Auch Praktikanten haben Rechte

Berlin - Alles kann, nichts muss. Fast nichts. Prakitkanten haben mehr Rechte, als sie in der Regel wahrnehmen. Hier ein kleiner Überblick:

 Ein Praktikum gehört mittlerweile schon fast zum Berufseinstieg dazu. Viele Praktikanten erhoffen sich dadurch bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt und akzeptieren deswegen fast alle Bedingungen. Doch Praktikanten haben sehr wohl Rechte und sollten diese auch kennen.

“Ein gutes Praktikum zeichnet sich dadurch aus, dass die Wünsche des Praktikanten ernst genommen werden“, sagt Jessica Heyser, politische Referentin der DGB-Jugend in Berlin. Sie rät daher allen angehenden Praktikanten zu einem klärenden Vorgespräch. Praktikanten sind nämlich keine billigen Arbeitskräfte, sondern sollen Einblick in die Arbeitswelt erhalten.

Verträge sind keine Pflicht - aber möglich

In dem Vorgespräch sollte es daher nicht nur um die Wünsche der Praktikanten gehen, sondern auch um ihre Rechte. Und im Idealfall sollten dies Unternehmen und Praktikant in einem schriftlichen Vertrag festhalten. “Es ist nicht so, dass Unternehmen gesetzlich verpflichtet sind, einen Vertrag aufzusetzen“, sagt Heyser, die mit der DGB-Jugend genau um diese Verpflichtung kämpft. Aber wenn der angehende Praktikant dies offen anspricht, sollte ein Vertrag auch kein Problem sein.

Bei den Arbeitszeiten sind klare Regeln zu beachten. “Das ist aber eine Frage des Alters der Praktikanten“, sagt Heyser. 15- bis 18-Jährige, die noch schulpflichtig sind, dürfen während der Schulzeit maximal sieben Stunden und insgesamt 35 Stunden pro Woche arbeiten. In den Ferien dürfen sie laut Bundesarbeitsministerium acht Stunden täglich und insgesamt 40 Stunden pro Woche arbeiten.

Urlaubsanspruch variiert

Auch beim Urlaubsanspruch gelten unterschiedliche Regeln. Pflichtpraktika, die Studenten absolvieren müssen, unterliegen keinem arbeitsrechtlichen Schutz. Wer hingegen etwa nach dem Studium freiwillig ein Praktikum absolviert, hat die gleichen Rechte wie ein Angestellter. “Sie haben Anspruch auf Urlaub, und wenn man krank ist, muss man die Tage nicht ans Praktikum anhängen.“

Der Urlaubsanspruch variiert dabei je nach Länge des Praktikums. “Der Urlaubsanspruch richtet sich nach dem Bundesurlaubsgesetz“, sagt Esther Hartwich, Ausbildungsexpertin des Deutschen Industrie- und Handelskammertages in Berlin. Demnach stehen Praktikanten mindestens 24 Tage pro Jahr, also 2 Tage pro Monat zu. “Wenn man am Wochenende arbeitet, ist der Urlaubsanspruch größer“, sagt die DGB-Jugend-Expertin. Außerdem hängen die Urlaubstage vom Alter ab. Unter-16-Jährige haben 30 Tage, Unter-18-Jährige 25 Tage pro Jahr Urlaub. Wenn der Praktikant aber nur sehr kurz im Betrieb ist, kann der Urlaubsanspruch laut Bundesarbeitsministerium auch wegfallen.

Auch bei der Bezahlung gelten je nach Praktikumsart unterschiedliche Regeln. Beim Pflichtpraktikum gibt es keine Bezahlung. Jeder Praktikant sollte aber nachfragen, ob es nicht doch möglich ist, rät Heyser. Freiwillige Praktika hingegen müssen vergütet werden. “Wenn der Praktikant in Arbeitsprozesse eingebunden ist und einen wirtschaftlich verwertbaren Beitrag leistet, dann gibt es einen Anspruch auf eine angemessene Vergütung“, sagt Hartwich.

Zeugnis steht jedem zu - nur nicht Pflichtpraktikanten

Ist das Praktikum vorüber, steht jedem Praktikanten ein Zeugnis zu. Gemeint ist damit allerdings bei Pflichtpraktikanten nur eine Bescheinigung, dass sie in einer bestimmten Zeitspanne im Unternehmen als Praktikant beschäftigt waren. Ein qualifiziertes Zeugnis mit einer genauen Tätigkeitsbeschreibung und Beurteilung ist hingegen laut Ministerium nur bei freiwilligen Praktikanten Pflicht.

Wer sein Praktikum nicht bis zum Ende durchsteht, hat das Recht zu kündigen. Rein gesetzlich ist die Kündigung an Fristen gebunden. Manchmal ist die Kündigung auch im Vertrag geregelt. In der Praxis können Praktikanten aber meist jederzeit aussteigen.

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