigmatisiert. Christoph hatte das Gefühl, ein Versager zu sein. Das sei aber Irrsinn, sagen beide Experten. "Mit 19 oder 20 Jahren durchlebt man eine dynamische Entwicklung", erklärt Rückert. Es gibt über 18 000 Studiengänge. Da sei die Wahrscheinlichkeit, eine falsche Wahl zu treffen, ziemlich groß.

Christoph studiert nun seit einem Jahr mit Begeisterung Kulturwissenschaften und Wirtschaftspsychologie. Irgendwie ist er auch ein bisschen stolz darauf, die Entscheidung getroffen zu haben. Der Preis: Jeder sieht in seinem Lebenslauf, dass er einen Studiengang nicht abgeschlossen hat. Andererseits gibt es keine Lücke. "Mit dem nicht ganz perfekten Lebenslauf auf dem Blatt muss ich leben." Aus diesem Grund möchte er nur mit seinem Vornamen genannt werden. Im Endeffekt kann er nicht sagen, welche Arbeitgeber die Einstellung der Experten teilen. Unterm Strich geht er aber als Gewinner aus der Krise mit dem Studium hervor.

dpa/tmn

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