Endspurt um Ausbildungsplätze

Berlin - Mit Beginn der Sommerferien liegen bei etlichen Jugendlichen die Nerven blank. Sie halten zwar ihr Abschlusszeugnis in der Hand, einen Ausbildungsplatz haben sie aber nicht.

Ausbildungsplätze sollte es bei der entspannten Lage am Ausbildungsmarkt in diesem Jahr eigentlich genug geben. Trotzdem kann es passieren, dass man doch noch ohne Vertrag dasitzt, obwohl das Ausbildungsjahr schon bald beginnt. Entmutigen lassen darf man sich davon nicht! Es gibt schließlich auch nach dem Ausbildungsstart noch Möglichkeiten, eine Stelle zu finden oder das Jahr auf andere Weise sinnvoll zu überbrücken. Sehr wichtig ist, die Berufsberatung der Arbeitsagentur frühzeitig aufzusuchen. “Dort kann man sich beraten lassen - beispielsweise auch über verwandte Berufsbilder oder Berufe mit Zukunft in der jeweiligen Region“, sagt Ilona Mirtschin von der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg.

Nicht verwzweifeln

Wer im Herbst noch keine Stelle hat, muss nicht verzweifeln: “20 bis 25 Prozent der Ausbildungsverträge werden wieder aufgelöst.“ Daher gebe es bei Nachvermittlungsaktionen Chancen auf einen Ausbildungsplatz. Gut sei, bis zum Januar des folgenden Jahres nachzurücken. “Danach muss ein halbes Jahr an die Ausbildung drangehängt werden.“ Außerdem lohnt ein Besuch bei den Ausbildungsveranstaltungen der Kammern - wie der Industrie- und Handelskammer oder der Handwerkskammer. Oder man sucht auf deren Internetseiten. “Die Lehrstellenbörsen der IHKs vermitteln das ganze Jahr über freie Plätze“, erklärt Thilo Pahl vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) in Berlin. Wer mit seiner Suche erfolglos ist und zum Herbst immer noch keine Stelle gefunden hat, der überlegt sich besser Alternativen zum Traumberuf. “Eine Beratung kann helfen, Berufe zu finden, die diesem Wunschberuf ähnlich sind“, sagt Pahl. “Oder man schaut überregional, ob da im gewünschten Bereich vielleicht noch etwas zu haben ist.“

Immer wieder gibt es auch Branchen, in denen händeringend nach Nachwuchs gesucht wird. “Insbesondere Banken und Versicherungen, sowie das Gastgewerbe suchen geeignete Jugendliche“, sagt Pahl. Die arbeiteten aber häufig lieber in anderen Branchen. “Es ist eine Typfrage und nicht jedermanns Sache, wenn wie im Gastgewerbe viel abends und am Wochenende gearbeitet werden muss.“ Wer trotz aller Versuche erfolglos bleibt, kann sich bei der Bundesagentur für Arbeit um eine sogenannte Einstiegsqualifikation bewerben. “Das ist eine Art Praktikum, bei der die Bundesagentur einen Zuschuss bezahlt“, erläutert Mirtschin. “Wenn dann alles gut läuft, hat man die Möglichkeit, bei dem Arbeitgeber eine Ausbildung zu beginnen.“ Die Erfolgsrate dafür liege bei etwa 60 Prozent, und die Praktikumszeit lasse sich auf die Ausbildung anrechnen.

Für Jugendliche, denen bestimmte Qualifikationen fehlen, gibt es außerdem die Möglichkeit zu berufsvorbereitenden Maßnahmen. Die haben laut Mirtschin einen praktischen und einen theoretischen Teil und seien nach Berufsfeldern ausgelegt. “Gar nichts zu tun, wäre fatal. Auf jeden Fall sollte versucht werden, zumindest in den Beruf reinzuschnuppern.“ Entsprechend sollten diejenigen, die zunächst leer ausgegangen sind, das Jahr sinnvoll füllen. “Während man sich weiter bewirbt und die Jobbörsen durchforstet, gibt es eine ganze Reihe von Alternativen“, sagt der Karrierecoach Jürgen Zech aus Köln, der Jugendliche auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz berät. Das kann ein Freiwilliges Soziales oder Ökologisches Jahr sein. Oder ein Praktikum in der angestrebten Branche. Außerdem kann man einen Schulabschluss nachholen oder sich zumindest eine Nebentätigkeit zur Überbrückung der Wartezeit suchen.

Was bei der Bewerbung hilft

Bei möglichen Arbeitgebern vorbeizugehen, um die Bewerbungsmappe abzugeben, lohnt sich auf jeden Fall. “Denn persönlicher Kontakt ist immer gut“, erklärt Thilo Pahl vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag in Berlin. Allerdings sollte man erstmal in der Personalabteilung anrufen und nachfragen, ob das in Ordnung ist. Einen Pluspunkt bekommen Bewerber mit fehlerfreien Unterlagen. “Es gibt Unternehmen, bei denen trifft nur jede 50. Bewerbung fehlerfrei ein“, erzählt der DIHK-Ausbildungsexperte. “Mit tadellosen Unterlagen kann man schon einmal aus der Masse herausstechen.“ Viel Aufwand sei das nicht. Schließlich reiche es meist aus, wenn die Mappe von den Eltern oder Freunden gegengelesen wird.

dpa

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