Tablets und Smartphones gehören zum Alltag der Schüler. Bei der Didacta zeigen Hersteller, wie hilfreich die Geräte in der Schule sein können. Foto: Julian Stratenschulte
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Tablets und Smartphones gehören zum Alltag der Schüler. Bei der Didacta zeigen Hersteller, wie hilfreich die Geräte in der Schule sein können. Foto: Julian Stratenschulte

Handys an Schulen - Verbieten oder sinnvoll nutzen?

Hannover (dpa) - Ein Leben ohne Handy können sich die meisten Jugendlichen nicht vorstellen. In der Schule sollen die Geräte aber oft ausgeschaltet bleiben. Auf der Bildungsmesse Didacta in Hannover ist zu sehen, welchen Mehrwert Neue Medien für Schüler haben können.

Schon in der 5. Klasse packen Schüler ihr Smartphone so selbstverständlich in den Ranzen wie das Pausenbrot und die Trinkflasche. 92 Prozent der 14- bis 19-Jährigen haben ihr Handy laut einer Umfrage des Branchenverbandes Bitkom in der Schule dabei. Sie hören Musik und chatten, recherchieren aber auch Lösungen oder fotografieren Tafelbilder ab. Offiziell allerdings ist 66 Prozent der Jugendlichen die Nutzung von Mobiltelefonen im Unterricht untersagt. 18 Prozent berichten gar von einem generellen Handy-Verbot in ihrer Schule.

Gleichwohl: Langfristig kann das Smartphone nicht von den Schulfluren verbannt werden, darüber sind sich Experten einig. Auf der Bildungsmesse Didacta (24. bis 28. Februar) in Hannover demonstrieren zahlreiche Aussteller, welche Vorteile Neue Medien für Unterricht und Schulorganisation haben können.

Das Digitale Schwarze Brett zum Beispiel hängt nach Angaben des Unternehmens heinekingmedia bereits in etwa 6500 Schulen, rund 700 000 Mal wurde die dazugehörige App heruntergeladen. "Die Schüler können so morgens auf ihrem Smartphone den Vertretungsplan anschauen und erfahren nicht erst in der Schule, dass die erste Stunde ausfällt", sagt Geschäftsführer Andreas Noack.

Auch die Schulbuch-Verlage haben längst Apps für das virtuelle Klassenzimmer entwickelt. Die digitalen Inhalte könnten den Unterricht erweitern und Jungen und Mädchen das Schleppen eines Teils ihrer Bücher ersparen. Voraussetzung ist allerdings, dass die entsprechenden Geräte zur Verfügung stehen und diese auch von den Pädagogen bedient werden können.

Der Kölner Lehrer André Spang koordiniert das Tablet-Projekt seiner Schule und stellt Entwürfe für einen papierfreien Unterricht ins Netz. Er sieht seine Kollegen bei der Nutzung Neuer Medien alleingelassen und fordert eine bessere Grundausstattung an den Schulen. "Das Thema Smartphones gehört unaufgeregt in den Unterricht mit hinein. Die Neuen Medien sind im Alltag überall, nur die Schule fällt da raus", kritisiert Spang.

Dieses Missverhältnis macht viele Jugendliche wütend. Der Landesschülerrat Sachsen etwa gibt unter der Überschrift "Generelles Handyverbot an Schulen?! Nicht mit uns!" Argumentationshilfen. Die Schüler der Theodor-Storm-Schule in Husum an der Nordsee haben mit monatelangen Protesten eine Lockerung der "Mediennutzungsregelung" erzielt. "Ein Verbot ist überflüssig. Man sollte eher durch Prävention vor Cybermobbing und ähnlichem schützen und den Umgang mit Neuen Medien erlernen", sagt Schülersprecher Jan Perner.

Das Handy hilft beim Schummeln, Gewaltvideos werden auf dem Schulhof gemeinsam angeschaut, Nacktfotos von Schülerinnen sind im Umlauf: Häufig kommen nur die negativen Aspekte in die Schlagzeilen. "Kinder müssen informiert und aufgeklärt werden über das Recht am eigenen Bild, die Vertraulichkeit des Wortes und Urheberrechtsfragen. Viele wissen nicht, wann sie in einen strafbaren Bereich kommen", sagt Birgit Kimmel, pädagogische Leiterin der EU-Initiative Klicksafe. Nicht alle Eltern seien dazu in der Lage, ihre Kinder zu beraten.

Die Expertin sieht daher die Schulen in der Verantwortung, Präventionsprojekte zu etablieren. Besonders gut funktioniere dies, wenn Jugendliche als Medienscouts Gleichaltrige und Jüngere beraten, sagt Kimmel: "Die Älteren sind dann Ansprechpartner bei der Nutzung von Handys, aber auch bei Problemen wie Mobbing oder Sexting."

Didacta 2015

EU-Initiative Klicksafe

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