Die Bachelor-Studiengänge sollen praxisnäher werden. Damit erhöhen sich die Jobchancen der Studenten. Foto: Gero Breloer nk
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Die Bachelor-Studiengänge sollen praxisnäher werden. Damit erhöhen sich die Jobchancen der Studenten.

Bachelor-Studium soll stärker auf den Arbeitsmarkt zielen

Wie praxistauglich sind Bachelor-Absolventen für den Arbeitsmarkt? Gute Jobchancen für diese Studenten und mehr Mobilität: Darauf wollen sich Europas Bildungsminister im sogenannten Bologna-Prozess konzentrieren.

Berlin - Die europäischen Bildungsminister wollen das Bachelor-Studium stärker auf den Arbeitsmarkt zuschneiden. Damit wollen sie auch der Kritik aus der Wirtschaft begegnen.

Das Bundesbildungs- und Forschungsministerium nannte als eines der Ergebnisse einer zweitägigen Konferenz im armenischen Eriwan, die Qualität der Hochschulbildung solle international weiter gestärkt werden, "um auch die Beschäftigungsfähigkeit der Absolventen zu fördern". Zudem solle die Mobilität von Studierenden und Lehrenden weiter gefördert werden.

Wie die "Süddeutsche Zeitung" schrieb, vereinbarten die Bildungsminister in Eriwan als konkretes Ziel, Hochschulen sollten mehr mit Firmen kooperieren und praxisnähere Studiengänge anbieten. Absolventen, auch bereits diejenigen mit einem Bachelor nach nur sechs Semestern, müssten "arbeitsmarktfähig werden für sich rasch verändernde Arbeitsmärkte, die von technischer Entwicklung und neuen Berufsbildern geprägt sind".

In Deutschland gibt es derzeit eine Diskussion über die Praxistauglichkeit von Bachelor-Absolventen. Mit ihnen sind nach Angaben des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) nur 47 Prozent der Betriebe zufrieden. 2007 waren demnach 67 Prozent aller Firmen mit dem Uni-Nachwuchs zufrieden, 2011 noch 63 Prozent.

Der Bachelor ist ein mit der Bologna-Reform 1999 in - nach dem Beitritt Weißrusslands - nunmehr 48 Staaten eingeführter akademischer Grad. Er soll der erste berufsqualifizierende Hochschulabschluss sein - vor dem Master. In den meisten Fällen hat das Bachelor-Studium nur drei bis vier Jahre Regelstudienzeit.

Der stellvertretende Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Holger Burckhart, hält Kooperationen mit der Wirtschaft oder auch längere Praxisphasen für sinnvoll. "Aber die Hochschule muss sich kritische Distanz zu Begehrlichkeiten der Industrie bewahren. Es geht um akademische Bildung: Wir wollen keine Roboter produzieren, sagte er der "Süddeutschen Zeitung".

Die Ergebnisse der alle zwei bis drei Jahre stattfindenden Tagung der Bologna-Staaten eines einheitlichen europäischen Hochschulraums bieten stets einen groben Rahmen mit "vorrangigen Zielen". Angesichts einer hohen Zahl von Studienabbrechern hatte die Europäische Kommission die 47 Bologna-Staaten diese Woche aufgefordert, ihre Hochschulreformen stärker voranzutreiben. "Wir können uns diesen Verlust an Talenten nicht leisten. Die teilnehmenden Regierungen müssen das Tempo der Hochschulreformen erhöhen, um den Erfolg unserer Studenten zu verbessern", erklärte Bildungskommissar Tibor Navracics in Brüssel bei der Vorstellung eines neuen Bologna-Berichts.

Danach schließen im europäischen Durchschnitt nur 7 von 10 Studierenden ihre Hochschulausbildung ab, bei der Hälfte der teilnehmenden Länder liegt die Abschlussquote bei lediglich 30 bis 50 Prozent. "Wir werden ihnen nachweislich helfen, die Reformen auch in die Praxis umzusetzen", versprach Navracics den Bildungsministern der 47 Bologna-Staaten vor ihrem Treffen in Eriwan.

Die Arbeitgeber forderten die Hochschulen auf, mehr und bessere Strategien und Angebote für lebenslanges Lernen zu entwickeln. "Hochschulen sollten Weiterbildung als eine ihrer Kernaufgaben erkennen und in ihre Strategie integrieren", sagte der Vizepräsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Gerhard Braun, laut Mitteilung in Eriwan.

dpa

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